Valerie Zehethofer ist Redakteurin für die „Presse“ und das „Presse Schaufenster“ und schreibt dort über Stil, Design, Zeitgeist und das moderne Leben. In Wien geboren, studierte sie Modejournalismus in München, arbeitete für das Modemagazin „Diva“ und leitete das Mode- und Wohnressort der Zeitschrift „Wienerin“, bevor sie zur „Presse“ kam.
Wohlfühlsession statt Basicprogramm: Holistic Facials betten die Gesichtsbehandlung in ein ganzheitliches – und maßgeschneidertes – Konzept. Sanfte Klaviermusik im Hintergrund, der Duft ätherischer Öle in der Luft, ausgesuchte Möbelstücke, Kunst an den Wänden, auf dem Vintageregal ein frischer Strauß Sonnenblumen: Kathrin Lohmeyer empfängt in einem hellen Altbau im Wiener dritten Bezirk.
Dass sich hinter einer Flügeltür im rückseitigen Teil der Wohnung ein kleines Kosmetikstudio auftut, kommt überraschend. Beinahe schade, dass man nur zum Interview vor Ort ist. Man glaubt es Lohmeyer sofort, wenn sie sagt, dass es das Schönste für sie sei, Menschen „in die Entspannung zu schicken“. Immerhin: Rauhaardackel Gustl macht es sich während des Gesprächs im Salon auf dem Sofa gemütlich.
Im Behandlungsbereich hat der „Customer-Care-Beauftragte“ keinen Zutritt. Kathrin Lohmeyer ist diplomierte Kosmetikmeisterin, spätberufen, erst mit Mitte dreißig startete sie ihre Ausbildung. Zwar habe sie schon als Kind gern Hautunreinheiten unter die Lupe genommen. Beruflich ging sie aber erst einmal andere Wege.
Nach einem Abstecher in ein Kunstgeschichtestudium begann sie als Flugbegleiterin bei einer Privatjet-Firma, bereiste die Welt und lernte, wie sie sagt, schon früh in ihrem Leben mit sehr, sehr anspruchsvollen Kunden umzugehen. Nach der „Fliegerei“ arbeitete sie für Luxusmodegeschäfte, wechselte schließlich in leitender Position in die Österreich-Filialen der australischen Premium-Kosmetikmarke Aesop. Im Jänner dieses Jahres schließlich wagte die gebürtige Kärntnerin, „angestrebert“ mit Wissen rund um das Thema Hautgesundheit und mit fertigem Diplom in der Tasche, den Schritt in die Selbstständigkeit.
Das ist erst einmal nicht ungewöhnlich, das Angebot an Beauty-Treatments im Land ist groß, jedes Jahr kommen Hunderte neue Studios und Unternehmen dazu. Wohl auch deshalb war es Lohmeyer wichtig, die Dinge ein wenig anders zu machen als in der Branche üblich. Als Gesamtkonzept will sie ihre Facials verstanden wissen, Treatment und Produktauswahl werden maßgeschneidert. Eine kleine Auszeit wolle sie ihren Kunden und Kundinnen bieten, sagt Kathrin Lohmeyer.
Wobei die „persönliche Komponente“ dabei besonders wichtig sei: „Jeder Neukundinnen-Termin beginnt bei mir mit einem ausführlichen Anamnesegespräch, ich will die Bedürfnisse und Besonderheiten einer Person in der Tiefe verstehen, bevor ich ein Facial starte.
“ Viel zu oft habe sie selbst erlebt, dass Behandlungen nach Schema F ablaufen, im Hintergrund ein enervierender Radiosender läuft, nicht auf Details geachtet wird: „Kommen, ausreinigen, Maske auflegen, zahlen und wieder gehen – das wollte ich nicht, dafür weiß ich zu viel über gehobenen Kundenservice. “ Sogar die Zeitschrift „Vogue“ wurde schon auf Lohmeyers De-luxe-Kosmetikstudio aufmerksam. Bis zum Ende des Jahres ist sie bereits ausgebucht. Warum kommt das Konzept so gut an?
Barbara Forcher ist eine Pionierin auf dem Gebiet der „Holistic Facials“. Seit rund 15 Jahren beschäftigt sie sich mit Menschen und ihren Häuten. Nach einer Ausbildung zur medizintechnischen Assistentin war Forcher viele Jahre lang für renommierte ästhetische Ärztinnen in Wien tätig: „Irgendwann war mir das Behandeln an der Oberfläche dann aber zu wenig.
“ Sie studierte Ernährungspädagogik, vertiefte ihr Wissen zu Mikronährstoffen, begann mit ihrem Ehemann, einem Orthomolekularmediziner, zusammenzuarbeiten. Heute verbindet sie ihre Gesichtsbehandlungen mit einem ganzheitlichen Blick auf ihre Kunden: „Gestresste Haut hat immer eine Ursache. Der möchte ich auf den Grund gehen.
“ Auch Forchers Treatments geht eine umfangreiche Konsultation voraus, in denen sie mit ihren Kunden eine Pflegeroutine für zu Hause erarbeitet. Erst in einem späteren Termin gehe sie zur aktiven Behandlung über: „Das war schon mutig anfangs, die Kunden erst einmal wieder heimzuschicken, aber die Ergebnisse der Treatments sind einfach besser, wenn die Haut schon vorher die richtige Pflege bekommt.
“Auch Barbara Forcher ist gut gebucht, viele Menschen wollen von ihr behandelt werden, auch wenn ihr, wie auch Lohmeyers, Angebot durchaus hochpreisig ist. „Die Leute sind durch die sozialen Medien oft unheimlich gut informiert und aufgeklärt“, sagt Forcher. Wohl auch deshalb ist der Anspruch an Beauty-Behandlungen heute so hoch.
Andererseits suchen mehr und mehr Menschen einen Ort der Ruhe und Entspannung, den sie zwischendurch aufsuchen können, glaubt Kathrin Lohmeyer. Als Luxuskosmetikstudio sei man auch ein bisschen Urlaubsinsel. Gleichzeitig sehen sich beide Frauen in der Verantwortung, ihre Kundschaft dann und wann auf den Boden der Realität zu holen: „Im Netz wird wahnsinnig viel Unsinn verbreitet, was Beauty-Produkte und Hautpflege angeht“, so Lohmeyer. „Diese Märchen zu entmystifizieren gehört auch zu meinem Service. “
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