Der Kardiologe Ilija Srdanović kämpft für ein „besseres Serbien“ – und verweigert sich der Schlammschlacht eines von Ex-Präsident Vučić geforderten TV-Duells. Er steht ganz oben auf der Wahlliste...
Der Kardiologe Ilija Srdanović kämpft für ein „besseres Serbien“ – und verweigert sich der Schlammschlacht eines von Ex-Präsident Vučić geforderten TV-Duells. Er steht ganz oben auf der Wahlliste der oppositionellen Studenten.
Doch er sieht sich nicht als Spitzenkandidat, sondern als „Erster unter Gleichen“. Am Ausgang von Serbiens nahender Schicksalswahl gibt es für den Neupolitiker keinen Zweifel. Nach der vorgezogenen Parlamentswahl am 25. Oktober werde es zu einem „neuen Kräfteverhältnis“ mit einer „klaren Mehrheit“ für seine Studentische Liste kommen, ist der Medizinprofessor und Parlamentskandidat Ilija Srdanović überzeugt.
Denn selbst für diejenigen Landsleute, die bisher die regierende SNS des erneut auf den Premiersessel drängenden Ex-Präsidenten Aleksandar Vučić unterstützt hätten, sei die Wahl „einfach“: „Entweder Serbien – oder die Mafia.
“ Monatelang, aber vergeblich, hatten sich Serbiens regierungsnahe Propagandamedien auf Vladan Djokić, den Rektor der Belgrader Universität, als vermeintlichen Spitzenkandidaten der Studentischen Liste eingeschossen. Doch statt des prominenten Regierungskritikers führt mit Srdanović zwar ein geschätzter Kardiologe, aber ein außerhalb von Novi Sad der Öffentlichkeit zuvor kaum bekannter Mediziner die Liste an.
„Wir suchen keinen neuen Führer, um noch einen weiteren Persönlichkeitskult zu schaffen“, so die SL in einer Erklärung Mitte September bei der Vorstellung ihrer 250-köpfigen Kandidatenliste, auf der sich neben Professorinnen und Ärzten, auch Bauernaktivisten, Juristinnen, Ingenieure, frühere Sportler und Künstlerinnen aus allen Teilen des Landes, aber keine Studenten befinden. „Wir stellen Menschen vor, denen anvertraut wird, einen Teil unseres Kampfes, den wir in den letzten Jahren auf den Straßen führten, in die Institutionen zu tragen.
“Weder werde von den Kandidaten erwartet, dass sie „auf alle Fragen eine Antwort haben“, noch dass sie „fehlerfrei“ seien, so die SL-Initiatoren: „Wir erwarten von ihnen viel einfachere, aber in diesem Land offensichtlich viel schwerere Dinge: Dass sie die Verantwortung tragen, für das, was sie tun; dass sie den Menschen zuhören, die sie vertreten; und verstehen, dass ein Parlamentsmandat keine Auszeichnung oder Privileg ist. “ Er sei nicht der Spitzenkandidat oder Träger der Liste, sondern als deren erster Kandidat der „Erste unter Gleichen“, betont der 1970 in Novi Sad geborene und in der Provinzstadt Vrbas aufgewachsene Srdanović.
Der Kardiologe und Professor für Notfallmedizin machte nicht nur in Fachkreisen von sich reden. Er ist auch in Serbiens Studentenbewegung keineswegs ein unbeschriebenes Blatt: Von Anfang an hatte er deren im Herbst 2025 begonnenen Proteste gegen die Korruption auch öffentlich unterstützt. Der Tod von 16 Menschen beim Einsturz des neu renovierten Bahnhofs in seiner Heimatstadt am 1. November 2025 sollte auch das Leben des beim Kardiologischen Institut in Sremska Kamenica beschäftigten und an der Universität Novi Sad lehrenden Srdanović verändern.
Die Verantwortlichen für die Katastrophe müssten zur Rechenschaft gezogen werden, so sein Credo: „Korruption tötet. Aber die zuständigen Institutionen können keine Schuldigen finden, weil diejenigen, die im Staat am meisten Verantwortung tragen, auch die größte Schuld tragen.
“ Ob einst als zu Kriegszeiten eingezogener „Rekrut mit der Waffe in der Hand“, oder als Arzt „im Kampf um Menschenleben“ oder nun beim „Kampf für eine bessere Zukunft und für die Freiheit“ seines Landes – er habe sich fast sein ganzes Leben „im Grunde immer als Soldat“ gefühlt, bekannte Srdanović im letzten Jahr in einem TV-Interview. Er sei von seinen Eltern dazu erzogen worden, „frei und er selbst zu sein, aber andere zu respektieren“: „Ich liebe meinen Staat.
Und ich fühle mich verpflichtet, der Gesellschaft maximal zurückzugeben, was sie mir gegeben hat.
“Wenig begeistert über sein Engagement zeigen sich die medialen Propagandalautsprecher der regierenden SNS. Wegen der montenegrinischen Abstammung seiner Familie wird der gebürtige Serbe von regierungsnahen Postillen als Handlanger von Montenegros Geheimdienst und des langjährigen Ex-Regenten Milo Djukanović verunglimpft. Die SL-Kandidaten seien Menschen, die „niemals Erfolge hatten und ihre bisherigen Jobs ausgesprochen schlecht verrichteten“, schmäht SNS-Spitzenkandidat Vučić die Konkurrenz. Die Aufforderung Vučićs an Srdanović, sich einem von dem Ex-Präsidenten zuvor selbst der Opposition jahrelang verweigerten TV-Duell zu stellen, kontert dieser kühl.
Er wisse, dass „ignoriert zu werden, schmerzt“, so der SL-Kandidat: Doch die Einladung komme 15 Jahre zu spät: „Ich habe Besseres zu tun.
“ Die Frage, ob „250 ehrenwerte Politamateure“ im medialen Ring gegen „professionelle Hooligans“ bestehen könnten, lässt auch das regierungskritische Wochenmagazin „Vreme“ nicht ruhen – und rät der SL von TV-Duellen eher ab: „Die SNS ist eine Art Karies, die den befallenen Zahn überzeugen will, dass sie die beste Medizin ist. Aber Karies lässt sich nicht mit Karies heilen, sondern nur mit dem Bohrer. Und das beginnen immer mehr Bürger zu begreifen. “
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