Peter de Caluwe wurde als neuer Intendant der Salzburger Festspiele präsentiert. Mit der „Presse“ sprach er über seine Pläne: Ein „Rosenkavalier“ soll 2031 kommen, er will Tanztheater und viele...
Peter de Caluwe wurde als neuer Intendant der Salzburger Festspiele präsentiert. Mit der „Presse“ sprach er über seine Pläne: Ein „Rosenkavalier“ soll 2031 kommen, er will Tanztheater und viele Uraufführungen.
Den Umbau sieht er auch positiv. Bagger, Staub, Absperrungen: Man sieht dem Salzburger Festspielbezirk an, dass er im heftigen Umbau ist. Im großen Festspielhaus, wo am Freitag der neue Intendant und die alte Präsidentin präsentiert wurden, bemühte Landeshauptfrau Karoline Edtstadler lieber eine Metapher aus der Seefahrt: Die Kapitänin – also Kristina Hammer – bleibe an Bord, aber es gebe mit Peter de Caluwe einen „neuen ersten Offizier“.
Die Position eines anderen „Offiziers“, nämlich des kaufmännischen Direktors Lukas Crepaz, wackelt derzeit: Das wurde bei der Präsentation klar.
„Es gibt persönliche Entscheidungen, die zu treffen sein werden“, sagte Edtstadler eisig, der Posten werde ausgeschrieben. Man hört, dass der allseits geschätzte, für den Umbau wichtige Crepaz – wie der im April abgesetzte Intendant Markus Hinterhäuser – nicht gut mit Hammer kann. Zum Zerwürfnis beigetragen haben wohl die hektischen Verhandlungen über die Neubesetzung der künstlerischen Leitung.
Peter de Caluwe, für den sich das Kuratorium nach Parallelverhandlungen mit ihm und dem Duo aus Barrie Kosky und Sophie de Lint entschieden hat, machte bei seiner Vorstellung nicht den Eindruck, ein Mann des Streits zu sein.
„Gerard sagte immer, ,Reibung gibt Wärme‘“, Ich bin eher Harmoniemensch“, erklärte er. Gemeint war Mortier, Festspielintendant von 1992 bis 2001. Bei ihm hat Caluwe, der von 2007 bis 2025 die Oper in Brüssel leitete, einst gelernt. Glaubwürdig wie sein Bekenntnis zur Demut wirkte auch jenes zur Gründungsidee der Festspiele.
Großes Lob vonseiten des Kuratoriums gab es für Caluwes optimistische Haltung zum Umbau: Er sehe ihn nicht nur als Einschränkung, sagte er, sondern auch als Chance, neue Spielorte zu entdecken. In diesem Sinn hat er schon die Stadt erkundet: Offiziell Intendant ist er ab Herbst 2027, doch ein Vorbereitungsvertrag läuft ab 1. Oktober 2026. Mit der interimistischen Intendantin Karin Bergmann will Peter de Caluwe sich bald treffen.
Ihre Arbeit im Sommer 2026 wurde bei der Präsentation mehrfach gelobt, der Name des erfolgreichen Intendanten Markus Hinterhäuser fiel dagegen kein einziges Mal. Beim Interview mit Caluwe sprach ihn die „Presse“ auch darauf an. Die Presse: Seltsam, dass Markus Hinterhäuser heute überhaupt nicht erwähnt wurde! Sie distanzieren sich aber nicht von ihm und seiner Ära, oder?
Peter de Caluwe: Natürlich nicht. Wir haben so viele Verbindungen, Markus und ich. Wichtige Regisseure, die bei ihm gearbeitet haben, Romeo Castellucci oder Christof Loy etwa, haben auch bei mir an der Brüsseler Oper inszeniert. Seine künstlerische Familie ist sozusagen auch meine Familie.
Ich fand sehr gut, was in Salzburg passiert ist in den letzten Jahren, ich war oft hier. Wenn ich jetzt Namen nenne, fühlen sich andere übergangen. Aber es gibt starke Persönlichkeiten, etwa in Deutschland und Spanien. Wichtig ist mir Salzburg als europäisches Zentrum.
Das heißt nicht, dass wir nichts mit Asien, Afrika und Amerika zu tun haben. Aber hier geht es im Moment sehr um die Verteidigung der Demokratie. Ich finde wichtig, dass wir Stücke und Leute finden, die darüber reden. Es geht nicht nur um den Inhalt, es geht darum, welche Fragen man stellt.
