Gentle Monster: Wie das Umfeld mit Pädokrimi-Vorwürfen umgeht

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Gentle Monster: Wie das Umfeld mit Pädokrimi-Vorwürfen umgeht
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Marie Kreutzers Drama "Gentle Monster" untersucht, wie das Umfeld eines Mannes mit dem Vorwurf pädokrimineller Übergriffe umgeht, und bezieht sich dabei auf die aktuellen Ereignisse um den Kabarettisten Gunkl. Der Film erzählt die Geschichte von Lucy Weiss, einer berühmten Sängerin, deren Ehemann Philip plötzlich wegen Besitzes und Erstellung von Kinderpornografie angeklagt wird. Trotz des schockierenden Inhalts konnte sich das Projekt als erfolgreiche europäische Koproduktion etablieren.

Marie Kreutzer s Drama " Gentle Monster" hätte kaum zu einem aufgeladeneren Zeitpunkt ins Kino kommen können: Während der Film untersucht, wie das Umfeld eines Mannes mit dem Vorwurf pädokrimi neller Übergriffe umgeht, holen die aktuellen Ereignisse um den Kabarettisten Gunkl den Film ein.

Kreutzer erzählt von einem Ehemann, gespielt von Laurence Rupp, der Ungeheuerliches getan haben soll - und seine Frau (Lea Seydoux) muss damit umgehen. Sie sind ein schönes Paar: die Französin Lucy Weiss (Seydoux), gefeierte Pianistin und Sängerin, die mit ihren feinfühligen Interpretationen von Liebesliedern männlicher Musiker international Säle füllt, und der Österreicher Philip (Rupp), scheiternder Filmemacher und liebevoller Vater des gemeinsamen Sohnes Johnny.

Vor Kurzem sind sie aufs bayrische Land gezogen, damit Philip sein Burn-out auskurieren kann, in ein altes Haus mit Garten. Hier ist Platz für das Trampolin, hier kann Philip den Sohn mit dem Rad zur Schule bringen. Und dann steht eines Tages die Polizei mit Durchsuchungsbefehl vor der Tür. Lucy ist entsetzt und ahnungslos.

Erst als sie ihrem Mann zum Polizeipräsidium nachfährt, liest sie, auf einem Schild im Aufzug, was ihm vorgeworfen wird: zweiter Stock - Kinderpornografie. An der Filmidee zu "Gentle Monster", vom Film-Fernseh-Abkommen kofinanziert, arbeitete Kreutzer schon seit 2020 - noch vor ihrem Film "Corsage" (2022), in dem Teichtmeister eine tragende Nebenrolle spielte. Die Ermittlungen gegen den Schauspieler wegen Besitzes und Erstellung von Missbrauchsdarstellungen von Kindern waren im Jänner 2023 mitten in der Oscar-Kampagne für "Corsage" öffentlich geworden.

"Der erste Gedanke war natürlich, dass ich den Film wahrscheinlich nicht mehr machen kann, weil man mir vielleicht vorwerfen wird, aufgrund dessen diesen Film gemacht zu haben", so Kreutzer im Ö1-Interview. Dann sei ihr aber klar geworden, dass genau das ein Grund sei, den Film eben schon zu machen - "weil sich durch die Causa ja etwas bestätigt hat, was eigentlich der Anfang meiner Recherche war, nämlich dass ich ganz sicherlich auch Täter kennen muss".

Gelungen ist nun eine europäische Koproduktion, die mit deutschen und französischen Stars, deutschen, aber auch österreichischen Drehorten - unter anderem wurde am Altausseer See gedreht - und einem Soundtrack der französischen Musikerin Camille internationales Format hat: Trotz der Vorbehalte, die manche potenziellen Projektpartner aufgrund des Filminhalts hatten, war das Projekt schon im Entwicklungsstadium in Cannes 2025 ausgezeichnet worden. Die ungeheuerliche Normalität kleidet Kamerafrau Judith Kaufmann in spröde Bilder, ein harter Kontrast zum lichtdurchfluteten, liebevollen Zuhause vom Filmanfang, vor dem Eintreffen der Polizei.

In ihrem Entsetzen, ihr Mann habe womöglich dem gemeinsamen Kind etwas angetan, reist Lucy mit Johnny zu ihrer Mutter, gespielt von Catherine Deneuve, wagt aber lange nicht, sich ihr anzuvertrauen. Der Fokus liegt hier ganz auf Lucy, ihrem Entsetzen, ihrer Kränkung. Das Umfeld der kleinen Familie bleibt ausgespart - niemand, bis auf einen engen Familienfreund und Anwalt, bekommt von den Vorwürfen zunächst etwas mit.

Damit lässt Kreutzer einen großen Teil des Konflikts, aber auch des Spannungspotenzials weg - das berufliche Umfeld, Kolleginnen und Kollegen, die womöglich fassungslos und mit Kontaktabbruch reagieren, kommen hier gar nicht vor. Stattdessen holt Kreutzer eine andere Ebene in den Film, nämlich die der Ermittlerin Elsa Kühn, gespielt von der perfekt besetzten Jella Haase. In ihrer Figur wähnt man sich zunächst auf vertrautem "Tatort"-Terrain.

Doch Elsas Privatleben ist geprägt von der Sorge um den pflegebedürftigen Vater (Sylvester Groth), der seiner 24-Stunden-Betreuerin Dragana (Sara Sukarie) gegenüber wiederholt sexuell übergriffig wird. In den Figuren von Lucy und Elsa, aber auch in denen von Dragana und der von Regine Fritsch gespielten Schwiegermutter von Lucy wird deutlich, wie sehr das, was unter Care-Arbeit subsumiert wird, auch emotionales Mikro- und Makromanagement der Gefühle, Aggressionen und Probleme von Männern umfasst.

Elsas Vater will "nur ein bisschen Zärtlichkeit" und bricht dafür nachts in das Schlafzimmer der Betreuerin ein. Lucys Schwiegermutter Inge kümmert sich um einen Anwalt, weil "er ist mein Kind, so wie Johnny dein Kind ist". Und auch von Lucy wird erwartet, das emotionale Management für ihren Ehemann zu übernehmen - sie muss sich sogar rechtfertigen, mit ihrer Musik erfolgreicher zu sein als er mit seinen Filmen.

Ein befreundeter Psychologe liefert die Erklärung nach: Bei den meisten Tätern im Bereich sexualisierter Übergriffe auf Kinder handle es sich nicht um Männer mit einer pädophilen Störung, sondern die Schwäche von Kindern als potenzielle Opfer sei leichter auszunutzen als bei Erwachsenen

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