1997 in Wien geboren, schrieb zum ersten Mal 2020 während seines Journalismus-Studiums für die „Presse“. Im Economist berichtete er zu Beginn über Unternehmerschicksale während der Corona-Pandemie. Später beschäftigte er sich mit dem internationalen Handel, der Unterhaltungsindustrie oder volkswirtschaftlichen Zusammenhängen.
Laut Schnellschätzung der Statistik Austria stieg die Inflation im vergangenen September auf 3,6 Prozent. Im August lag sie bei 3,2 Prozent. Ökonomen sehen neben den Energiepreisen vor allem Dienstleistungen in Österreich als Hauptpreistreiber.
„Gierflation“ sei nicht das Problem. Die mittlerweile wohl berühmteste Meerenge der Welt, die Straße von Hormuz, bleibt das Sorgenkind der globalen Wirtschaft. Da kein Ende des US-israelischen Kriegs mit dem Iran in Sicht ist, bleiben Öltransporte eingeschränkt und die Preise hoch. Das treibt auch die Kosten für Strom und Gas in die Höhe, wodurch die gesamte Preisentwicklung unter Druck steht.
Der Anstieg gegenüber dem Vormonat von 0,4 Prozentpunkten sei „zur Gänze auf die gestiegenen Treibstoff- und Heizölpreise zurückzuführen. Energie insgesamt verteuerte sich im Jahresvergleich um 14,5 Prozent, nach einem Plus von 9,9 Prozent im August“, sagt Manuela Lenk, fachstatistische Generaldirektorin der Statistik Austria. Im Vergleich zu anderen Ländern der Eurozone, die alle vom Ölpreis betroffen sind, wird die österreichische Inflation aber noch immer besonders stark von Dienstleistungen getrieben. Laut Statistik kam verteuerten sie sich im September um 4,2 Prozent etwas.
Etwas geringer als im August, als sie ein Plus von 4,4 Prozent aufwiesen. Die Preise für Industriegüter stiegen um 0,7 Prozent. Nahrungsmittel, Tabak und Alkohol verteuerten sich im September um ein Prozent, nachdem sie im August um moderate 0,3 Prozent zugelegt hatten.
„Die unsichere Geopolitik bleibt das größte Risiko für die Inflation“, sagt Matthias Reith, Ökonom bei Raiffeisen Research. Doch Dienstleistungen würden bereits seit Jahren die heimische Teuerung antreiben. So seien allein im August rund drei Viertel der Inflation durch sie bedingt gewesen.
„Schon seit 2011 sind stark steigende Dienstleistungspreise das Kernproblem. Deswegen war die Inflation bei uns auch schon vor dem Ukraine-Krieg immer ein wenig höher als in anderen Euroländern“, so Reith zur „Presse“. Seit 2020 habe die Teuerung insgeamt 31 Prozent betragen.
„In keinem anderen europäischen Land wurde das Leben in diesem Zeitraum teurer. Und Lebensmittel, Strom, Gas und Benzin waren nicht schuld daran“, sagt Reith. Selbst dann nicht, als nach Beginn des Ukraine-Kriegs die Energiepreise explodierten.
„Die Lawine ist erst entstanden, als man die Inflation durchrauschen ließ, insbesondere bei den Lohnerhöhungen“, kritisiert Reith. „Zu deutlich“ gestiegene Dienstleistungslöhne würden sich mit einem Verlust der preislichen Wettbewerbsfähigkeit bemerkbar machen. Es sei „viel Porzellan zerschlagen“ worden, das nun „langsam aufgekehrt“ werden müsse. Die jüngsten Lohnabschlüsse leicht unter der rollierenden Inflation seien ein erster richtiger Schritt.
„Das müsste aber mehr als zehn Jahre lang so weitergehen, um die verlorene Wettbewerbsfähigkeit wieder zurückzuholen. “ Vor der Coronapandemie seien die Lohnerhöhungen weniger problematisch gewesen, da auch die Produktivität gleichzeitig zunahm. Später seien die Löhne dann aber „davongeeilt“. Dass Österreich als Tourismusland mit vielen Gastronomie- und Hotellerie-Betrieben einen großen Dienstleistungssektor hat, sei allein keine Ursache für die Verteuerungen.
„Wenn man Dienstleistungen bei der Berechnung des Warenkorbs wie in anderen Ländern niedriger gewichten würde, wäre die Inflation trotzdem ungefähr gleich hoch. “Seit dem Frühjahr 2021 würden 61 Prozent des Preisdrucks in Österreich auf Löhne und Gehälter zurückgehen, im Schnitt der Eurozone nur 45 Prozent. Die hohen Lohnkosten hätten sich auch drastisch auf die Gewinne der Unternehmen ausgewirkt.
„Daher kann man auch klar sagen, dass es keine ‚Gierflation‘ gegeben hat. “ Unternehmensgewinne hätten den Preisanstieg hierzulande nur zu 14 Prozent beeinflusst, in der Eurozone sei dieser Wert bei 39 Prozent gelegen.
Zudem hätten sich die Betriebe vielfach dazu entschieden, höhere Preise nicht vollumfänglich an Kunden weiterzugeben. Laut Reith hätten Unternehmen deswegen weniger Gewinne geschrieben, was die Zukunft des Standorts bedrohe. Denn niedrigere Gewinne würden dazu führen, dass Firmen weniger investieren und weniger Innovationen hervorbringen. Besonders für Österreich sei das ein Problem.
Denn der Standort Österreich definiere sich nicht über günstige Konditionen, sondern über Qualität. Im vergangenen August lag die Inflation in Österreich nach Verbraucherpreisindex bei 3,2 Prozent. Nach der europäischen Berechnungsmethode, dem harmonisierten Verbraucherpreisindex , lag sie bei 2,9 Prozent unter jener der Eurozone von 3,2 Prozent. Dieser Wert sei aber durch Maßnahmen wie die Mehrwertsteuersenkung und die Spritpreisbremse „staatlich erkauft“.
„Das kann für kurze Preisspitzen Sinn ergeben. Aber der Sprit ist jetzt schon lange teuer“, kritisiert der Ökonom Reith.
Außerdem sei die Bremse nicht zielgerichtet und würde „vom Dacia-Fahrer bis zum Porsche-Fahrer“ allen gleichsam zugutekommen. Als die Strompreisbremse Ende 2024 auslief, habe man gesehen, dass der Preisschub „nur verschoben“ wurde. Die Strompreise stiegen im Jänner 2025 rasant an. Hinzu käme, dass höhere Preise generell auch wichtige Marktsignale für Knappheit seien.
Raiffeisen Research erwartet, dass die Inflation erst ab kommenden Frühjahr und nur schleppend wieder zurückgehen wird. Die nun steigenden Preise für Strom und Gas infolge des hohen Ölpreises würden den Abstieg verlangsamen.
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