Und um die Frage: Was tut man gegen die aktuelle Polarisierung? Da kann man aus dem Modell der Kultur lernen, wo Oper, Theater, Musik, Literatur zusammenkommen. Mir ist bei Opern die Musik sehr wichtig. Man redet oft viel über das, was man sieht, weniger über das, was man hört.
Aber ich will keine politischen Inszenierungen. Ich denke nicht an Politik, ich denke an die Polis, das Zusammenleben. Ich kann mir nicht vorstellen, dass das nicht funktionieren würde. Sie haben erzählt, dass Sie das erste Mal 1980 in Salzburg waren – und gleich „Figaro“ gesehen haben.
Ja, das war toll. Die Inszenierung von Ponnelle. Mit Anna Tomowa-Sintow, Teresa Stratas, Kurt Rydl und all den anderen großen Stimmen, die ich von meinen Schallplatten gekannt habe, wow! Und dafür hab ich völlig unerwartet, als unbekannter junger Mann, von einem dieser Männer in Livree eine Freikarte bekommen, ich weiß bis heute nicht wieso.
Und jetzt bin ich noch immer da. Möglichst alle drei Da-Ponte-Opern in einer Saison. Und die Verbindungen zwischen ihnen ergründen. Ja, da gab es ja in letzter Zeit fantastische Produktionen.
Ich kann mir im Moment keine bessere „Salome“ vorstellen als die, die wir hier gesehen haben. Ich werde auch mit ihm sprechen. Wie mit vielen Künstlerpersönlichkeiten, darüber, wofür sie sich begeistern. Das ist meine Art zu arbeiten.
Gut, manchmal mache ich auch Vorschläge. Wie damals, als ich Romeo gefragt habe: Würdest du „Parsifal“ machen? Ich hatte damals die Herheim-Inszenierung in Bayreuth gesehen, die viel mit Deutschland zu tun hatte. Ich wusste: So einen „Parsifal“ kann ich in Brüssel nicht machen.
Auch keinen rein christlichen, weil Brüssel nicht nur eine christliche Stadt ist. Für mich handelt Parsifal von Emanzipation. Das habe ich damals mit Romeo besprochen. Einen „Ring“ gibt es jetzt schon bei den Osterfestspielen.
Aber „Parsifal“ wäre zum Beispiel etwas für den Sommer. Oder auch der „Fliegende Holländer“. Wie lange war schon kein „Holländer“ mehr hier in Salzburg? Es gibt auch viele Stücke aus dem 20.
Jahrhundert, die noch nie hier gespielt wurden.2031 müsste eigentlich ein neuer „Rosenkavalier“ kommen, denn der war ja einst im Jahr 1960 das Eröffnungsstück im großen Festspielhaus. Das liegt nahe. Nicht als Sachertorte, sondern als Überlegung über die Zeit. Der letzte „Rosenkavalier“ in Salzburg ist ja auch schon lange her.
Und „Arabella“ ist noch viel länger hier nicht gespielt worden. Dabei passt es so gut, da kommen sogar Fiaker vor! Und Adelige. Aber mir liegen auch die Bourgeois-Opern von Strauss am Herzen, zum Beispiel „Capriccio“.
„Die schweigsame Frau“, schon wegen des Librettos von Stefan Zweig. Apropos: Wenn ich an Uraufführungen denke: Mein Traum wäre eine Oper über das Leben von Stefan Zweig, mit Referenzen an alles, was er in seiner Zeit gehört hat. Für mich ist er eine Schlüsselfigur, und „Die Welt von gestern“ ein Schlüsseltext. Zuerst will ich mit Karin sprechen, ich will sehr gut verstehen, wie das hier funktioniert.
Wichtig ist mir, dass es auch Tanztheater gibt. Klar, es geht ja auch nicht anders. Wir haben sie alle gehabt, die Großen des Tanzes. Etwa Maurice Béjart.
Alle vergessen ihn. Er wurde damals von Mortier in Brüssel rausgeschmissen, aber Béjart war der Mann vor Mortier. Ein sehr schönes Projekt. Ich bleibe sicher dabei.
Die Kirchen werden auch als Spielstätten wichtig sein, wenn das große Festspielhaus geschlossen ist. Bald möchte ich mit dem Konzertchef darüber sprechen, was ihm wichtig ist. Und welche Spielorte er sich vorstellen kann. Bleiben möchte ich bei der Usance, die Opernproduktionen von den Pfingstfestspielen zu übernehmen.
Das ist auch für das Budget wichtig. Und es wäre schade, eine Produktion nur zweimal zu spielen, oder?
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