Globaler demokratischer Rückwerftropf nach Europa? Andrew Weitzel, (K)Polizwissenschaftler, sieht die Entwicklung besorgt

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Globaler demokratischer Rückwerftropf nach Europa? Andrew Weitzel, (K)Polizwissenschaftler, sieht die Entwicklung besorgt
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Polizeilozist Daniel Weitzel beobachtet mit Sorge, wie politische Phänomene aus den USA nach Europa schwappen. Er befürchtet, dass das ein schlechtes Zeichen für die heimischen Demokratien sei. Weitzel untersucht, ob derzeit ein globaler Rückgang der Demokratie besteht, oder ob es sich nur um die Wahrnehmung von Linke-Akademikern und -Akademikern handelt, die Trump, Modi und Erdoğan nicht mögen.

Der Politik wissenschaftler Daniel Weitzel beobachtet besorgt, wie politische Phänomene aus den USA nach Europa schwappen. Das sei kein gutes Zeichen für hiesige Demokratien. Findet momentan ein globaler Rückgang der Demokratie statt?

Oder sehen das nur linke Akademikerinnen und Akademiker so, weil sie Trump, Modi und Erdoğan nicht mögen, wie das von so manchen Kommentatoren behauptet wird?

„Die Forschenden be­strafen diese Länder und ihre rechten Regierungen, so die Annahme, dann automatisch mit schlechteren Demokratiewerten", fasst Daniel Weitzel den Vorwurf zusammen. Weil ihm dieser Angriff auf die wissenschaftliche Redlichkeit nicht behagte, beschloss der Politikwissenschaftler der Angelegenheit auf den Zahn zu fühlen. Kurzerhand trainierte er ein Machine-Learning-Modell mit Demokratiedaten aus einer Zeit, bevor der angeblich linke Bias zum Tragen kam. Fazit: „Wir befinden uns tatsächlich in einer Phase des globalen demokratischen Rückgangs.

Den Ergebnissen der aktuellen Demokratieforschung darf man auch als konservativer Bürger trauen.

“In einem nächsten Schritt will Weitzel – Anfang des Jahres wechselte er von der Colorado State University nach Wien an die Central European University – herausfinden, welche Abstufungen und Variationen von demokratischem Verfall existieren. „Es kristallisiert sich bereits heraus, dass es bei den Werten und Normen, bei der Pressefreiheit und den Freiheiten von Minderheiten anfängt. Der elektorale Rückgang passiert erst später.

“In dieser Reihe porträtieren wir Nachwuchsforschende: Was sie an der Wissenschaft reizt, welche Erkenntnisse oder Vorbilder ihnen besonders am Herzen liegen und wie es um ihre Work-Life-Balance steht. Ihn beunruhigt ein Phänomen aus den USA, das nach Europa zu schwappen droht: Die politische Identität geht dabei zunehmend über die Wahlentscheidung hinaus.

„Dann ist schon politisch, welche Produkte ich kaufe und ob ich ein Sandwich aus diesem oder jenem Laden möchte. Wir haben herausgefunden, wie sehr das Antworten bei Umfragen beeinflusst.

“ Die Befragten passten sich an die favorisierte Partei an, sobald sie witterten, dass es sich um eine politische Frage handelte: „Viele haben keine Präferenzen unabhängig von der Partei und das macht es extrem schwierig, Parteien für ihr Verhalten zur Verantwortung zu ziehen. So lässt sich auch Trump erklären.

“ Affektive Polarisierung heißt das im Fachjargon: „Politik wird letztendlich wie ein Sportteam, hinter dem man steht. Es geht nicht mehr um ein Argument, sondern man unterstützt eine Partei auf Teufel komm raus.

“Das sei erschreckend, meint Weitzel. Denn: „Es ist sehr, sehr schwierig davon wieder wegzukommen.

“ Um diese Polarisierung der Gesellschaft zu erfassen, nutzt die Politikwissenschaft mittlerweile schon Messmethoden, die früher in den USA für Rassismus angewendet wurden: „Es ist kein gutes Zeichen für die Gesundheit von Demokratie, wenn wir zu solchen drastischen Mitteln greifen müssen. “ Trumps Politik und der US-amerikanische Arbeitsmarkt für Akademiker gaben schließlich auch den Anstoß für ihn und seine Frau, eine brasilianische Politikwissenschaftlerin mit deutscher Vergangenheit, nach Europa zu ziehen. Wunschziel: Wien.

Das Paar hatte sich während Weitzels zweijähriger Postdoc-Zeit hier in die Hauptstadt verliebt und so war die Freude groß, als sich für beide an der CEU Jobs auftaten . In seinem neuesten Projekt untersucht er, wie man die Kapazitäten von Staaten misst, also das, was sie leisten können – salopp gesagt, angefangen von dem Wissen um die WC-Anzahl bis hin zu den Möglichkeiten, Bomben zu schmeißen.

„Wir wollen herausfinden, in welche Arten von Staatskapazitäten ein Land investieren muss, um effizient zu sein“, sagt der Forscher, der komplexe theoretische Konzepte, die unterm Strich alle betreffen, zu seinem Steckenpferd gemacht hat. Komplex ist momentan auch sein Privatleben, das nicht nur der Umzug aus den USA herausfordernd macht. Vor sieben Monaten ist er zudem Vater geworden. Die Betreuung des Nachwuchses teilt er sich mit seiner Frau.

„Und wenn ich an einem Tag mit meinem Sohn ein Meeting mit Studierenden habe, ist er eben dabei. “ Nachsatz: „Wir haben viele Nachtschichten momentan. Wenn das Baby im Bett ist, wird noch mal ordentlich geforscht.

“ forscht seit Anfang des Jahres an der Central European University in Wien. Der gebürtige Bayer hat in Erlangen , Essex und Texas Politik und Statistik studiert und 2020 an der University of Texas promoviert. Anschließend war er an der Uni Wien sowie ab 2022 an der Colorado State University tätig.

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