Die Labour-Regierung in Großbritannien kommt nicht zur Ruhe. Am Donnerstag verkündete Gesundheitsminister Wes Streeting aus Protest gegen Premier Keir Starmer seinen Rücktritt. Hintergrund ist das desaströse Abschneiden der Sozialdemokraten bei den jüngsten Kommunalwahlen.
Die Labour-Regierung in Großbritannien kommt nicht zur Ruhe. Am Donnerstag verkündete Gesundheitsminister Wes Streeting aus Protest gegen Premier Keir Starmer seinen Rücktritt. Hintergrund ist das desaströse Abschneiden der Sozialdemokraten bei den jüngsten Kommunalwahlen.
Auch andere parteiinterne Herausforderinnen und Herausforderer bringen sich in Stellung. Er habe das Vertrauen in Starmer verloren, schrieb Streeting in einem am Donnerstag auf der Plattform X veröffentlichten Brief.
„Es ist nun klar, dass Sie die Labour-Partei nicht in die nächste Parlamentswahl führen werden“, heißt es darin an Starmer gerichtet. Es wäre „unehrenhaft und prinzipienlos“, im Amt zu bleiben. Labour-Abgeordnete und Gewerkschaften wollten, „dass die Debatte über die Zukunft ein Kampf der Ideen ist, nicht der Persönlichkeiten oder kleinlicher Fraktionskämpfe“. Die nächste Wahl steht regulär erst im Jahr 2029 an.
Streeting hat Starmer bisher nicht offen um den Parteivorsitz herausgefordert. Spekuliert wurde, er könne womöglich keine ausreichende Unterstützung im Parlament dafür haben. Mit dem Posten des Parteichefs ist auch das Amt des Premierministers verbunden, das Starmer im Falle einer verlorenen Führungswahl abgeben müsste. Britische Medien hatten bereits seit Tagen über einen bevorstehenden Rücktritt Streetings spekuliert, nachdem Labour in der vergangenen Woche schwere Verluste bei den Kommunal- und Regionalparlamentswahlen hinnehmen musste.
Profitieren konnten vor allem die Rechtspopulisten der Partei Reform UK von Brexit-Vorkämpfer Nigel Farage. In der Folge war Starmer von etlichen Abgeordneten zum Rücktritt aufgefordert worden. Doch der Premier hielt an seinem Amt fest. Ob es weitere Kabinettsmitglieder Streeting gleichtun, ist noch offen.
Innenministerin Shabana Mahmood und Energieminister Ed Miliband gelten als Kritiker Starmers, die sich Medienberichten zufolge für einen vorzeitigen Abtritt des Premiers ausgesprochen haben sollen. Bildungsministerin Bridget Phillipson stärkte Starmer am Donnerstag den Rücken. Das Kabinett stehe hinter dem Regierungschef, sagte sie. Die Partei rief sie zu Ruhe und Geschlossenheit auf.
Starmer hatte Streeting am Mittwochmorgen zu einem kurzen Gespräch in der Downing Street empfangen. Ein Sprecher Starmers versicherte noch Donnerstagfrüh, der Regierungschef habe „vollstes Vertrauen“ in seinen Gesundheitsminister. Die Formulierung gilt längst als Zeichen, dass das Verhältnis alles andere als gut ist. Streeting machte in seiner Rücktrittserklärung deutlich, dass er dem Premier bei der Gelegenheit das Vertrauen entzogen hatte.
„Wo wir eine Vision bräuchten, haben wir ein Vakuum. Wo wir eine klare Richtung bräuchten, dümpeln wir vor uns hin“, schrieb Streeting. Eigentlich gilt der ehrgeizige Streeting aber nur als B-Kandidat für die Führungswahl. Im linken Lager der Partei ist er verhasst.
Zudem hatte er ein enges Verhältnis zum Labour-Veteranen Peter Mandelson, der wegen seines engen Verhältnisses zu Jeffrey Epstein in den Sog des Missbrauchsskandals um den verstorbenen US-Multimillionär und Sexualstraftäter geriet. Streeting hatte bereits vor Wochen vorsorglich seine gesamte Korrespondenz mit Mandelson veröffentlicht. Als Favorit auf die Starmer-Nachfolge gilt der Bürgermeister von Manchester, Andy Burnham. Der 56-Jährige sitzt aktuell allerdings nicht im britischen Parlament, was sich aber rasch ändern könnte.
Donnerstagnachmittag gab der Labour-Abgeordnete Josh Simons seinen Rücktritt bekannt. Damit gibt es im Wahlkreis Makerfield im County Greater Manchester eine Nachwahl. Burnham kündigte bereits kurz nach Bekanntwerden von Simons’ Rücktritt seine Kandidatur an. Kurz vor Streetings Rücktritt brachte sich überraschend auch Ex-Vizepremierministerin Angela Rayner als Kandidatin ins Spiel.
Die 46-Jährige vom linken Parteiflügel war im September 2025 wegen einer zu gering entrichteten Grunderwerbssteuer von ihrem Posten als Wohnungsbauministerin und stellvertretende Regierungschefin zurückgetreten. Nun sei die fällige Steuer entrichtet und sie vom Verdacht der Steuerhinterziehung entlastet, berichtete der „Guardian“. Rayner hatte stets beteuert, es habe sich um ein Versehen gehandelt. Dem „Guardian“ gegenüber deutete sie nun an, bei einer Wahl um den Parteivorsitz antreten zu wollen.
Um Starmer herauszufordern, benötigen Kandidatinnen bzw. Kandidaten die Unterstützung von 81 der über 400 Labour-Abgeordneten , die ihn nominieren müssen. Das würde eine Urabstimmung unter Labour-Mitgliedern und weiteren Wahlberechtigten auslösen, bei der sich auch weitere Kandidatinnen und Kandidaten mit jeweils 81 Unterstützerinnen und Unterstützern aus der Fraktion bewerben könnten. Starmer stünde als amtierender Parteichef automatisch zur Wahl. Über den zeitlichen Ablauf entscheidet das Exekutivkomitee der Partei.
Letztmals gewann Starmer eine Wahl um den Parteivorsitz im April 2020, nachdem sein Vorgänger Jeremy Corbyn seinen Rücktritt angekündigt hatte. Nicht alle Bilder konnten vollständig geladen werden. Bitte schließen Sie die Druckvorschau bis alle Bilder geladen wurden und versuchen Sie es noch einmal.
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