Die anhaltenden Vorwürfe des Ex-Jurors Philipp Tingler gegen die neue Juryvorsitzende Insa Wilke sind inhaltlich absurd. Aber letztendlich schafft der Eklat rund um ihre Ernennung beste...
Die anhaltenden Vorwürfe des Ex-Jurors Philipp Tingler gegen die neue Juryvorsitzende Insa Wilke sind inhaltlich absurd. Aber letztendlich schafft der Eklat rund um ihre Ernennung beste Voraussetzungen für weitere gute Jahre in Klagenfurt.
Als hätte der peinliche Streit um den künftigen Bachmannpreis-Juryvorsitz nicht lang genug gedauert, ließ ihn der „Spiegel“ zuletzt in eine neue, wenn auch nichts Neues bringende Runde gehen, will heißen: den Schweizer Literaturkritiker Philipp Tingler seine haltlosen Vorwürfe gegen die deutsche Literaturkritikerin Insa Wilke wiederholen, die von den Bachmannpreis-Organisatoren zur neuen Juryvorsitzenden bestimmt worden ist. Das fand ein kleineres Echo in weiteren deutschen Feuilletons, was den grundsätzlichen anhaltenden Erfolg dieser Literaturveranstaltung bestätigt: Er interessiert immer noch, er spielt eine Rolle, sorgt für Emotion.
Die heftigen Emotionen, die die tatsächlich trampelhaft ungeschickte Art der Entscheidungs-Verkündung durch die Bachmannpreis-Organisatoren geweckt hat, hätte man sich freilich sparen können. Aber weil die ganze Aufregung den Eindruck einer „Krise“ des Bachmannpreises erwecken könnte, eines konzertierten kollektiven Jury-Protestes gegen die neue Vorsitzende, ist es wichtig, die Dinge auseinanderzudröseln. Da war erstens die spontane Empörung von vier Jury-Mitgliedern, die im Juli, am Vorabend der Preisverleihung, zum feierlichen Abendessen geladen waren, um das Jubiläum zu 50 Jahren Bachmann-Preis zu begehen.
Und dort rein zufällig erfuhren, dass dem als Juryvorsitzenden scheidenden Grazer Germanisten Klaus Kastberger die frühere Jurorin Insa Wilke folgen sollte, was am nächsten Tag bekannt gemacht werden sollte. Sie fühlten sich verständlicher Weise vor den Kopf gestoßen: weil sie nicht eingebunden waren , auch nicht informiert. Vielleicht auch, weil nicht sie ausgewählt worden waren?
Stattdessen eine Jurorin, die bereits einmal Vorsitzende war – und das, obwohl zuletzt so viel von Zukunftsorientierung und Reformierung des Bachmannpreises die Rede war. Dieses emotionale Aufkochen erklärt das kurze Sich-Zusammenrotten zur kollektiven Drohung mit kollektivem Live-Rücktritt bei der Preisverleihung. Die Bachmannpreis-Organisatoren verschoben daraufhin die Bekanntgabe. Als diese zwei Wochen später doch noch erfolgte, gaben drei Jurymitglieder ihren Rücktritt bekannt – Philipp Tingler, die deutsche Literaturkritikerin Mara Delius und „Furche“-Feuilletonchefin Brigitte Schwens-Harrant.
In den Wochen danach zog sich auch der Schweizer Peter Strässle zurück, betonte aber persönliche Gründe, und dass dies kein Protest gegen Insa Wilke sei. Wer einmal spontan mit Rücktritt droht, kann später schwer aus. Ein Rücktritt aus Überzeugung und explizit gegen Insa Wilke ist nur von Philipp Tingler und Mara Delius bekannt, und nur Tingler, schon in der Jury der wenig subtil auf Literatur blickende Provokateur vom Dienst, reitet nun in den Medien seine Polemik weiter.
Ausgerechnet er wirft Insa Wilke ein zu subjektiv-emotional getriebenes Literaturverständnis vor – und, konkreter: eine zu politische getriebene Beurteilung von Literatur. Dabei hat gerade Insa Wilke in vielen, vielen Diskussionen vor allem eines bewiesen: Ein extrem feines, auch unter Bachmannpreis-Juroren seltenes Sensorium für die Eigenarten und Nuancen literarischer Texte. Bei aller auch strategischen und sympathiegetriebenen Beurteilung, die zum Jury-Prozedere nun einmal dazugehört, das Streben danach, literarischen Texten in ihrer Eigenart möglichst präzise und verantwortungsvoll gerecht zu werden.
Gepaart mit dem besonderen Können, das auch zu tun. Auch wenn es mit dem Wechsel des Jury-Vortritts die letzten Wochen richtig blöd gelaufen ist: Letztendlich sind damit gute Voraussetzungen für gute weitere Jahre beim Wettlesen in Klagenfurt gegeben: Die Jury lässt sich durch die unerwarteten Abgänge ohne Verzögerung erneuern, damit auch verjüngen. Und das unter einer erfahrenen Vorsitzenden, die die nötige Erfahrung und Kombination aus Klugheit, emotionaler Intelligenz und Fingerspitzengefühl hat, die es für diesen schwierigen Job braucht.
Österreich Neuesten Nachrichten, Österreich Schlagzeilen
Similar News: Sie können auch ähnliche Nachrichten wie diese lesen, die wir aus anderen Nachrichtenquellen gesammelt haben.
Polizei ermittelt nach Tod einer Hamburgerin in der TürkeiEine 42-jährige Deutsche ist nach Magen-Darm-Beschwerden in einem Krankenhaus westlich von Istanbul verstorben. Da ihr Tod nach Angaben der Polizei verdächtig erscheint, wird ermittelt. Die genaue Todesursache ist noch nicht bekannt.
Weiterlesen »
Wiener Wohnen verzögert Wohnticketantrag einer stark sehbehinderten FrauValentina D. beantragte im November 2025 bei Wiener Wohnen ein Wohnticket, um aus einer Dachgeschosswohnung ohne Aufzug in eine barrierefreie Wohnung umziehen zu können. Trotz zweier ärztlicher Atteste, eines Online-Fragebogens und zahlreicher Telefonate blieb ihr Antrag monatelang ohne Rückmeldung. Kurz vor einem persönlichen Termin teilte die Behörde ihr zudem mit, dass sie sich aufgrund eines neuen Systems vollständig neu anmelten müsse. Die 33-Jährige fühlt sich mit ihrer 90-prozentigen Sehbehinderung und den wiederkehrenden Behördengängen stark belastet.
Weiterlesen »
Erste Hinrichtung einer Frau in Tennessee seit 1819Hinrichtung einer Frau in Tennessee: Erstmals seit 1819 droht einer 50-Jährigen nach grausamem Mord die Todesstrafe. Amnesty kritisiert das Urteil.
Weiterlesen »
Das verdient man nun in einer österreichischen TrafikWer in einer Trafik arbeitet, bekommt ein fixes KV-Mindestgehalt. 2026 reicht die Handelstabelle je nach Einstufung deutlich weiter nach oben.
Weiterlesen »
