Seit 2007 bei der „Presse“, seit 2009 im Kulturressort. Sie absolvierte an der Universität Wien das Studium der Publizistik und Kommunikationswissenschaft, ist verantwortlich für die Popmusik-Agenden, schreibt außerdem über Filme und Serien und TV-Notizen. Dank „Game of Thrones“ und „House of the Dragons“ kennt sie sich gut in Westeros aus.
Sie hängt einer „Different Religion“ an: Miley, neuerdings ohne Cyrus im Künstlernamen, hat ihr zehntes Album „Bass Persuades“ herausgebracht. Darauf ist sie gewohnt furchtlos, leider auch bei der Auswahl ihrer Beats.
, die jüngst den Nachnamen Cyrus aus ihrem Künstlernamen strich, hat sich eine Band für ihr neues Album ins Studio geladen. Es ist ihr inzwischen zehntes, „Bass Persuades“, der Bass überredet also, am Freitag nur ein gutes Jahr nach dem Vorgänger „Something Beautiful“ erschienen.
Diese Band hat den seltsamen Doppelnamen Model/Actriz, stammt aus Boston, besteht aus vier Mitgliedern, die Musik lässt sich wohl am ehesten unter dem Schlagwort Post-Punk einordnen, und sie war vor dieser Aufmerksamkeit erregenden Zusammenarbeit – gemessen an den Zuhörerzahlen auf Spotify – wohl eher so etwas wie ein Geheimtipp.
„Different Religion“ heißt der gemeinsame Song, und ja, es gibt noisige, blecherne Drums, in homöopathischen Dosen serviert. Stärker im Vordergrund steht die sonore Stimme von Model/Actriz-Sänger Cole Haden, der neben Miley ins Mikrofon raunt. Sie habe ihren eigenen Gott gefunden, singt Miley, rauchig-hell, er fahre ein schnelles Auto.
„My god’s a hot boy“, löst sie auf. Es ist einer der spannenderen der insgesamt zehn Tracks auf dem 37 Minuten langen Album, das bisweilen wie ein Schnellschuss oder zumindest wie ein Experiment wirkt. Vier andere Männer waren am Album beteiligt, die Produzenten Gregory „Aldae“ Hein , Kid Harpoon und Michael Pollack sowie – der darf ebenfalls mitsingen – Andrew Wyatt vom amerikanisch-schwedischen Elektropop-Trio Miike Snow.
Dass Miley furchtlos ist, weiß man spätestens, seit sie nackt auf einer Abrissbirne saß, aber ihr Mut zahlt sich hier nicht immer aus. Gerade in der Mitte des Albums staunt man über den unerschrockenen Einsatz von flachen 80er-Jahre-Synthies, Harfe und Streichern.
„Aftermath“, gerichtet an einen Verflossenen, fand sie zuerst so langweilig, dass sie ihren Verlobten, den Musiker Maxx Morando um Hilfe bat. Dessen Lösung: „Boom Boom Boom“. Genau so kommen die Beats auch daher, wie aus der Konserve. Nach dem starken Beginn mit dem tanz- und remixfreundlichen basslastigen Titeltrack und der süßen Ballade „Let’s Get Married“ ein unangenehmer Bruch.
Dass sie Schlager schreiben kann, beweist sie mit „Redlights“, wo die Stimme hallt, als wäre es 1985. Gen Ende wird das Album wieder besser.
„Snow“ erinnert thematisch an Sofia Coppolas Film „Lost in Translation“. Miley und Partner sind verloren in Kyoto und fallen zusammen wie der Schnee. Überhaupt zeigt sich in manchen der Texte die Größe, zu der sie wachsen kann. In „Innocent Ways“ singt sie offen über das schlechte Verhältnis zu ihrer Schwester, die sie schützen wollte und dabei vor den Kopf stieß.
Ihre Beziehung beschreibt sie in „Orbit“: Sie kreise um ihn, „and we don’t have to touch, cause close is close enough“. Ein veritabler Hit findet sich nicht auf „Bass Persuades“. Vielleicht beim nächsten Mal wieder. Vermutlich im kommenden Jahr.
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