Die Spannungen zwischen den USA und dem Iran in der Straße von Hormus drohen zu eskalieren, was die Energiepreise in die Höhe treibt. Ein neues Wifo-Paper zeigt, dass Österreichs Wirtschaft kurzfristig durch höhere Energiepreise und globale Kosteneffekte betroffen ist, wobei die reale Kaufkraft um 0,15 Prozent sinkt. Langfristig lassen sich negative Folgen durch die Neuorganisation von Lieferketten jedoch begrenzen.
Die Lage in der Straße von Hormus droht erneut zu eskalieren. Ein neues Wifo-Paper zeigt nun die Effekte auf Österreichs Wirtschaft auf. Mittelfristig lassen sich negative Folgen durch die Neuorganisation von Lieferketten aber gut in den Griff bekommen.
APA / AFP / Amirhossein KhorgooeiDie Waffenruhe zwischen den USA und dem Iran wird erneut auf die Probe gestellt: Nach iranischen Attacken am Donnerstag auf drei US-Zerstörer in der Straße von Hormus hat das US-Militär Ziele in der Islamischen Republik angegriffen. Die Militärs werfen einander gegenseitig vor, die ohnehin fragile Waffenruhe verletzt zu haben. Kurz darauf meldeten in der Nacht auf Freitag auch die Vereinigten Arabischen Emirate die Abwehr neuer iranischer Angriffe.
Die Situation im Nahen Osten droht erneut zu eskalieren. Ein dauerhafter Frieden für die Region sowie die für die Weltwirtschaft so wichtige Öffnung der Straße von Hormus rücken damit vorerst wieder in weite Ferne. Die Blockade der Meerenge treibt die Energiepreise – vor allem Öl, Gas und Kerosin – seit März in die Höhe, mit spürbaren Preiseffekten in den gesamten Lieferketten. Auch für Österreich.
Ein am Freitag publiziertes Paper des Wirtschaftsforschungsinstituts hat nun erstmals die Auswirkungen der Blockade für Österreichs Wirtschaft genau prognostiziert. Demnach verringert die blockierte Meerstraße die reale Kaufkraft in Österreich kurzfristig um 0,15 Prozent. Die heimische Wirtschaft sei vor allem durch höhere Preise für fossile Energie und globale Kosteneffekte betroffen, heißt es in dem Papier. Direkte Abhängigkeiten von Importen aus der Golfregion spielen eine geringere Rolle.
„Österreich ist von einem Energiepreisschock nicht gefeit, auch wenn es unmittelbar nicht von den ausbleibenden Energielieferungen aus dieser Region betroffen ist“, sagt Wifo-Ökonomin Sujata Pokhrel. Die stärksten unmittelbaren Effekte für Österreich zeichnen sich über die Energiemärkte ab. Kurzfristig würden die Preise in Österreich für Rohöl um rund 12,1 Prozent, für Erdölprodukte um 8,3 Prozent und für Erdgas um 7,9 Prozent steigen. Diese Preissteigerungen würden sich etwas verzögert auch auf andere Sektoren wie Chemie, Strom, Kunststoffe und Lebensmittel auswirken.
Kurzfristig würden die Reallöhne sowie die reale Kaufkraft Österreichs um 0,15 Prozent sinken, die Produktion würde um 0,14 Prozent zurückgehen und die Verbraucherpreise würden im Vergleich zum Ausgangsniveau um 0,15 Prozent steigen. Die Wifo-Studie zeigt aber auch mögliche Anpassungseffekte der heimischen Wirtschaft auf die Krise in Nahost auf: Demnach könnten sich die Auswirkungen über einen längeren Zeitraum abschwächen, wenn sich Unternehmen und Märkte an die neue Situation anpassen.
Langfristig würde sich der reale Kaufkraftverlust Österreichs auf 0,05 Prozent verringern, die Produktion würde fast wieder das Ausgangsniveau erreichen.
„Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass die größte Belastung unmittelbar nach dem Schock auftreten würde, wenn der Wechsel der Lieferanten und die Neuorganisation der Lieferketten am schwierigsten sind“, sagt Pokhrel. „Dies unterstreicht die Bedeutung kurzfristiger Resilienzmaßnahmen wie Diversifizierung, Bevorratung und gezielte Unterstützung für betroffene Sektoren. “
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