Es wird vermutlich der größte Polizeieinsatz in der Geschichte Deutschlands: In Nordrhein-Westfalen soll ab Mittwoch der kleine Ort Lützerath geräumt werden, damit der Energiekonzern RWE dort Kohle abbauen kann.
Klimaaktivisten wollen das um jeden Preis verhindern. Die Stimmung ist aggressiv. Es drohen gewaltsame Ausschreitungen.
Die Vorbereitungen laufen schon seit Wochen. Zur Verstärkung der Polizei aus Nordrhein-Westfalen wurden mittlerweile aus ganz Deutschland Einsatzkräfte nach Lützerath entsandt. Mit Wasserwerfern, Pferden und Hunden sollen sie am Mittwoch mit der umstrittenen Räumung beginnen. „Das wird ein herausfordernder Einsatz mit vielen Risiken", sagte der Aachener Polizeipräsident Dirk Weinspach.
Regulär wohnt in Lützerath, am Rande des Tagebaugebiets, niemand mehr. Die ursprünglichen Bewohner haben ihren Besitz verkauft und leben längst woanders. Ihre Umsiedlung begann bereits 2006. Aber in den leeren Häusern haben sich inzwischen mehr als 700 Klimaaktivisten verschanzt. Und die sind fest entschlossen „Lützi“ zu retten.
Die politische Lage ist heikel: Denn ausgerechnet die Grünen, die noch im Jahr 2028 den Erhalt des Hambacher Forstes im Kampf gegen RWE unterstützt hatten, sind in Nordrhein-Westfalen nicht mehr in Opposition, sondern bilden seit dem Sommer 2022 mit der CDU die Landesregierung. Sie haben dem Ende von Lützerath zugestimmt. „Die Räumung ist ein schmerzlicher, aber leider notwendiger Schritt“, sagt die grüne Wirtschafts- und Klimaschutzministerin Mona Neubaur.
Die grüne Spitze rechtfertigt ihre Kehrtwende auch mit der Energiekrise: Es brauche mehr Strom aus Braunkohlekraftwerken, um den Ausfall von russischem Gas zu kompensieren. Ob das stimmt, ist jedoch umstritten: Jede Seite präsentiert inzwischen eigene Gutachten.
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