Matthias Auer ist seit 2008 Teil des Wirtschaftsressorts der „Presse“ und schreibt dort vor allem über Energie, Innovation und Klima(politik) sowie über deren Folgen für Wohlstand und Wettbewerbsfähigkeit im Land. Er leitet das „Klima-Team“ im Haus und schreibt eine wöchentliche Kolumne in der „Presse am Sonntag“.
Wer bietet mehr? Österreich übertrumpft Brüssel bei der Förderung von Wasserstoff-Projekten. Wer auf EU-Ebene nicht zum Zug kommt, soll auf hunderte Millionen Euro an Steuergeld in nationalen Geldtöpfen zugreifen können.
Der grüne Wasserstoff-Hype ist tot. Seit Monaten wird ein Großprojekt nach dem anderen begraben. Die heimische OMV verlor eben erst ihren Partner Masdar für ein geplantes Wasserstoff-Werk nahe Wien. Die Investition passe nicht mehr in die Strategie, erklärt das Unternehmen aus Abu Dhabi.
Doch Österreichs Politik will den vermeintlichen Rettungsanker für die heimische Industrie noch lange nicht aufgeben – und greift dafür noch einmal tief in den Steuertopf. Denn auch wenn am Freitag die Voestalpine und der Verbund die Erweiterung ihrer Wasserstoffpilotanlage H2FUTURE in Linz feiern, ist klar: Was einmal sauberen Stahl erzeugen soll, frisst heute noch Geld. Ganz ohne finanzielle Hilfe rechnet sich bis dato keine Anlage, die grünen Wasserstoff mittels Elektrolyse herstellen will.
Die Produktion von grünem Wasserstoff verschlingt große Mengen erneuerbarer Energie und das ist bei den aktuellen Strompreisen sehr teuer. Derzeit kostet grüner Wasserstoff mit 3,1 bis 5,3 Euro je Kilogramm weiter zwei- bis viermal so viel wie Wasserstoff, der aus fossilen Brennstoffen wie Steinkohle, Braunkohle und Erdgas hergestellt wird. 95 Prozent des Wasserstoffs für die Industrie basieren heute auf fossilen Rohstoffen und werden deshalb als schwarzer, brauner oder grauer Wasserstoff bezeichnet.
Viele spekulative Projektwerber aus der ersten Phase des Hypes seien von der Realität eingeholt worden, sagen die Analysten bei Rystad Energy. Ein Großteil der Projekte sei aber nicht nur aus Kostengründen gestoppt worden, sondern sei auch eine Folge von Strategiewechseln bei den Konzernen. Selbst die Politik muss heute erkennen, dass sie vor wenigen Jahren wohl zu groß geträumt hat. Bis 2030 wollte die Europäische Union jedes Jahr zehn Millionen Tonnen erneuerbaren Wasserstoff produzieren und weitere zehn Millionen Tonnen importieren.
Nur ein knappes Fünftel davon wird der Kontinent nach heutigem Stand erreichen. Um den Wasserstoffmarkt dennoch voranzutreiben, startet die EU im Dezember eine weitere Auktion von Fördermitteln über die EU-Wasserstoffbank. Das Prinzip dahinter ist simpel: Projektwerber bestimmen selbst, mit wie wenig Förderung pro Kilogramm Wasserstoff sie auskommen. Die günstigsten Projekte erhalten den Zuschlag.
Ausbezahlt werden die 500 Millionen Euro maximal zehn Jahre lang auf Basis der tatsächlich produzierten und zertifizierten Wasserstoffmengen. Kein schlechtes Modell für eine Industrieförderung. Das große Problem aus österreichischer Sicht: Die allermeisten heimischen Unternehmen kamen in den bisherigen Runden der Wasserstoffbank nicht zum Zug. Einzig die Wiener Stadtwerke erhielten heuer für die Elektrolyseanlage Hy4IND den Zuschlag bei einer Förderprämie von 0,98 Euro pro Kilogramm.
Der Rest, von Voestalpine bis zur OMV, ging leer aus. Das soll sich nun ändern.
„Wasserstoff ist ein zentraler Baustein für die Zukunft unserer Industrie“, sagt Wirtschafts- und Energieminister Wolfgang Hattmannsdorfer. Er stellt 200 Millionen Euro an nationalen Fördermitteln für österreichische Projekte zur Verfügung, die bei der EU nicht zum Zug kommen. Die Mittel kommen aus dem Budget und sind gesetzlich im Wasserstoffförderungsgesetz verankert. Bis 2027 kann die Republik im Rahmen der EU-Auktion auch heimisches Steuergeld verteilen.
„Entscheidend ist, dass aus Wasserstoffstrategien auch Wasserstoffprojekte werden. Genau dort setzen mit diesem Förderinstrument an“, so Hattmannsdorfer. Um genügend Kunden muss sich die OMV nicht kümmern. Der grüne Wasserstoff soll vor allem in der eigenen Raffinerie Schwechat zum Einsatz kommen.
Was bedeutet das für heimische Projekte, wie jenes der OMV? Wie berichtet, will das Unternehmen jährlich bis zu 28.000 Tonnen grünen Wasserstoff für die OMV-Raffinerie erzeugen. Die Finanzierung des 600 Millionen Euro schweren Projekts ist aber ohnedies auch ohne Masdar längst gesichert. Die Europäische Investitionsbank hat bereits ein Darlehen von 450 Millionen Euro zugesagt. Und auch Österreich hat schon 123 Millionen an Fördermitteln zugesagt.
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