Die 81-jährige Helen Mirren denkt trotz ihrer vielen Projekte nicht an einen Ruhestand. Sie fühlt sich weiterhin zu ihrer beruflichen Gabe berufen, plant jedoch nicht weiter als bis zum nächsten Tag und möchte ihre verbleibende Zeit bewusst und mit Freude nutzen. Aktuell arbeitet sie an der zweiten Staffel von MobLand und spielt in Ein Talent fürs Morden Patricia Highsmith.
Die britische Schauspiel erin Helen Mirren ist derzeit nicht nur in der zweiten Staffel ihrer Serie „MobLand“ zu sehen. An einen Rückzug aus dem Filmgeschäft denkt die 81-Jährige noch lange nicht – ganz im Gegenteil.
Eine Auszeichnung für ihr Lebenswerk beim Filmfest Hamburg, eine Rolle als Patricia Highsmith in dem Film „Ein Talent fürs Morden“ und die zweite Staffel ihrer Serie „MobLand“ , Helen Mirren hat momentan alle Hände voll zu tun. Dabei strömt die 81-Jährige im Interview eine große Gelassenheit aus – die Haltung eines Menschen, der niemandem mehr etwas beweisen muss und sich darauf konzentriert, den Rest seines Lebens nicht zu vergeuden. Sie sind mit 81 Jahren immer noch sehr aktiv.
Aktuell sind Sie mit der Streaming-Serie „MobLand“ zu sehen und demnächst in „Ein Talent fürs Morden“. Der Rückzug in den Ruhestand kommt für Sie nicht infrage? Helen Mirren: Absolut nicht. Früher dachte ich, ich würde mit der Schauspielerei irgendwann im Alter aufhören und mir einen anderen Zeitvertreib suchen.
Aber mein Schauspieltalent ist meine Gabe, mit der muss ich etwas machen. Und ich habe im Laufe der Jahre gemerkt, dass sie ihre Bedeutung für mich nicht verloren hat. Es kann schon sein, dass es eines Tages mit der Schauspielerei für mich vorbei ist. Nichts im Leben ist garantiert.
Deshalb mache ich auch keine Pläne. Mir ist schon klar, dass mein restliches Leben ziemlich kurz ist. Deshalb bin ich wählerischer geworden. Ich will meine Zeit nicht vergeuden.
Warum waren Sie der Überzeugung, dass Sie Ihre Zeit nicht mit einer Gangster-Serie wie „MobLand“ verschwenden? Ich dachte mir: ‚Eine Serie im Gangstermilieu – das klingt nach Spaß.
‘ Ansonsten hätte ich nie zugesagt. Ja, denn das motiviert mich, Energie für eine Rolle aufzubringen. Denn dieser Job kann anstrengend sein. Du musst früh aufstehen, die Arbeitstage sind lang, aber gleichzeitig ist das eine unglaubliche Freude.
Deshalb habe ich das mein Leben lang gemacht, und ich schätze mich wahnsinnig glücklich, dass man mich das weiter machen lässt. Theoretisch könnten Sie wieder mit Ihrem Mann, Regisseur Taylor Hackford, arbeiten – Ihr letzter gemeinsamer Film liegt 16 Jahre zurück. Und das ist okay so. Ich bin der Meinung, dass jeder von uns beiden sein Ding machen soll.
Wir haben uns natürlich über unsere Arbeiten ausgetauscht und einander ermuntert. Und das hat wunderbar funktioniert. Inzwischen sind Sie beide seit 28 Jahren verheiratet. Das ist vor allem im Filmgeschäft eine sehr lange Zeit.
Was für eine Bedeutung hat Ihr Mann für Sie? Mein Mann bringt Liebe in mein Leben. Liebe treibt uns alle an. Dieses Gefühl beginnt bei der unmittelbaren Familie – Kindern, Enkel, Cousins.
Aber auch gute Nachbarn sind unglaublich wichtig. Mein Verhältnis zu ihnen könnte man genauso als Liebe beschreiben. Es ist wunderbar, wenn man solche Leute in seinem Umfeld hat. Ich liebe die Welt ganz generell.
Zum Teil liegt das daran, dass wir schon unsere Erfahrungen gesammelt hatten, als wir uns kennenlernten. Wir waren in unseren frühen 40ern, das war ein großer Vorteil. Ganz wichtig waren und sind seine innere Stärke und Energie. Er ist auch sehr loyal und hat eine positive Lebenseinstellung.
Du musst deinem Partner auch die Freiheit geben, dass er sich weiterentwickeln kann und das verwirklicht, was in ihm steckt. Und es ist gut, wenn beide unternehmungslustig sind. Taylor und ich lieben das Abenteuer. Das heißt, wenn es irgendeine Chance gibt, neue Erfahrungen zu sammeln, sind wir dabei.
Auch das hält einen jung. In den 70ern bin ich mit dem Theaterensemble von Peter Brook quer durch Afrika gereist – Algerien, Nigeria, Benin und Mali. Dort traten wir in ganz kleinen Gemeinden auf und arbeiteten intensiv mit den Leuten vor Ort; es war eine außergewöhnliche Erfahrung. Ich habe damals verstanden, welche Schwächen ich noch habe – aber auch welche Stärken.
Das Gemeinschaftsgefühl der Menschen dort hat mich tief beeindruckt, andererseits fand ich es auch erschreckend, wie grausam man dort mit geistig oder körperlich Behinderten umgesprungen ist. Mit dem Brook-Ensemble waren Sie auch noch in den Vereinigten Staaten unterwegs, wo Sie dann eine Liebesgeschichte mit einem Navajo gehabt haben sollen... Oh ja, Carpio. Ich kann mich gut an ihn erinnern.
Vor mehreren Jahren war ich in Taos, New Mexico, da habe ich ihn wieder besucht. Es war wunderbar, ihn wiederzusehen. Sie sind Stiefmutter der Söhne Ihres Mannes, von denen einer verstorben ist, haben aber keine eigenen Kinder. Manche Frauen müssen sich dafür rechtfertigen, dass sie keine Kinder haben.
Ist Ihnen das auch passiert? Ja, aber das waren nie Frauen, die mich kritisierten, sondern nur Männer, meistens ältere: „Warum haben Sie keine Kinder? Sie müssen Kinder haben!
“ – „Warum sollte ich? Ich will keine.
“ Solche Reaktionen waren vor allem ein Zeichen von Sexismus. Diese Männer vermochten nicht zu verstehen, dass Frauen auf diesem Planeten auch eine andere Funktion haben könnten, außer Kinder in die Welt zu setzen. Ja, vor allem als ich jung war. Damals war die Welt noch viel sexistischer.
Ein weiterer Grund, weshalb ich ihn liebe, ist, dass er Frauen und Männer absolut gleich behandelt. Er sieht jeden als Menschen. Welches Geschlecht die jeweilige Person hat, ist für ihn völlig irrelevant. Er ist also in keinster Weise sexistisch – im Gegensatz zu vielen Männern seines Alters, für die Frauen immer nur Frauen sind.
Aber wie ich schon sagte, da hat sich viel geändert. Und wenn du älter wirst, wirst du damit ohnehin weniger konfrontiert. Helen Mirren wurde am 26. Juli 1945 in London geboren.
Im Alter von 19 Jahren wurde sie in die Royal Shakespeare Company aufgenommen, später wandte sie sich dem Film zu. Mirren wurde in ihrer Karriere unter anderem mit einem Oscar und einem Golden Globe ausgezeichnet. Sie trägt den Titel Dame Commander of the Order of the British Empire und wurde 2026 in den britischen Orden Companion of Honour aufgenommen.
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