In Vorarlberg sind fast die Hälfte der heimischen Libellenarten gefährdet. Das zeigt die neue Rote Liste und der aktualisierte Verbreitungsatlas, die das Forschungszentrum inatura Dornbirn veröffentlicht hat. Hauptgründe sind Klimaerwärmung und Lebensraumveränderungen. Während wärmeliebende Arten profitieren, leiden andere unter Austrocknung und naturfernen Hochwasserschutzmaßnahmen. Besonders bemerkenswert ist das Wiederauffinden der Großen Moosjungfer. Die Liste basiert auf 10.800 Datensätzen, darunter auch Citizen-Science-Beiträge. In Vorarlberg ist die Erstellung solcher Listen gesetzlich verankert - einzigartig in Österreich.
In Vorarlberg sind 47 Prozent der insgesamt 62 heimischen Libellen arten in unterschiedlichem Ausmaß als gefährdet eingestuft. Grund für diese besorgniserregende Entwicklung sind die Klimaerwärmung und umfassende Lebensraumveränderungen.
Das Forschungszentrum inatura Dornbirn hat kürzlich einen aktualisierten Verbreitungsatlas sowie eine neue Rote Liste veröffentlicht und bezeichnet die Zahlen als ernüchternd. Lediglich ein Drittel der Arten gilt als ungefährdet, während 16 Prozent in der Vorwarnstufe stehen. Seit der ersten Bestandsaufnahme vor einem Vierteljahrhundert haben sich die Rahmenbedingungen deutlich gewandelt, so die Expertinnen und Experten. Im Vergleich zu 2001 wurden zwar 19 Arten in ihrer Gefährdungsstufe herabgestuft, bei 13 Arten erhöhte sich der Gefährdungsgrad.
Fünf neue Arten konnten hinzugefügt werden, zwei wurden aus der Liste gestrichen. Die Klimaveränderung begünstigt die Ansiedlung wärmeliebender Libellenarten, während gleichzeitig Austrocknung der Landschaft, naturferne Hochwasserschutzmaßnahmen und andere Lebensraumveränderungen den alteningesessenen Arten das Leben schwer machen. Eine Besonderheit stellt die Helm-Azurjungfer dar, die derzeit in Österreich ausschließlich in Vorarlberg vorkommt, nachdem ein historisches Vorkommen in Nordtirol durch eine Lebensraumumgestaltung erloschen ist.
Im Gegensatz dazu konnte die Große Moosjungfer, von der in der inatura-Sammlung nur ein einziger historischer Beleg existierte, im Moorgebiet Turbastall bei Schlins und im Fohramoos oberhalb von Dornbirn und Schwarzenberg wiederentdeckt werden. Besonders stark bedroht sind die Hochmoor-Mosaikjungfer und die Gefleckte Heidelibelle, die vom Aussterben bedroht sind. Die neue Rote Liste wurde von Werner Holzinger und Brigitte Komposch-Holzinger vom Ökoteam Graz erstellt. Grundlage bildeten rund 10.800 Datensätze, darunter Felderhebungen, historische Angaben, Sammlungsmaterial und Meldungen aus Citizen-Science-Plattformen.
Letztere haben die Datenlage in den vergangenen Jahren deutlich verbessert. In Vorarlberg ist die Erstellung Roter Listen gesetzlich in der Naturschutzverordnung verankert - eine solche Verpflichtung gibt es laut inatura in keinem anderen Bundesland. Die Veröffentlichung des Verbreitungsatlas und der Roten Liste unterstreicht die Dringlichkeit von Maßnahmen zum Schutz der Lebensräume und zur Anpassung an den Klimawandel, um die Artenvielfalt der Libellen in der Region zu erhalten
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