Goldgelbe Vergilbung breitet sich in Österreichs Weinreben aus

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Goldgelbe Vergilbung breitet sich in Österreichs Weinreben aus
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Die Goldgelbe Vergilbung (Flavescence dorée) gefährdet Weinreben in Österreich. Es gibt keine wirksame Behandlung, Forscher setzen auf Früherkennung und Resistenzzüchtung.

Die Goldgelbe Vergilbung, auch bekannt als Flavescence dorée, breitet sich derzeit in Österreich s Weinbergen aus. Die durch Phytoplasmen verursachte Rebkrankheit befällt Weinreben und kann ganze Weingärten zerstören. Eine wirksame Behandlung gibt es bislang nicht, weshalb die Wissenschaft intensiv an Gegenmaßnahmen forscht.

Historische Schädlinge im Weinbau

Die Geschichte des Weinbaus ist eng mit Schädlingsbefall und Rebkrankheiten verbunden. Bereits in der Antike wurden schwere Schäden in Weingärten durch Rebstecher oder Brandpilze beklagt. Mittel wie Pech, Knoblauchsaft, Bocksblut oder Bärenschmalz erwiesen sich als unwirksam, ebenso Bittprozessionen. Von bleibender Bedeutung war hingegen die Beobachtung, dass Schwefel, gebrannter Kalk und Kupfer (Bordeauxbrühe) Wirkung zeigen.

Im 19. Jahrhundert spitzte sich die Situation zu: Ab den 1840er-Jahren breitete sich der Echte Mehltau rasant aus. 1860 tauchte in Europa die aus Amerika stammende Reblaus auf, die die Wurzeln der hiesigen Rebstöcke zerstört. Ab 1878 kam der ebenfalls eingeschleppte Falsche Mehltau hinzu.

Ursachen der Anfälligkeit

Die Krankheitsanfälligkeit von Weinreben gründet auf der Kombination mehrerer Faktoren: zuckerreiche Früchte, dichter Wuchs, Monokulturen, Vermehrung über Stecklinge, einseitige Züchtung auf Ertrag und Geschmack sowie eingeschränkte genetische Vielfalt. Weinreben gehören zu den am intensivsten mit Pflanzenschutzmitteln behandelten Nutzpflanzen überhaupt.

Neue Rebkrankheit und ihre Folgen

Die Goldgelbe Vergilbung wird durch Phytoplasmen verursacht, zellwandlose Bakterien, die zum Überleben Siebzellen des Bastgewebes von Weinreben benötigen. Der Befall äußert sich in Stoffwechsel- und Wachstumsstörungen, einer frühzeitigen Herbstfärbung – bei Weißweinsorten Vergilbung, bei Rotweinreben Rotfärbung der Blätter –, dem Vertrocknen von Blütenständen und Beeren bis hin zum Absterben der Pflanzen.

Als Überträger von Rebstock zu Rebstock fungiert die Amerikanische Rebzikade, die sich vom Pflanzensaft ernährt. Diese kam Ende der 1940er-Jahre aus Nordamerika nach Europa und erobert seither immer neue Lebensräume. Eine wirksame Behandlung gibt es derzeit nicht. Um die Ausbreitung einzubremsen, muss ein befallener Rebstock umgehend entfernt werden – das geht bis zur Rodung ganzer Weingärten. Der wirtschaftliche Schaden ist enorm, entsprechend intensiv wird geforscht.

Forschung und Früherkennung

Laut Google Scholar sind allein heuer bis dato zahlreiche wissenschaftliche Arbeiten erschienen. Dabei geht es unter anderem um das Genom der Mikroben, um mögliche andere Wirtspflanzen, um die Beziehungen zwischen Schädling und Rebe oder um neue Ansätze zur Resistenzzüchtung. Ein wesentliches Thema ist auch die Früherkennung eines Befalls.

Hier setzt man stark auf die Auswertung von Drohnen-Luftbilddaten, in denen die Veränderungen erkennbar sind, mithilfe von KI-Algorithmen. So läuft derzeit an der österreichischen Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (Ages) das Forschungsprojekt. In seiner Kolumne nimmt sich Martin Kugler jede Woche eines zentralen wissenschaftlichen Begriffs an und präsentiert neueste Erkenntnisse dazu. Der Autor hat das Forschungsressort der Presse bis 2014 geleitet und ist nun Wissenschaftskommunikator am AIT.

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