Harald Vodosek übernimmt die höchste Position beim Bundesheer und wurde zum General befördert. Mit erweiterten Befugnissen als oberster militärischer Berater der Regierung soll er Österreich im Ernstfall vor russischen Angriffen schützen. Vodosek ist für Ausbildung, Logistik und Einsatzführung verantwortlich und setzt auf ziviles Denken.
Harald Vodosek ist neuer Generalstabschef des Bundesheer es. Im Ernstfall soll er Österreich vor Putin schützen. profil hat mit ihm gesprochen. Das Bundesheer kann große Oper.
Mit dem Aufmarsch einer Ehrenkompanie der Garde, Marschmusik und einer großen Fahnenparade erfolgte Dienstagvormittag in der Wiener Maria-Theresien-Kaserne die offizielle Übergabe der Funktion des Chefs des Generalstabes des Bundesheeres. Neuer höchstrangiger Offizier der Streitkräfte ist Harald Vodosek, der zugleich vom Generalleutnant zum General befördert wurde.
Seit einer Strukturreform im Jahr 2022 verfügt der Generalstabschef über eine Machtfülle wie kein General zuvor in der Geschichte des Bundesheeres: Er ist oberster militärischer Berater der Regierung. Als Kommandant der Generaldirektion für Landesverteidigung im Verteidigungsministerium verantwortet er die Bereiche Ausbildung, Logistik, Beschaffung, Informationstechnologie, Infrastruktur, Gesundheitswesen und Fähigkeiten- und Grundsatzplanung. Und er führt den militärischen Oberbefehl über die Streitkräfte im Einsatz. Dem Generalstabschef obliegt im Ernstfall also die Verteidigung der Republik Österreich.
Drastisch formuliert: Unter seiner Führung soll uns das Bundesheer vor Putin schützen. profil hatte Gelegenheit, mit Vodosek vor dessen Funktionsübernahme über das Bundesheer, die Verteidigungsfähigkeit Österreichs und sein persönliches Bild vom Soldatentum zu sprechen. Der neue Generalstabschef zeichnet sich durch ein vergleichsweise ziviles Denken und Auftreten aus. In den vergangenen Jahren diente er als Rüstungsdirektor im Verteidigungsministerium und trug oft – und zum Erstaunen mancher Kameraden – einen zivilen Anzug statt Uniform.
Er nennt seine Soldaten nicht nur „Kameradinnen und Kameraden“, sondern auch „Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter“. Vodosek: „Ein Staat, der junge Menschen einzieht, schuldet ihnen Sinn und Professionalität.
“ Das Heer müsse für junge Männer wieder attraktiver werden. Rekruten seien keine „Weisungsunterworfenen“. Die jungen Menschen, von denen Vodosek spricht, müssen in Zukunft länger dienen, insgesamt neun Monate. Das Wehrdienstmodell, das die Heeresführung bevorzugte , kommt mangels Einigung der Dreierkoalition nicht.
Das kommentiert der neue Generalstabschef nicht. Umzusetzen sei, was die politische Führung vorgebe. Die neue Regelung wäre „ein Gewinn für die Sicherheit der Republik Österreich“ und gegenüber dem derzeitigen System von sechs Monaten jedenfalls ein Plus.
Zur politischen Führung, vor allem zur ÖVP und zu Verteidigungsministerin Klaudia Tanner sowie Kanzler Christian Stocker , pflegt Vodosek sehr gute Beziehungen, zumindest bessere als die beiden anderen Kandidaten für den Spitzenposten, Bruno Hofbauer und Karl Schmidseder, die von der Auswahlkommission ebenfalls als „in höchstem Ausmaß“ geeignet für die Funktion eingestuft wurden. Laut Vodosek kenne das Heer nur zwei Aggregatzustände: „im Einsatz“ oder „in Einsatzvorbereitung“.
Neben dem Auslandseinsatz stehe das Bundesheer im Inland bei der täglichen Abwehr von Cyberangriffen im Einsatz, bei der Luftraumüberwachung, beim Schutz von Botschaften, beim Katastrophenschutz. Das Prinzip „Krise im Ausland, Verwaltung im Inland“ existiere nicht mehr. Zur Einsatzvorbereitung zähle etwa der Ausbau der Luftabwehr. Große Investitionen wie Luftabwehrraketen mit großer Reichweite oder den Ersatz für die Eurofighter-Flotte würden über Sonderfinanzierungen erfolgen.
Insgesamt, so Vodosek, sei die Verteidigungsfähigkeit Österreichs dank der Erhöhungen des Wehrbudgets der vergangenen Jahre gewährleistet. Nicht alle im Heer teilen diese Meinung. So befürchtet Bruno Hofbauer Verzögerungen bei der Nachrüstung des Bundesheeres angesichts des Sparkurses der Regierung. Laut Vodosek bestehe eine große Herausforderung für die EU-Armeen darin, dass sich die „Überwindung von Zeit und Raum“ und somit auch die notwendige Reaktionsgeschwindigkeit drastisch erhöht hätten.
Eine aus der russischen Exklave Kaliningrad abgeschossene Rakete könnte innerhalb weniger Minuten europäische Hauptstädte erreichen. Die EU sei gefordert, Weltraum, Cyberraum und Informationsraum zu schützen. Denn Russland erhöhe seine Aktivitäten und würde die Unterstützer der Ukraine attackieren. Es sei in der Bevölkerung noch nicht angekommen, sagt der neue Generalstabschef, dass „ein großer Change-Prozess“ im Gange sei.
Wir würden „definitiv nicht im Frieden leben“. Vodosek: „Unsere Gesellschaften in Europa werden angegriffen.
“ Nicht durch Panzer, aber etwa durch Propaganda und gezielte Falschinformationen. Das Bundesheer werde die Republik als „Konsequenz-Management-Instrument“ schützen. Offen ist, wie lange Vodosek, 62, im Amt bleiben wird. Sein Dienstvertrag als Generalstabschef läuft über fünf Jahre, als Beamter könnte er allerdings mit 65 Jahren in den Ruhestand wechseln – oder wie man im Militär sagt: abrüsten.ist seit 1998 Innenpolitik-Redakteur im profil und seit 2025 Leiter des Innenpolitik-Ressorts. Co-Autor der ersten unautorisierten Biografie von FPÖ-Obmann Herbert Kickl.
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