AHF in Gastein. Vorsorge und Digitalisierung sind zwei zentrale Themenbereiche der anstehenden Gesundheitsreform. In Gastein treffen sich rund 200 Expert:innen, um über Prävention und eHealth zu...
AHF in Gastein. Vorsorge und Digitalisierung sind zwei zentrale Themenbereiche der anstehenden Gesundheitsreform. In Gastein treffen sich rund 200 Expert:innen, um über Prävention und eHealth zu beraten.
Prävention statt Reparaturmedizin ist einer der Leitsätze, die aktuell die Gesundheitspolitik prägen. Die Fachleute sind sich einig. Nur wenn Gesundheitsvorsorge in den Mittelpunkt gestellt wird, können langfristig Kosten im System gesenkt und den Menschen in Österreich mehr gesunde Lebensjahre ermöglicht werden. Laut Statistik Austria entstehen rund 80 Prozent der Gesundheitsausgaben durch chronische Erkrankungen wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes oder Adipositas, die sich durch frühzeitige Prävention, Bewegung, gesunde Ernährung und Aufklärung zumindest teilweise vermeiden ließen.
Gleichzeitig fließen in Österreich aber nur rund drei bis vier Prozent der gesamten Gesundheitsausgaben in Prävention und Gesundheitsförderung. Noch fehlt es hierzulande an einer nationalen Präventionsstrategie, obwohl es bereits viele dafür notwendige Bausteine gibt. Impfungen, Vorsorgeuntersuchungen, Screenings und digitale Anwendungen eröffnen immer mehr Möglichkeiten, Gesundheit zu erhalten, Krankheiten frühzeitig zu erkennen und Maßnahmen gezielt verfügbar zu machen.
Nun geht es darum, diese Ansätze strategisch zusammenzuführen: von einer gestärkten Primärversorgung hin zu einem stärker präventiven Gesundheitsverständnis, von punktuellen Angeboten hin zu einem lebensphasenorientierten Gesamtkonzept. Der nächste Schritt ist daher nicht, Prävention neu zu erfinden, sondern aus dem Bestehenden und dem künftig Möglichen Impulse für eine österreichische Präventionsstrategie zu gewinnen. Beim AHF in Gastein werden Erfahrungen mit dem erweiterten Erwachsenen-Impfprogramm und dem SVS-Vorsorgepass präsentiert, Versorgungslücken der Schlafmedizin und neue Möglichkeiten der Früherkennung diskutiert.
Zudem wird die Frage gestellt, wo Prävention beginnen muss, wen sie erreichen soll und wie Ressourcen gezielt und evidenzbasiert eingesetzt werden können, um den größtmöglichen Nutzen zu entfalten. In zwei Workshops sollen einerseits Erfolgsfaktoren herausgearbeitet und darüber diskutiert werden, was es braucht, damit aus einzelnen Angeboten ein tragfähiges Gesamtkonzept entstehen kann; dazu zählen geeignete Rahmenbedingungen wie strukturelle und rechtliche Voraussetzungen ebenso wie die Frage nach Wegen, um gezielten Zugang zu schaffen.
Andererseits geht es darum, auszuloten, wie bestehende und neue Möglichkeiten zielgerichtet eingesetzt und für Patient:innen sinnvoll verfügbar gemacht werden können. Maßgeblich dafür scheinen Priorisierung, Risikostratifizierung und eine bessere Verzahnung von Diagnostik und anschließender Versorgung zu sein. Zu klären ist die Frage, welche Versorgungspotenziale heute noch ungenutzt bleiben und wie neue Möglichkeiten sinnvoll in eine österreichische Präventionsstrategie einfließen können. Neben der Prävention spielt die Digitalisierung eine tragende Rolle, um die Zukunft der Gesundheitsversorgung modern und krisenfest zu gestalten.
Insbesondere von Anwendungen der künstlichen Intelligenz versprechen sich Fachleute neue Chancen, um Prozesse effizienter zu organisieren, die Versorgungsqualität zu verbessern und so ein patientenorientiertes Gesundheitswesen zu formen. Neue Möglichkeiten soll diesbezüglich der European Health Data Space eröffnen, der erstmals verbindliche Voraussetzungen für die Nutzung von Gesundheitsdaten in Europa bringt. Konkret geht es um den sinnvollen Einsatz von Daten und Diagnosecodierung, um die Versorgung stärker am konkreten Bedarf auszurichten.
