Die Grande Nation steckt an den Finanzmärkten in einer tiefen Vertrauenskrise. Eine gefährliche Mischung aus steigender Zinslast, hoher Verschuldung ...
Die Rendite der zehnjährigen Bonds Frankreichs klettert auf den höchsten Stand seit 18 Jahren. Das Haushaltsdefizit droht bis 2030 auf fast sieben Prozent des BIP zu steigen.
Die Grande Nation steckt an den Finanzmärkten in einer tiefen Vertrauenskrise. Eine gefährliche Mischung aus steigender Zinslast, hoher Verschuldung und politischer Ungewissheit vor der Präsidentenwahl im nächsten Jahr lässt Frankreich bei den Anlegern zunehmend in Ungnade fallen. Frankreich befindet sich aktuell nicht nur in einer Konjunkturflaute – die Wachstumsprognose für das Bruttoinlandsprodukt im laufenden Jahr wurde erst am Freitag von 0,7 auf 0,5 Prozent gesenkt.
Einem unabhängigen Expertenbericht zufolge droht der nach Deutschland zweitgrößten Volkswirtschaft der Eurozone auch eine drastische Verschlechterung ihrer Staatsfinanzen. Das Haushaltsdefizit könnte von fünf Prozent des BIP in diesem Jahr auf fast sieben Prozent im Jahr 2030 ansteigen, heißt es in einem kürzlich veröffentlichten Gutachten, das die Regierung in Auftrag gegeben hatte. Die Staatsverschuldung würde im selben Zeitraum von 118 Prozent auf mehr als 130 Prozent der Wirtschaftsleistung klettern. Zum Vergleich: In Deutschland liegt der Schuldenstand aktuell bei etwa 64,2 Prozent.
Wie groß das Misstrauen der Finanzmärkte ist, zeigen die jüngsten Erschütterungen am Anleihemarkt. Inzwischen verlangen Investoren für zehnjährige französische Staatsanleihen höhere Zinsen als für die des traditionellen Krisenstaats Italien. Anfang der Woche lag die Rendite der zehnjährigen Bonds Frankreichs mit 4,5531 Prozent auf dem höchsten Stand seit 18 Jahren. Die der italienischen Pendants kletterte auf 4,4767 Prozent, ein knappes Drei-Jahres-Hoch.
Sogar das ehemals krisengeplagte Griechenland leiht sich inzwischen günstiger Geld als die Grande Nation. Der Zinserhöhungskurs der großen Notenbanken sorge zwar weltweit für steigende Renditen, eine spezifisch französische Risikoprämie sei jedoch unverkennbar, sagt Enguerrand Artaz vom Vermögensverwalter La Financière de l‘Échiquier.
„Die Skepsis der Anleger gegenüber französischen Vermögenswerten spiegelt deutlich die Unsicherheit über die anstehenden politischen Entscheidungen wider – zunächst die Haushaltsabstimmung und anschließend die Präsidentschaftswahl. “ Sie zeuge aber auch von berechtigten Ängsten um die wirtschaftliche Lage des Landes. Die Minderheitsregierung von Premierminister Sebastien Lecornu muss in den kommenden Wochen ihr Defizitziel für 2027 festlegen. Doch der Weg dahin ist holprig – das Parlament ist tief gespalten und die Positionen sind verhärtet.
Die Präsidentschaftswahl im kommenden Frühjahr dürfte die politische Ungewissheit und die Sorgen um die Staatsfinanzen noch einmal verschärfen. Den Kandidaten der linken und rechten Lager, die teure Wahlprogramme vertreten, werden gute Chancen eingeräumt. Daniel Hartmann, Chefvolkswirt bei Bantleon, taxiert einen möglichen Sieg von Rechtspopulistin Marine Le Pen derzeit auf mindestens 60 Prozent.
Unter einer Präsidentin Le Pen dürfte die Konsolidierung der Staatsfinanzen aus seiner Sicht nicht oben auf der Agenda stehen – „zu rechnen wäre vielmehr mit anhaltend hohen Haushaltsdefiziten“. Die Bondrenditen könnten daher in den kommenden Monaten weiter in die Höhe schießen. Und damit auch die Zinslast des Staates, was wiederum das Haushaltsdefizit vergrößert. Die Prämie, die Anleger für das Halten französischer 10-jähriger Papiere gegenüber deutschen Bundesanleihen verlangen, lag in dieser Woche zeitweise bei rund 98 Basispunkten.
Selbst bei 100 Basispunkten bestehe noch Spielraum für eine weitere Ausweitung, prognostizierte Kevin Thozet vom französischen Vermögensverwalter Carmignac. User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum.
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