Gefährliche Machtspiele: Warum Golfstaaten und Israel in Ostafrika...

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Gefährliche Machtspiele: Warum Golfstaaten und Israel in Ostafrika...
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Arbeitet seit 1997 für die „Presse“. Er ist stellvertretender Leiter des Ressorts Außenpolitik und beschäftigt sich vor allem mit geopolitischen Entwicklungen und dem arabischen Raum. Er hat aus diversen Krisengebieten berichtet, etwa über den Aufstand in Ägypten und Libyen und über den Kampf gegen den IS in Syrien und im Irak.

Die Houthis rücken im Jemen vor. Damit gewinnt das andere Ufer des Roten Meeres an strategischer Bedeutung – und das hat Folgen für Somalia und die Kriege im Sudan und Äthiopien.

Der Schock sitzt den Saudis und auch dem Westen noch tief in den Knochen: Handstreichartig haben die mit dem Iran verbündeten Houthi-Milizen ihren Machtbereich im Jemen ausgeweitet. Sie kontrollieren nun den Ostteil der Meerenge Bab al-Mandab – und damit ein Nadelöhr des Welthandels. Schiffe, die vom Mittelmeer durch den Suezkanal ins Rote Meer und weiter Richtung Indien oder Ostasien fahren, müssen hier durch.

Jetzt, da die Houthis wichtige Gebiete an der Ostküste des Roten Meeres kontrollieren, wächst die strategische Bedeutung der gegenüberliegenden Küste auf dem afrikanischen Kontinent. Das ist für diese Länder eine Chance, ihre politische Position zu festigen und davon auch wirtschaftlich zu profitieren. Aber es ist zugleich auch eine Gefahr. Denn schon jetzt mischen externe Mächte – aus eigenen Interessen – bei den blutigen Konflikten in Nordostafrika mit.

Und das könnte nun noch schlimmer werden. Der Krieg in dem ostafrikanischen Land hat zu einer der weltweit größten humanitären Katastrophen geführt. Der Oberkommandierende des sudanesischen Militärs, General Abdel Fattah Burhan, und der Chef der Miliz „Rapid Support Forces“ , Generalleutnant Mohammed Hamdan Daglo, kämpfen seit drei Jahren um die Macht im Land. Die Folge: mehr als 150.000 Tote, Massaker, Massenvertreibungen und eine Hungerkrise.

Zugleich ruft die strategisch wichtige Lage des Sudan regionale Mächte auf den Plan. Ägyptens Führung und ihr Verbündeter Saudi-Arabien, aber auch zum Teil der Iran unterstützen die sudanesischen Streitkräfte unter Burhan. Die Vereinigten Arabischen Emirate stehen auf der anderen Seite. Es gibt zahlreiche Berichte, dass die VAE der RSF-Miliz mit Ausbildung und Militärmaterial helfen.

Die Führung der Emirate weist diese Darstellung mittlerweile empört zurück – vor allem, seit den RSF-Kämpfern international massive Kriegsverbrechen vorgeworfen werden. Die Rivalität zwischen den kleinen reichen Emiraten und ihrem großen Nachbarn, dem saudischen Königreich, hat sich zuletzt verschärft. Und so versuchen die VAE immer stärker, einen eigenständigen außenpolitischen Kurs zu fahren. Das zeigt sich auch in Somalia.

Die Emirate unterhalten enge Beziehungen zu Somaliland, einem Gebiet, das 1991 seine Unabhängigkeit von Somalia erklärt hat. Somaliland liegt an der Südküste des Golfs von Aden nahe der Meerenge Bab al-Mandab. In Somaliland befindet sich die strategisch wichtige Stadt Berbera. Seit 2016 wird der Hafen von Berbera von der aus den Emiraten stammenden Firma „DP World“ betrieben.

Und die VAE haben hier eine Militärbasis eingerichtet. Somalias Regierung hat zwar de facto keine Kontrolle über Somaliland. Zugleich hat sie aber die Eigenstaatlichkeit des abtrünnigen Gebiets nie akzeptiert. Und auch alle anderen Länder der Welt hielten das offiziell so – bis zum Dezember 2025.

