Der europäische Hotelmarkt gewinnt nach einer zurückhaltenden Phase wieder an Attraktivität. Luxushotels und Resorts in Süd- sowie Nordeuropa sind besonders gefragt. Das Investitionsvolumen lag im ersten Halbjahr bei 11,7 Milliarden Euro, während der Hospitality Investor Sentiment Index im dritten Quartal deutlich stieg.
Die Assetklasse Hotel ist wieder attraktiver, im Luxussektor fließen die Investitionen. Italien, Spanien und Frankreich sind gefragt, der Markt in Skandinavien zieht an. Europa s Hotels behaupten sich.
Vor allem im gehobenen Segment ermöglichen eine solide Nachfrage und hohe Zimmerpreise weiterhin attraktive operative Ergebnisse. Diese Stärke schlägt sich am Investmentmarkt nieder: Nach einer Phase großer Zurückhaltung wächst die Bereitschaft, sich wieder mit Hotelimmobilien zu beschäftigen. Besonders gefragt sind Luxushotels und Resorts sowie Standorte in Südeuropa. Gleichzeitig eröffnet ein verändertes Reiseverhalten neue Perspektiven für Nordeuropa.
Wie sich die Stimmung verändert hat, zeigt der Hospitality Investor Sentiment Index. Nachdem er im zweiten Quartal 2026 auf den niedrigsten Stand seit 2022 gefallen war, stieg er im Q3 von 46,6 auf 56,4 Punkte. Die Erwartungen für die nahe Zukunft haben sich verbessert. Die europäischen Hotelinvestitionen erreichten laut Cushman & Wakefield im ersten Halbjahr ein Volumen von 11,7 Milliarden Euro.
Das sind zwar um 9,5 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum, gegenüber dem Zehnjahres-Schnitt entspricht dies jedoch einem Plus von 20 Prozent. Für Frédéric Le Fichoux, Head of Hotel Transactions EMEA bei Cushman & Wakefield, ist dies weniger ein Zeichen für einen schwächeren als für einen hochselektiven Markt. Gehandelt wurden vor allem Premiumhotels in guten Lagen und im höheren Preissegment. Auffällig ist, dass die Transaktionen aus dem asiatischen Raum mit plus 500 Prozent extrem zugenommen haben.
Das trug dazu bei, Rückgänge aus der Region Amerika auszugleichen. Die im langfristigen Vergleich überdurchschnittliche Aktivität am Hotelmarkt wurde durch vereinzelte hochkarätige Transaktionen untermauert, darunter der Verkauf des Pullman Paris Tour Eiffel und der Erwerb des ehemaligen Westminster Curio Collection Hotels in London durch die spanische Hotelgruppe Riu Hotels & Resorts. Besonders widerstandsfähig sind europäische Luxushotels. Selbst am oberen Ende des Marktes lässt die Nachfrage bislang kaum nach.
Zwar liegt die Auslastung der preisgünstigeren Luxushäuser rund sieben Prozentpunkte über jener der Hotels im obersten Preisquartil. Gleichzeitig steigt jedoch die Belegung in allen Preiskategorien. Auch die durchschnittlichen Zimmerpreise legen weiter zu. Bemerkenswert ist zudem, dass Luxus nicht mehr zwangsläufig mit Größe und einem möglichst breiten Angebot gleichgesetzt wird.
Kleinere, stärker individualisierte Resorts gewinnen an Bedeutung. Besonders im Wellnessbereich können eine konsequente Positionierung, personalisierte Angebote und die Einbindung in die natürliche Umgebung entscheidend für Zahlungsbereitschaft, Umsatz und Profitabilität sein. Trotz höherer Finanzierungskosten bleibt die europäische Pipeline mit neuen Hotelprojekten umfangreich. Ende des zweiten Quartals 2026 befanden sich nach Angaben von Lodging Econometrics rund 1700 Hotelprojekte mit 256.000 Zimmern in Entwicklung.
Fast drei von zehn Projekten gehören zum Luxury- oder Upper-Upscale-Segment. Viele davon werden künftig unter einer internationalen Marke betrieben. Regional zieht Südeuropa weiterhin besonderes Interesse auf sich. Italien, die Iberische Halbinsel und Frankreich gehören laut dem „Hotel Investor Compass 2026“ aufgrund ihres Wachstumspotenzials und ihrer Liquidität zu den gefragten Märkten Europas.
Gerade im gehobenen Resort-Segment suchen Hotelgruppen nach zusätzlichen Standorten. Damit bleibt der Mittelmeerraum ein wesentlicher Expansionsmarkt für Betreiber und Investoren. Parallel dazu gewinnt Nordeuropa an Aufmerksamkeit. Hitzewellen und Rekordtemperaturen im Süden haben „Coolcation“ 2026 zu einem viel diskutierten Reisetrend gemacht.
Länder wie Schweden, Norwegen, Finnland, Island und Dänemark vermarkten ihre gemäßigteren Sommertemperaturen zunehmend als Standortvorteil. Südeuropa profitiert vor allem von der dynamischen Freizeitnachfrage, „während sich die nordischen Länder zunehmend als Ziel für institutionelles Kapital etablieren“, sagt William Duffey, Head of Hotels & Hospitality EMEA bei JLL. Auch Erik Myklebust, Head of Hotels, Nordics bei CBRE, sieht in dieser Region künftig ein solides Investoreninteresse: Die Käufer agierten zwar selektiv, hätten sich aber keineswegs aus dem Markt zurückgezogen.
Rückenwind erhalten die nordischen Hotelmärkte durch Rekordwerte im Freizeittourismus und eine steigende operative Performance.
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