Sabine Hottowy, 1984 in Wien geboren, begann 2006 ihre Arbeit für das Schaufenster-Magazin der „Presse“. 2007 wechselte sie als Redakteurin in die Online-Redaktion, dort leitete sie ab 2009 das Leben-Ressort.
Keiner kann das Gebrabbel um alternative Fakten mehr hören. Wie das Comedy-Newsformat „Fun Facts“ Nachrichten mit nur drei Elementen entkrampft: witzig, wichtig, richtig.138 Kilogramm Gold in Barren und Münzen soll Reiner Strangfeld der rechtsextremen AfD vermacht haben, bevor er sich im Juli 2018 mit Benzin übergoss und anzündete.
Er starb. Die Partei hatte keine Bedenken, ihr Recht als Alleinerbin anzunehmen. Dieses Gold ist nach heutigem Stand über 33 Millionen Euro wert und soll einen Großteil des Parteivermögens ausmachen. Strangfelds Familie bezweifelt, dass ihr Verwandter vor seinem Tod noch bei Sinnen war, und prozessiert gegen das Testament.
Lässt sich aus so einer Geschichte ein Comedyplot schneidern? Sicher. Reiner Strangfeld war, ob geistig frisch oder nicht, der Erfinder einer Toilettenspülung „und ist damit der erste mir bekannte Mensch, der tatsächlich aus Scheiße Gold gemacht hat“. So sieht es der Journalist Jean Peters, der für seine Arbeit im Bereich des Rechtsextremismus bekannt ist.
„Und dann hat er anschließend versucht, aus Gold wieder Scheiße zu machen. “ Ha! Das Publikum brüllt vor Lachen. Vielleicht war diese Aufzeichnung der größte Scoop in der Geschichte von „Fun Facts“.
Wobei die Antwort auf die Frage, wo das Gold der Rechtspopulisten nun liegt, auch nach dem 18-minütigen Video unbeantwortet bleibt. Das größte Parteierbe in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland bleibt also unauffindbar. Bis dahin erfährt man allerdings einiges über die Firmennetze der AfD, über Strohfrauen, Autoverkäufer und Nazi-Codes. Damit einem zwischen all den Verstrickungen nicht schlecht wird, sorgen witzige Pointen für Auflockerung.
Und genau das entspricht dem Konzept von „Fun Facts“. Das Nachrichtenformat produziert in Deutschland seit März fünf Sendungen pro Woche zu aktuellen und zeitlosen Themen mit abwechselnden Hosts. Als Redaktion arbeitet die Rechercheplattform „Correctiv“ mit. Sinn und Ziel sind klar: Keiner kann das Gebrabbel um alternative Fakten mehr hören.
Wichtige Themen sollen hier richtig erklärt werden und Reichweite bekommen. Als Treiber wirken bekannte Comedians. Die sind derzeit nämlich gut im Followergeschäft, jedenfalls besser als so manches Leitmedium. Wie gut das neue Format funktioniert, lässt sich am dicken Terminkalender ablesen.
Aufgenommen werden die Shows nämlich vor Livepublikum in mehreren deutschen Städten. Dabei erklärt Hazel Brugger die internationale Lernstandserhebung Pisa, und Martin Frank verklart, was die sogenannte „Remigration“ für das Pensionssystem der Bevölkerung wirklich bedeutet. Nicht alle Hosts sind so bekannt wie diese beiden, immer wieder kommen nischigere Typen zu Wort, aber auch die haben ihre Follower. Insgesamt waren bereits 100 nebenberufliche Nachrichtensprecher im Einsatz.
„Fun Facts“ schöpft aus einer irrsinnigen Fülle an Künstlerinnen und Künstlern, die sich derzeit um die Satire bemühen. Aktuell hat der Spaß in all seinen Erscheinungsformen, ob klug, leicht, derb oder plagiierend, viel Erfolg. Comedians füllen die Socials. Und auf der anderen Seite füttern klassische Kabarettbühnen ihr Programm immer öfter mit politischen Diskussionsabenden.
Offenbar gibt es hier eine Schnittmenge. Vielleicht liegt es daran, dass das Hirn im harten Nachrichtenalltag nach Entspannung sucht. Humor macht vieles erträglicher.
„Unser klassischer Aufruf am Ende einer Sendung ist immer: Und jetzt schmeiß das Handy weg, klapp den Laptop zu und mach was Schönes“, sagt Nico Waschkowski. Der studierte Volkswirt war als Country Manager diesen Sommer schwer damit beschäftigt, das Österreich-Standbein von „Fun Facts“ zu mobilisieren. Gedreht wird an mehreren Vormittagen bis Weihnachten vor einem Livepublikum, das im Mariahilfer Stadtsaal ausreichend Platz findet. Toxische Pommes durfte Anfang Oktober den Piloten hosten.
Klaus Oppitz und David Friedrich werden als Showrunner für die Inhalte verantwortlich sein, während Philipp Kaindl die Redaktionsleitung trägt. Für 24. 10. kündigt sich unter der Moderation von Florian Scheuba dann die erste Exklusivgeschichte in Zusammenarbeit mit „Dossier“ an. Thema geheim. Die Livetermine sind dabei eine gute Einnahmequelle, „Fun Facts“ finanziert sich nur geringfügig über Werbung und Merchandise, die Ticketeinnahmen und sogenannte Bandenbeiträge stemmen das Projekt.
Der Hintergrund ist jener, dass es Vereinen in Deutschland recht schwer gemacht wird, sich politisch zu positionieren.
„Nachdem wir uns klar gegen autoritäre Tendenzen einsetzen, verzichteten wir schon vorab auf die offizielle Gemeinnützigkeit. Sie steht in unserem Gesellschaftsvertrag, sprich, wir sind intern gemeinnützig, steuerlich gesehen aber nicht.
“ „Unser Ziel ist es, die Fakten auf den Tisch zu legen, sie mit Humor zu verarbeiten und am Ende mit einem positiven Call to Action zu schließen. Es geht um das Gefühl, dass nicht alles ganz so schlimm ist. Es gibt hier eine Petition, die man unterstützen könnte, oder dort etwas zu spenden.
“ „Fun Facts“ sieht sich dabei an der Schnittstelle zwischen Newsfluencing und Journalismus. „Diese Grenze verschwimmt. Jeder Journalist muss heutzutage in gewisser Hinsicht auch Influencer sein.
“Sieht Waschkowski die Socials mittlerweile als fünfte Gewalt? „Definitiv. Die Big-Tech-Plattformen haben über ihre Algorithmen eine riesige Macht über die Informationsverteilung bei ihren Usern, sie haben mehr Macht als so manches Lokalmedium.
“ Wenn es ihnen noch so sehr an Ethik und Moral fehlt, lassen sich ebendiese Techgiganten von „Fun Facts“ und den mitgelieferten prodemokratischen Absichten nicht boykottieren. Auch sie müssen dahin, wo die User sind. Denkt er, dass die Zeit klassischer Nachrichtenmedien vorbei ist?
„Ja und nein. Man muss sich neu erfinden, lineare Informationswege sind vielen nicht mehr individuell genug“, sieht Nico Waschkowski.
„Über diese Medien passiert aber der echte Journalismus, umso wichtiger ist es, hier die Leute zu erreichen und wieder wegzukommen von den Big Tech. “
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