Energydrinks bei Kindern: Experten warnen vor den Folgen

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Energydrinks bei Kindern: Experten warnen vor den Folgen
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Viele Kinder und Jugendliche trinken Energydrinks. Experten erklären, welche Folgen Koffein haben kann und wann der Konsum gesundheitlich riskant wird.

Fast jedes zweite Kind zwischen neun und zwölf Jahren hat bereits einen Energydrink probiert. Bei Jugendliche n zwischen 13 und 15 Jahren sind es mehr als sieben von zehn.

Was macht der Koffein-Kick mit dem Körper? Sie sind bunt, süß und werden in sozialen Medien oft gezielt als Lifestyle-Produkt vermarktet: Energydrinks gehören für viele Kinder und Jugendliche längst zum Alltag. Laut dem Standard zeigt eine aktuelle Befragung von mehr als 100.000 Schülerinnen und Schülern in Deutschland, wie stark die Verbreitung inzwischen ist. Bei den 9- bis 12-Jährigen haben demnach 46 Prozent bereits einen Energydrink probiert. 2020 waren es noch 29,6 Prozent.

Bei den 13- bis 15-Jährigen stieg der Anteil im selben Zeitraum von 60,1 auf 71,1 Prozent. Auch der regelmäßige Konsum nahm zu. 13 Prozent der befragten Kinder trinken zumindest monatlich Energydrinks, bei den Jugendlichen sind es 33,2 Prozent. 6,1 Prozent der 13- bis 15-Jährigen geben sogar täglichen Konsum an. Für Österreich liegen laut dem vorliegenden Beitrag keine vergleichbaren ausgewiesenen Zahlen vor. Wegen ähnlicher gesetzlicher Rahmenbedingungen wird dort von einer vergleichbaren Situation ausgegangen.

Energydrinks enthalten neben Zucker und Koffein häufig weitere Zutaten wie Taurin, Inosit, Glucuronolacton oder Süßstoffe. Wissenschaftlich besonders gut untersucht ist das Koffein. Für andere Inhaltsstoffe ist die Datenlage deutlich weniger belastbar. Bei zu hoher Aufnahme kann Koffein kurzfristig unter anderem Nervosität, Schlaflosigkeit, erhöhte Erregbarkeit, Schweißausbrüche und Herzrasen auslösen.

Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit, EFSA, bewertet bei Erwachsenen bis zu 400 Milligramm Koffein pro Tag als unbedenklich. Für Kinder ist die Einschätzung strenger: Als unbedenklich gelten weniger als drei Milligramm Koffein pro Kilogramm Körpergewicht. Bei einem Körpergewicht von 50 Kilogramm entspricht das rund 150 Milligramm Koffein. Diese Menge kann je nach Produkt bereits mit einer 330-Milliliter-Dose erreicht oder überschritten werden.

In Deutschland und Österreich dürfen Energydrinks derzeit maximal 320 Milligramm Koffein pro Liter enthalten. Auch für typische weitere Inhaltsstoffe gelten Höchstmengen. Die im Beitrag zitierten Fachleute halten diese Vorgaben für Kinder und Jugendliche allerdings für zu hoch.

„Die Daten sind alarmierend. Vor allem wenn Jugendliche täglich zu Energydrinks greifen, kann das gravierende Folgen für das sich noch entwickelnde Herz-Kreislauf-System haben. Bluthochdruck, Übergewicht sowie Störungen des Zuckerstoffwechsels können die Folge sein“, sagt Felix Oberhoffer, Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin und Ernährungsmediziner am Klinikum der Universität München, gegenüber dem Wissenschaftsdienst SMC. Oberhoffer verweist zudem auf mögliche Herzrhythmusstörungen.

Besonders problematisch könne der Konsum in Kombination mit Sport, Alkohol oder bei bestehenden Vorerkrankungen sein. Auch Katharina Rathmann, Sozialepidemiologin an der Hochschule Fulda, sieht nicht allein das Koffein als Problem. Entscheidend seien auch die häufig hohe Zuckermenge und die teilweise großen Portionsgrößen.

„Kaffee kann ähnlich viel Koffein enthalten, wird aber meist anders konsumiert. Besonders kritisch sind große Mengen in kurzer Zeit oder mehrere Dosen hintereinander“, sagt Rathmann gegenüber dem Wissenschaftsdienst SMC. Besonders heikel ist der Mischkonsum mit Alkohol. Koffein kann Müdigkeit und das Gefühl der Erschöpfung überdecken.

Die tatsächliche Beeinträchtigung von Reaktion, Urteilsvermögen und Koordination durch Alkohol wird dadurch jedoch nicht aufgehoben.

„Dadurch kann man sich nüchterner fühlen, als man tatsächlich ist, und eher mehr Alkohol trinken oder die Risiken unterschätzen“, sagt Rathmann. Der Zusammenhang ist auch deshalb relevant, weil hoher Energydrink-Konsum in Untersuchungen häufiger gemeinsam mit weiteren problematischen Verhaltensweisen auftritt. Dazu zählen unter anderem Schlafmangel, längere Bildschirmzeiten, ungünstige Ernährung, riskanteres Verhalten sowie Nikotin-, Alkohol- und Cannabiskonsum. Wichtig ist dabei die Unterscheidung: Aus solchen Beobachtungsdaten lässt sich nicht ableiten, dass Energydrinks diese Verhaltensweisen verursachen.

Es handelt sich um Zusammenhänge. In Deutschland und Österreich gibt es derzeit keine gesetzliche Altersgrenze für den Verkauf von Energydrinks. Genau das wird von Organisationen wie Foodwatch kritisiert. Auch politisch wird über strengere Regeln diskutiert.

Andere Länder gehen bereits weiter. In Litauen, Lettland und Polen dürfen Energydrinks mit mehr als 150 Milligramm Koffein pro Liter nur an Personen ab 18 Jahren verkauft werden. Großbritannien plant ab April 2027 ein Verkaufsverbot für Energydrinks mit mehr als 150 Milligramm Koffein pro Liter an unter 16-Jährige. Norwegen hat seit Anfang 2026 eine Altersgrenze von 16 Jahren für den Verkauf von Energydrinks.

Innerhalb der EU muss der Koffeingehalt auf den Produkten gekennzeichnet werden. Für Rathmann geht es deshalb nicht nur um individuelles Verhalten. Sie spricht sich für Maßnahmen aus, die den Zugang und das Umfeld beeinflussen.

„Dazu zählen Altersgrenzen beim Verkauf, Werbe- und Marketingbeschränkungen, insbesondere in sozialen Medien, sowie Verkaufsbeschränkungen in Schulen und Automaten“, sagt die Sozialepidemiologin gegenüber dem Wissenschaftsdienst SMC.

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