Vorarlbergs Hauskrankenpflege schließt 2025 mit 658.903 Euro Minus ab. Besonders die ÖGK-Abrechnung belastet die 66 Vereine. Alle Details.
9336 Menschen wurden 2025 von der Vorarlberg er Hauskrankenpflege betreut. Doch im gemeinsamen Jahresabschluss der 66 Vereine klafft ein Defizit von 658.903 Euro. Besonders die ÖGK -Abrechnung sorgt für Probleme.
Die Hauskrankenpflege ist für Tausende Menschen in Vorarlberg ein wichtiger Teil der Versorgung. Im Jahr 2025 betreuten die 66 Vereine insgesamt 9336 Patientinnen und Patienten. Gleichzeitig steht der Landesverband vor einer erheblichen finanziellen Herausforderung: Den Einnahmen von 23,582 Millionen Euro standen Ausgaben von 24,241 Millionen Euro gegenüber. Unter dem Strich ergibt das ein Minus von exakt 658.903 Euro, wie der ORF berichtet.
Finanziert wird die Hauskrankenpflege laut ORF zu 49 Prozent aus dem Sozialfonds des Landes. 34 Prozent stammen aus Eigenmitteln, zehn Prozent von den Krankenkassen und sieben Prozent von den Gemeinden. Ein wesentlicher Teil des Problems liegt nach Angaben des Landesverbandes bei der Abrechnung mit der Österreichischen Gesundheitskasse . Grundlage dafür ist ein bereits 1992 ausgehandelter Vertrag. Die Leistungen werden über ein Punktesystem abgerechnet.
Für eine Kostendeckung wäre 2025 laut Geschäftsführerin Johanna Rebling-Neumayr rechnerisch ein Punktewert von 5,96 Euro notwendig gewesen. Die ÖGK habe zunächst jedoch einen Wert aus dem Jahr 2023 herangezogen. Statt der benötigten rund 2,3 Millionen Euro seien dadurch zunächst nur rund 1,9 Millionen Euro geflossen. Für 2025 entstand laut Rebling-Neumayr in diesem Bereich eine Lücke von rund 268.800 Euro.
Nach Verhandlungen wurde der Punktewert laut ORF auf 5,48 Euro angehoben. Zusätzlich seien rund 90.000 Euro nachgezahlt worden. Trotzdem bleibe allein bei dieser Abrechnung noch eine Restlücke von fast 180.000 Euro. Rebling-Neumayr sprach bei der Generalversammlung in Koblach von „langem Hickhack“.
Der bestehende Vertrag werde in dieser Form von der ÖGK nicht aufrechterhalten. Neue Verhandlungen sollen folgen, ein Termin dafür steht laut ORF noch nicht fest. Neben der Kassenabrechnung belasten höhere Personalkosten die Bilanz. Diese stiegen 2025 um 6,6 Prozent.
Neue Gehaltsschemata und eine zweistufige Gehaltserhöhung wurden bereits im vergangenen Jahr eingeführt, ein Teil der zusätzlichen Kosten jedoch erst in den ersten Monaten 2026 refinanziert. Damit reduziert sich die Finanzierungslücke nachträglich etwas. Das Minus liegt dennoch über dem Jahresabschluss von 2024, als ein Defizit von rund 440.000 Euro ausgewiesen wurde. Personell sieht sich die Hauskrankenpflege laut Landesverbandsobmann Wolfgang Rothmund derzeit gut aufgestellt.
Eine Pflegekraft betreut in Vorarlberg im Durchschnitt 27 Patientinnen und Patienten. Auffällig ist der hohe Frauenanteil: 91,9 Prozent der Mitarbeitenden sind weiblich. Rothmund erklärte bei der Generalversammlung, es gebe einen „guten Zulauf“ von Beschäftigten. Schwieriger werde dagegen die Suche nach ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern.
Gesundheitslandesrätin Martina Rüscher sprach sich bei der Versammlung für stärkere regionale Zusammenarbeit zwischen den 66 Vereinen aus. Der Sozialfonds werde weiterhin ein „stabiler und wichtiger Partner“ der Hauskrankenpflege bleiben, sagte sie laut ORF. Rüscher erklärte zugleich, nicht jeder Verein könne eine eigene Geschäftsführung beschäftigen. Sie plädierte außerdem für eine stärkere Aufteilung der Aufgaben entsprechend der jeweiligen Pflegeausbildung.
Rüscher ist auch in aktuellen Veröffentlichungen des Landes Vorarlberg als Gesundheitslandesrätin ausgewiesen. Für Geschäftsführerin Rebling-Neumayr steht angesichts des steigenden Pflegebedarfs außer Frage, welche Bedeutung die Einrichtungen haben.
„Wir sind einfach nicht wegzudenken“, sagte sie bei der Generalversammlung. Wie die noch offene Finanzierungslücke geschlossen wird und wie der künftige Vertrag mit der ÖGK aussehen soll, ist derzeit offen.
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