Die gescheiterte Hinrichtung der verurteilten Mörderin Christa Pike zieht in den USA heftige Kritik nach sich: „Dieses Ereignis ist das Schlimmste, was wir je gesehen haben, und unterscheidet sich von jeder anderen fehlgeschlagenen Hinrichtung in der modernen Ära“, sagte Robin Maher, die geschäftsführende Direktorin der gemeinnützigen Organisation...
Die gescheiterte Hinrichtung der verurteilten Mörderin Christa Pike zieht in den USA heftige Kritik nach sich: „Dieses Ereignis ist das Schlimmste, was wir je gesehen haben, und unterscheidet sich von jeder anderen fehlgeschlagenen Hinrichtung in der modernen Ära“, sagte Robin Maher, die geschäftsführende Direktorin der gemeinnützigen Organisation Death Penalty Information Center , am Donnerstag.
„Es gibt keinen Präzedenzfall. “Pike lebte nach Verabreichung zweier Giftspritzen noch, wie es in einem Gerichtsdokument hieß. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International sagte, Pikes Fall zeige abermals, „dass es keine humane Hinrichtungsmethode gibt“.
„Ich habe in Tennessee fünf Hinrichtungen miterlebt. Nichts an dem heutigen Tag war normal, typisch – überhaupt nichts“, sagte die Reporterin Tori Gessner des Lokalsenders WKRN in Nashville.
Kritik am Vorgehen der Behörden kam auch von Pikes Anwaltsteam: „Wir empfinden keine Freude darüber, recht zu haben, aber die von Frau Pike vorgebrachten Bedenken haben sich als wahr erwiesen: schwieriger Zugang zu den Venen, geplatzte Venen, abgebautes Pentobarbital, keine verfügbare medizinische Notfallversorgung, wenn die Dinge zwangsläufig schiefgehen, und all das unter einem Protokoll, das weiterhin von Geheimhaltung umgeben ist“, hieß es in dem Statement. Die Justizvollzugsbehörden von Tennessee erklärten dagegen, sie hätten „jeden Schritt des legalen, festgelegten Hinrichtungsprotokolls des Staates“ befolgt.
Der Gouverneur von Tennessee, der Republikaner Bill Lee, ordnete laut NBC News eine genaue Untersuchung an. Es werde „eine umfassende Untersuchung durch eine unabhängige Stelle“ geben, „um genau zu klären, was geschehen ist“, so Lee. Er sagte, dass die letzte für dieses Jahr noch ausstehende Hinrichtung nicht wie geplant vollstreckt werde.
In einem Gerichtsdokument hieß es zur gescheiterten Hinrichtung wie folgt: „Um 20.26 Uhr berichteten Zeugen der Hinrichtung, dass die Vollstrecker beide Spritzen mit den tödlichen Chemikalien injiziert hätten und Pike noch am Leben sei und schnarche.
“Wenig später teilte Richter Kyle Hixson mit, in einer Telefonkonferenz mit den Anwälten aller Beteiligten habe der Staat das Gericht informiert, „dass Frau Pike nicht für tot erklärt wurde“. Die Justizvollzugsbehörde habe zudem die medizinische Notfallversorgung und den Transport von Pike in ein Krankenhaus angeordnet. Die Anwälte von Pike teilten am Mittwochabend mit, dass Pike in einem Krankenhaus behandelt werde. Über ihren Zustand ist jedoch nichts bekannt.
Anfragen des US-Senders NBC zum Zustand der Frau wurden von der Strafvollzugsbehörde nicht direkt beantwort, es hieß lediglich, dass Pike in „eine externe medizinische Einrichtung gebracht“ worden sei. Zuvor war die Hinrichtung der Frau von einem Bundesgericht kurzzeitig ausgesetzt worden. Die Verurteilte habe Zweifel an der Rechtmäßigkeit des vorigen Verfahrens dargelegt, die erst geprüft werden müssten, so das Berufungsgericht. Der Staat ging dagegen umgehend vor dem US-Höchstgericht vor, das dem Eilantrag am Mittwochabend stattgab und damit die Hinrichtung ermöglichte.