Dann erkannte Israel als erstes Land Somaliland als souveränen Staat an. Beide Regierungen vereinbarten eine enge Kooperation. Zugleich tauchten Gerüchte auf, Israel könnte auch die Militärbasis der Emirate in Somaliland mitbenutzen. Damit hätte Israel, dessen Hafen Eilat am Roten Meer liegt, auch einen Außenposten im Süden des wichtigen Wasserweges – und einen Stützpunkt, von dem aus es relativ rasch Schläge gegen die verfeindeten Houthi-Milizen im Jemen durchführen kann.

Seit der Normalisierung ihrer Beziehungen durch die sogenannten Abraham-Abkommen 2020 setzen Israel und die Emirate auf gemeinsame außen- und sicherheitspolitische Interessen. Die Emirate gelten mittlerweile als ein Verbündeter Israels in der Region. Äthiopien liegt nahe am Roten Meer, hat aber seit der Abspaltung Eritreas keinen direkten Zugang mehr. 90 Prozent des äthiopischen Außenhandels laufen über Häfen in Dschibuti. Der internationale Andrang in Dschibuti ist aber bereits enorm.

In dem kleinen ostafrikanischen Land haben internationale Mächte wie die USA, China und Frankreich – quasi Tür an Tür – eigene Militärbasen. Äthiopien versucht, seine Abhängigkeit von Dschibuti beim Außenhandel zu verringern – und der Hafen Berbera in Somaliland ist hier eine Alternative. Gerade auch jetzt nach dem Houthi-Vormarsch, da Berbera vom Kampfgebiet im Jemen weiter wegliegt als Dschibuti.

Äthiopiens Regierung hat 2024 einen Vertrag mit Somaliland geschlossen, sehr zum Ärger der somalischen Regierung, die darin eine Anerkennung des abtrünnigen Gebiets sah. In einem von der Türkei vermittelten Abkommen wurden die Spannungen zwischen Äthiopien und Somalia zwar offiziell entschärft – wirklich aufgegeben hat die Regierung in Addis Abeba das Projekt Berbera aber nicht. Bei einem Engagement in Somaliland könnte Äthiopien wohl auch auf die Hilfe der Emirate zählen, die rund um Berbera ja bereits hochaktiv sind.

Und auch Israel, ein langjähriger strategischer Partner Äthiopiens, unterstützt die Wünsche in Addis Abeba für einen Zugang zum Roten Meer. Mit den Emiraten verbindet Äthiopiens Regierung zudem die gemeinsame Rückendeckung für die RSF-Miliz im Sudan. Es gibt sogar Berichte, dass RSF-Kämpfer von Militärberatern der Emirate auf äthiopischem Gebiet ausgebildet werden – was sowohl die äthiopische Regierung als auch die VAE dementieren. Äthiopiens Beziehungen zu Sudans Militärführung und zu Ägyptens Regierung sind angespannt.

Ein Hauptgrund dafür sind Äthiopiens gigantische Staudammprojekte am Blauen Nil. Der Sudan und Ägypten befürchten, dass Äthiopien damit ihre Versorgung mit Wasser durch den Nil gefährden könnte. In Äthiopien selbst sind nun alte Konflikte neu aufgeflammt. Eine Allianz aus sieben Milizen, darunter die „Volksbefreiungsfront von Tigray“ , haben zum Sturz der Regierung aufgerufen.

Im Norden des Landes toben heftige Gefechte. Äthiopiens Führung wirft Sudans Armee vor, die TPLF zu unterstützen und verdächtigt auch Ägypten der Hilfe für die Rebellen. Saudi-Arabien versuchte zuletzt, im Tigray-Konflikt zu vermitteln. Zugleich will es aber den Einfluss seines Rivalen, der Emirate, auf Äthiopiens Regierung zurückdrängen.

Eine Eskalation des Kriegs könnte externe Akteure dazu animieren, nun noch stärker als bisher mitzumischen.

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