Kaugummiautomaten: Nostalgie mit Dreh

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Kaugummiautomaten: Nostalgie mit Dreh
Meran, Österreich, Patrick Klotz

Mechanische Wandautomaten waren über Generationen hinweg die stillen Nahversorger der Kindheit. An Hauswänden sieht man sie nur noch selten, doch das ...

Mechanische Wandautomaten waren über Generationen hinweg die stillen Nahversorger der Kindheit. An Hauswänden sieht man sie nur noch selten, doch das Prinzip feiert ein kleines Comeback – zumindest in Vorarlberg.

Es ist nur ein kurzer Dreh, doch für einen Moment liegt darin die ganze Spannung eines kleinen Glücksspiels. Die Münze verschwindet im Schlitz, der Griff setzt sich mit einem metallischen Klicken in Bewegung, und irgendwo im Inneren des Automaten beginnt es zu rattern. Dann fällt ein bunter Kaugummi oder eine kleine Plastikkugel mit Inhalt in die Ausgabeschale. Ein Vorgang, der noch für viele untrennbar mit ihrer Kindheit verbunden ist.

Mechanische Wandautomaten gehörten einst ganz selbstverständlich zum Straßenbild. Sie hingen an Hauswänden, neben Geschäften oder entlang des Schulwegs und versprachen für etwas Kleingeld eine kleine Süßigkeit oder eine Spielfigur. Strom brauchten diese Geräte dafür nicht. Ein Münzeinwurf setzte über den Drehgriff eine rein mechanische Vorrichtung in Gang, die eines der Produkte freigab.

Gerade diese einfache Technik machte die Automaten robust und über Jahrzehnte funktionsfähig. In Österreich verbreiteten sich mechanische Warenautomaten vor allem in der Nachkriegszeit. Doch mit den Jahren veränderte sich das Kaufverhalten. Naschereien und kleine Spielsachen sind heute an jeder Supermarktkassa, in Tankstellen und Geschäften erhältlich, zugleich gibt es immer weniger Orte, an denen die alten Apparate selbstverständlich ihren Platz finden.

Auch die Umstellung von Schilling auf Euro wurde für manche Betreiber zur Hürde. Die technische Anpassung war nicht immer wirtschaftlich, weshalb zahlreiche Geräte stillgelegt wurden. Und dort, wo ein alter Automat noch heute an einer Hauswand hängt, ist dessen Geschichte oft nur schwer nachzuvollziehen. Wem er gehört, lässt sich nicht immer auf den ersten Blick feststellen.

Ein Gerät an einer Hauswand ist nicht automatisch Eigentum des Gebäudebesitzers. Ursprünglich wurden für solche Standplätze Vereinbarungen getroffen – etwa gegen eine geringe Pacht oder eine andere Gegenleistung. Wurde ein Aufstellerbetrieb später aufgegeben, blieben vereinzelt Automaten zurück. Mitunter geriet über die Jahre in Vergessenheit, wer für das Gerät eigentlich zuständig ist.

So verschwinden viele dieser Relikte irgendwann bei Sanierungen. Andere wechseln den Besitzer: In der Sammlerszene werden alte Kaugummiautomaten gesucht, restauriert und als nostalgische Dekorationsstücke erhalten. Doch das Konzept erlebt mancherorts auch eine kleine Renaissance. Einer, der diese Idee aufgreift, ist Patrick Klotz.

Er bringt mechanische Automaten zurück in Gastbetriebe und andere Treffpunkte und verbindet damit Nostalgie mit einem zeitgemäßen Geschäftsmodell. Der 26-Jährige stammt ursprünglich aus Meran in Südtirol und lebt heute in Vorarlberg, wo er hauptberuflich in der Gastronomie arbeitet.

„Ich wollte mir nebenbei etwas Eigenes aufbauen und hatte schon immer Interesse an Automaten“, erzählt er. Vor gut einem Jahr entschloss er sich schließlich, die Idee umzusetzen, und gründete Klotz-Automaten. Mittlerweile betreut der junge Mann mehr als 30 Geräte in Vorarlberg und vier weitere in Südtirol. Aufgestellt werden diese vor allem in Gastronomie- und Freizeitbetrieben sowie in verschiedenen Geschäftslokalen.

Die jeweiligen Standortpartner erhalten eine Umsatzbeteiligung, während Klotz Befüllung, Wartung und Reparaturen übernimmt.

„Ich glaube, gerade weil heute fast alles digital ist, haben die alten mechanischen Automaten Charme“, meint der 26-Jährige. Das Angebot in den Geräten richtet sich derzeit vor allem an Kinder und Familien. So gibt es beispielsweise Flummis und Klebe-Tattoos mit unterschiedlichen Motiven, weitere Produkte sollen folgen. Das scheint allerdings auch bei so manchem Erwachsenen gut anzukommen, wie Klotz erzählt: „Ich habe auch schon beobachtet, dass sie sich über ein Tattoo aus dem Automaten gefreut haben.

“ Auch wenn die Apparate heute vor allem als zusätzliche Attraktion in Gastbetrieben und Geschäftslokalen dienen, verbindet sie einiges mit ihren historischen Vorbildern. Der Kauf erfolgt nicht per Knopfdruck, die Mechanik bleibt sichtbar und welche Überraschung am Ende in die Ausgabeschale fällt, lässt sich nicht vorab auswählen.

„Mich begeistert einfach das Altmodische daran, der Drehmechanismus und vor allem das Rumbasteln an den Automaten“, sagt Klotz. Dass die Geräte ohne Strom funktionieren, sei für ihn ein weiterer Vorteil. Ganz ohne Aufwand kommt allerdings auch dieses Geschäft nicht aus. Die Geräte müssen regelmäßig kontrolliert und nachgefüllt, bei Bedarf auch repariert werden.

Dass die Automaten trotz dieses Aufwands wieder an unterschiedlichen Orten auftauchen, zeigt, dass das einfache Prinzip auch in einer zunehmend digitalisierten Welt immer noch funktioniert. User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum.

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