Die drei liberalen Richterinnen am Supreme Court kritisierten die Mehrheitsentscheidung des Gerichts. In ihrer abweichenden Meinung argumentierte Sonia Sotomayor, die Entscheidung ebne dem Bundesstaat den Weg, Pike hinzurichten, bevor die Zweifel an der Rechtmäßigkeit des vorherigen Verfahrens ordnungsgemäß geprüft werden konnten. Die Richterinnen Elena Kagan und Ketanji Brown Jackson schlossen sich dem an. Die heute 50-jährige Pike wurde 1996 für den Mord an der damals 19-jährigen Klassenkameradin Colleen Slemmer zum Tode verurteilt.
Pike war zum Tatzeitpunkt 18 Jahre alt. 1995 hatten drei Teenager das Opfer in einem abgelegenen Gebiet nahe der University of Tennessee in Knoxville gefoltert und getötet. Der Fall erregte US-weites Aufsehen, weil Slemmers Leiche mit einem Pentagramm auf der Brust aufgefunden wurde, das als satanisches Zeichen gilt. In dem Antrag des Staates Tennessee wurde Pike unter anderem eine bewusste Verzögerungstaktik in letzter Minute vorgeworfen, um die Vollstreckung zu verhindern.
Zudem sahen die Kläger geringe Erfolgsaussichten für die Verurteilte: Die Grausamkeit und Schwere des Mordes wogen rechtlich so schwer, dass selbst das vor Gericht geltend gemachte Kindheitstrauma die Todesstrafe nicht verhindert hätte. Die Verurteilte machte vor Gericht geltend, der Bundesstaat Tennessee habe sie als Lügnerin abgetan und ihre Angaben zu erlittenem Missbrauch für erfunden gehalten. Dann habe der Bundesstaat den Missbrauch später jedoch doch als solchen anerkannt.
Pike zufolge stellt diese Änderung das Fundament des folgenden Gerichtsverfahrens infrage – und damit auch ihr Strafmaß. Ein Gnadengesuch an den Gouverneur war zuvor erfolglos geblieben, ebenso ein Antrag an das oberste Gericht in Tennessee. Nach Angaben der gemeinnützigen Organisation DPI ist Pike die Einzige der drei an der Tat beteiligten Personen, die zum Tode verurteilt wurde. Ihr damaliger Freund war zum Zeitpunkt der Tat 17 Jahre alt, er erhielt eine lebenslange Haftstrafe.
Eine weitere 18-Jährige wurde zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. Mehrere Kampagnen haben versucht, den geplanten Vollzug am 30. September aufzuhalten. Auch Fachleute der Vereinten Nationen forderten einen Stopp.
„Pikes Hinrichtung würde den Höhepunkt einer Entwicklung schwerer körperlicher und psychischer Leiden markieren, geprägt von Misshandlungen in der Kindheit und fast drei Jahrzehnten Isolationshaft im Todestrakt“, erklärten sie. Pike wäre laut der Forschungseinrichtung Cornell Center on the Death Penalty Worldwide die erste Frau seit 1819, die in Tennessee hingerichtet wird. Die Todesstrafe ist in mehr als zwei Dutzend der 50 Bundesstaaten zugelassen, allerdings wird sie vielerorts de facto nicht mehr vollstreckt.
Laut DPI wurden in den USA im laufenden Jahr bis zum 24. September 28 Straftäter hingerichtet. Hinrichtungen von Frauen sind dabei sehr selten. Seit 1976 wurden 18 Frauen hingerichtet – etwa ein Prozent aller 1.683 Vollstreckungen.
Laut einer jüngst erschienenen repräsentativen Umfrage des Forschungsinstituts Pew Research Center befürworten zwei Drittel der Erwachsenen in den USA die Todesstrafe für Menschen, die wegen Mordes verurteilt wurden. Eine Mehrheit ist zugleich der Ansicht, dass die Todesstrafe keine abschreckende Wirkung auf schwere Straftaten habe. Nicht alle Bilder konnten vollständig geladen werden. Bitte schließen Sie die Druckvorschau bis alle Bilder geladen wurden und versuchen Sie es noch einmal.
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Wer wirft nach dem Urlaub das Papierl neben das Klo?Seit 2008 bei der „Presse“ im Bereich Wissenschaft, Forschung und Kultur. Teil des „Presse“-Klima-Teams. Hat zuvor an der Uni Wien Zoologie und Verhaltensforschung studiert (Thema: Wildbienen in Brasilien). 2008 Förderpreis des Staatspreises für Wissenschaftspublizistik. 2015 Winfra-Forschungspreis.
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