Gerhard Zeiler, der im Wiener Arbeiter- und Migrantenviertel Ottakring aufwuchs, verdankt seine Karriere als Sprecher der österreichischen Bundeskanzler seiner SPÖ-Parteibindung sowie seiner eigenen Tüchtigkeit. Nach Führungspositionen bei Tele 5 und RTL wurde er weltweiter Vertriebschef von Warner Media. Seine Biografie gilt als Beispiel für den gesellschaftlichen Aufstieg eines Österreichers in der globalen Medienwirtschaft.
seit mehr als 50 Jahren als Wegbegleiter und Freund, als Diskussionspartner jenseits beruflicher und geografischer Grenzen. Wir sind nicht immer einer Meinung, aber immer öfter.
Wir haben manche Trauer über den Zustand der Politik : „Ich bin der felsenfesten Überzeugung, dass es möglich ist, das Ruder herumzureißen“, schrieb er im „Profil“. Jetzt müsse sich die SPÖ entscheiden, ob sie den Wechsel an der Spitze wolle, er stehe bereit.
Compliance-Bekenntnis Nummer zwei: Ich selbst komme aus einem „bürgerlichen“ Haushalt, wurde aber in der Zeit der Kreisky-Jahre und der 68er-Bewegung bekennender Sozialdemokrat, bisweilen mehr mit „liberalem“ Zusatz, bisweilen mehr mit „ökologischem“. Nie verpflichtet einer „Parteilinie“, stets aber ethischen und beruflichen Prinzipien. Und einem unerschütterlichen Glauben an den Wert des erfolgreichen Sozialstaates europäischer Prägung, der nötigen Balance zwischen wirtschaftlichem Erfolg und sozialer Absicherung, Grundlage der relativen gesellschaftlichen Stabilität.
Auch für die gesamte jetzige Regierung, die Zeiler mit aller Macht stärken will. Weil sie eine Barriere ist gegen die längst auch in Österreich spürbare Welle des Rechtspopulismus mit seiner EU-feindlichen Sehnsucht nach altem Nationalismus, getarnt als Patriotismus. Mit seinem wirtschaftsfeindlichen Appell, um Österreich Mauern zu errichten, gerade für ein exportorientiertes Land eine Katastrophe.
Und mit einem menschenrechts- und minderheitenfeindlichen Programm einer „Remigration“, die in Wirklichkeit nach Meinung der von Herbert Kickl gehätschelten Identitären bis zur Deportation Dutzender auch gut integrierter Zuwanderer der zweiten und dritten Generation führen sollte, zur Errichtung einer Mauer rund um einen Zustand der angeblich so glücklichen früheren Welt. Und damit in letzter Konsequenz etwa auch zum Zusammenbruch des hiesigen Gesundheitssystems und der exportorientierten Volkswirtschaft. Völkische „Reinheit“ statt der bewährten österreichischen „Mischkulanz“.
Kickl gegen die jetzige Regierung, das wird das eigentliche große Duell, nicht Zeiler gegen Babler. Kein böses Wort gegen den jetzigen Parteichef, im Gegenteil: Auch ich habe anfangs seine emotionale Stärke bewundert, seine feurige Rhetorik, habe sein Regierungsteam geschätzt und die Disziplin, mit der er dieses und die gesamte SPÖ bei der unbequemen Stange einer Dreierkoalition hielt.
Mit reinen Klassenkampf-Appellen aber wird man die gesellschaftliche Mitte nicht wieder heranholen, die wirtschafts-, wissenschafts- und kulturaffinen Kreisky- und Vranitzky-Wähler. Das kann ein absoluter Kommunikationsprofi wie Gerhard Zeiler eben besser. Ein simpler Vorschlag für eine demokratieerprobte, aber derzeit geschwächte Partei, ohne die das Land wirklich aus der Balance kommen könnte. Alles andere als ein „Putsch“.
Dr. Peter Pelinka ist Journalist und Gesellschafter der Medientrainingsfirma intomedia. Er war der letzte Chefredakteur der 1991 eingestellten „AZ“ und später Chefredakteur von „News“ und „Format“.
Gerhard Zeiler SPÖ Medienmanager RTL Warner Media
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