Job mit Down-Syndrom? Für Alex (27) keine Barriere - er ist unser 'Wiener der Woche'
Es gilt als nicht „normal“, wenn man etwas langsamer tickt. Viele haben noch immer Vorurteile oder Berührungsängste im Umgang mit Personen mit Lernschwäche. Ein Schicksal, das im Berufsleben massiv Nachteile bringt.
Eine Wiener Initiative möchte das ändern: Bei dem Verein WINS werden junge Menschen mit Lernschwäche Job-Perspektiven geboten. Die Trainees, viele davon mit Down-Syndrom, sollen hier ohne Leistungsdruck auf den Arbeitsmarkt vorbereitet werden. Alex Stuchlik hat Trisomie 21 - und dank der Initiative seinen Traumberuf als Lebensmittelfachverkäufer in einem Bioladen nahe dem Hauptbahnhof gefunden.Wie jeden Tag sperrt Alex gemeinsam mit seinem Chef Rüdiger die Tür im kleinen Bioladen im Sonnwendviertel auf. Heute kommt eine besonders große Lieferung von einem regionalen Lieferanten an. Mit viel Elan stürzt sich Alex gerne auf die Routineaufgaben im Shop: Die Ware auspacken, einbuchen, etikettieren und dann in die Regale schlichten. Jeder noch so kleine Artikel wird penibel eingetragen. Ein wenig schwerer als „normale“ Kollegen hatte Alex es durch seine Beeinträchtigung schon, bis er diese Handgriffe in einem Geschäft und an der Kassa routiniert und fehlerfrei in petto hatte. Seine Zeit bei einer Wiener Initiative WINS hat ihn aber bestens darauf vorbereitet - und ihm die nötige Ausbildungszeit gegeben, um fit für den Job zu sein. „Wir wollen jungen Menschen mit Lernschwäche damit die Chance auf ein selbstbestimmtes Leben ermöglichen“, erklärt Vize-Obfrau Martina Parzer. Wir wollen jungen Menschen mit Lernschwäche damit die Chance auf ein selbstbestimmtes Leben ermöglichen.Vor der Abschlussprüfung vor eineinhalb Jahren war Alex sehr nervös, hat sie aber mit Bravour gemeistert. Nun arbeitet er in einem von zwei Bioläden, wo er auch die Praxisausbildung absolviert hatte. Die größte Herausforderung in Alex' Alltag stellt die Einführung neuer Produkte dar. „Da kann es schon mal vorkommen, dass ich etwas nicht auf Anhieb finde“, gibt Alex zu - aber auch da werde er immer schneller.Menschen mit Down-Syndrom sind nicht krank im eigentlichen Sinn - doch es geht mit körperlichen und geistigen Beeinträchtigungen einher. „Es kann und braucht daher nicht geheilt werden“, stellt der Verein „Down-Syndrom Österreich“ auf seiner Website fest. 9000 Menschen in Österreich leben mit dieser Abweichung der Chromosomenzahl.Doch nur die wenigsten können leider im richtigen Berufsleben Fuß fassen: Nur wenige arbeiten in Jobs, die auch nicht beeinträchtigten Arbeitssuchenden offen stehen, so wie Alex. In seinem Freundeskreis gibt es einige Erfolgsgeschichten: „Cathi arbeitet jetzt im Kindergarten“, erzählt der 27-Jährige. Der Einzelhandel war dann aber doch nichts für die junge Wienerin. „Und Hanna arbeitet bei Denns.“ Die junge Dame war eine seiner Kolleginnen beim Ausbildungsverein von WINS.Cathi hat sich nach der Ausbildung im Einzelhandel für einen Job im Kindergarten entschieden.Anders als Cathi liebt Alex die Arbeit im Bioladen. An seinem Job als Lebensmittelfachverkäufer mag er vor allem den Kundenkontakt. Er hofft sehr darauf, dass der Punschstand vor dem Geschäft nach dem Lockdown wie geplant öffnen darf. Punsch auszuschenken ist eine seiner Lieblingsaufgaben in der Vorweihnachtszeit: „Weil er da mit so vielen verschiedenen Menschen plaudern und Schmäh führen kann“, wie seine Mutter schmunzelnd erzählt. In einem Bioladen ist er gut aufgehoben, denn Kochen ist eines seiner vielen Hobbys. Auf die Frage nach seinem Lieblingsessen gibt er wie aus der Pistole geschossen „Gemüse!“ als Antwort an. „Deswegen bin ich auch so schlank“, erklärt er lachend. „Ich esse immer gesunde Sachen, damit ich fit bleibe“, erzählt der ambitionierte Hobby-Sportler.Medaillen bei Special Olympics als Tänzer gewonnen Denn Alex hat noch ganz andere Talente als jene im Einzelhandel: Er hat sich dem Tanzen verschrieben und trainiert dafür viermal pro Woche nach Ladenschluss mit seiner Lebensgefährtin Sophie. Auf Modern Dance und Hip-Hop hat er sich spezialisiert. Gemeinsam holten sie bei den Special Olympics schon einige Medaillen. Sie durften ihr Können schon in Moskau und Deutschland unter Beweis stellen. Das Paar genießt das Rampenlicht. Den nächsten Auftritt hätten sie Mitte Dezember im Weihnachtsdorf vor der zweiten WINS-Filiale am Austria Campus. Dieser Termin ist natürlich auch davon abhängig, ob der Lockdown bis dahin zu Ende ist.Auch sonst kann der junge Mann gut für sich selbst sorgen und führt ein eigenständiges und selbstbestimmtes Leben. Alex wohnt in einer inklusiven Wohngemeinschaft mit acht Mitbewohnern auf 290 Quadratmeter. Dort wird viel gemeinsam gekocht, gelacht, Filmabende veranstaltet und der Alltag gemeistert - wie in jeder anderen „normalen“ WG eben auch.
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