Für Österreich bedeutet das, die nationale Umsetzung zu gestalten und dabei über die gewohnten Muster hinauszudenken. Denn entscheidend ist nicht die technische Gestaltung allein. Digitalisierung entfaltet nach übereinstimmender Meinung der Expert:innen ihren Mehrwert erst dann, wenn Maßnahmen koordiniert, aufeinander abgestimmt und konsequent an den Bedürfnissen der Versorgung ausgerichtet werden. So können Gesundheitsdaten und technische Möglichkeiten dazu beitragen, Patient:innen besser zu lenken, Präventions- und Screeningprogramme gezielt zu unterstützen und Entscheidungsprozesse im Gesundheitssystem zu optimieren.
Aus einem IT-Projekt wird damit ein Versorgungsprojekt, und Digitalisierung kann sich vom Dokumentationsinstrument zum Steuerungsinstrument entwickeln. In den Workshops am AHF in Gastein werden die Teilnehmenden herausarbeiten, welche Spielräume der EHDS eröffnet und was es braucht, um sie in Österreich zu nutzen. Gleichzeitig geht es um Verantwortung auf Systemebene von Kliniken und anderen Einrichtungen, um die notwendigen technischen Voraussetzungen zu schaffen und Daten sinnvoll nutzbar zu machen.
So soll aus der Umsetzung europäischer Vorgaben mehr entstehen als ein weiteres Abstimmungsprojekt, nämlich eine Datengrundlage, auf der sektorenübergreifende Versorgung aufbauen kann. Weiters wird anhand konkreter Beispiele aus dem Klinikalltag betrachtet, wie aus Erkenntnissen Versorgung wird. Von KI-unterstützen Prozessen wie Patient:innenlenkung bis zur sektorenübergreifenden Weiterbetreuung geht es darum, technische Möglichkeiten sinnvoll einzusetzen, Abläufe aufeinander abzustimmen und Ergebnisse konsequent in Folgeprozesse zu überführen. Denn Datenerhebung ist kein Selbstzweck.
Entscheidend ist vielmehr, dass daraus die richtige Versorgung folgt. Die Vision: Digitalisierung soll dazu beitragen, Prävention und Versorgung stärker miteinander zu verbinden und aus Daten einen medizinischen Mehrwert zu schaffen. Auch 2026 werden wieder zahlreiche Referent:innen aus dem Gesundheitswesen maßgebliche Impulse setzen.
Keynotes halten die Gesundheitsökonom:innen Ulrike Famira-Mühlberger vom WIFO und Thomas Czypionka vom IHS . Erwartet werden außerdem Vertreter:innen des Landes Salzburg, Sektionschef Alexander Degelsegger, Vorständin der NÖ Landesgesundheitsagentur Elisabeth Bräutigam, Alexander Biach, Generaldirektor der SVS, Andreas Huss, ÖGK-Arbeitnehmerobmann, SVS-Obmann Peter Lehner, ÖGAM-Präsident Peter Kowatsch, BMASGPK-Impfwesen-Abteilungsleiterin Maria Paulke-Korinek sowie führende Expert:innen aus medizinischer Praxis und Wissenschaft, am Beispiel von Data Scientist Niki Popper.
Was man sich von dem Fachkongress erwarten darf, bringt AHF-Gründer Christoph Hörhan auf den Punkt: „In Zeiten, in denen sich der Druck im Gesundheitssystem erhöht und wichtige Innovationen in die praktische Umsetzung geführt werden müssen, sind Dialog, aber auch verbindliche Entscheidungen gefragt. Wir wollen in Gastein die notwendigen Veränderungen aufzeigen und gemeinsam essenzielle Impulse für deren Realisierung setzen.
“ Das Austrian Health Forum, das als Kongressformat zweimal jährlich stattfindet – im Frühling in Schladming, im Herbst in Gastein – setzt auf einen innovativen Methodenmix aus Interaktion, Großgruppenprozessen, thematischen Wanderungen und kreativen Workshopsettings. Das Prinzip des Political Design Thinking ermöglicht neue Perspektiven und konkrete Handlungsimpulse. Die Ergebnisse des AHF als führendes Netzwerktreffen im heimischen Gesundheitswesen fließen direkt in die Weiterentwicklung gesundheitspolitischer Maßnahmen ein und sollen unter anderem Regierungsvorhaben inspirieren.
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