Christian Ultsch, geboren 1969 in Wien, ist seit 2023 stellvertretender Chefredakteur der „Presse“ und seit 2009 Chefredakteur der „Presse am Sonntag“. Zudem leitet er seit 2004 das Auslandsressort. Davor war er Korrespondent in Berlin.
Ein anonymer Prinz kündigt öffentlich eine Klage gegen die Änderung des Hausgesetzes an. Das Fürstenhaus bezeichnet die Vorwürfe als abstrus. Im Hause Liechtenstein hängt der Familiensegen schief.
Ein Artikel der renommierten britischen Tageszeitung „Financial Times“ ist wie eine Bombe in Vaduz eingeschlagen. Darin behauptet ein Prinz, der namentlich nicht genannt werden will, dass er gemeinsam mit „vielen anderen Familienmitgliedern“ eine Klage vorbereite. Stein des Anstoßes ist die Änderung des Hausgesetzes, die eine Zweidrittelmehrheit der männlichen Familienmitglieder im August beschlossen hat. Die Reform sieht unter anderem vor, dass künftig auch Frauen stimmberechtigt sein sollen und für die Erbfolge in Frage kommen können.
In Zukunft kann es also auch eine Fürstin geben, sofern sie das älteste Kind des Staatsoberhaupts ist. Die Liechtensteins haben damit gewissermaßen mit drei Jahrhunderten Verspätung die Pragmatische Sanktion der Habsburger nachgeholt. Der anonyme Prinz erhebt den Vorwurf in der „Financial Times“ nun jedoch den Vorwurf, dass sich hinter dem progressiven Anstrich eiskaltes Kalkül verberge. Der regierende Erbprinz Alois wolle damit bloß seine Macht ausbauen.
Denn die Änderungen des Hausgesetzes und neue Möglichkeiten des Titelentzuges hätten auch Implikationen für finanzielle Zuwendungen an Familienmitglieder. Das Fürstenhaus in Vaduz dementiert auf Anfrage der „Presse“ entschieden. Apanagen seien im System Liechtenstein gar nicht vorgesehen. Tatsächlich können Familienmitglieder Zuwendungen nur beantragen, wenn sie sich in Not befinden oder einen besonderen Bedarf nachweisen können.
In solchen Situationen erweise sich der Fürst meistens großzügig, berichten Insider gegenüber der „Presse“. Sie vermuten persönliche Motive hinter den Vorhaltungen in der „Financial Times“. Mit ziemlicher Sicherheit stünden dahinter nur zwei Familienmitglieder. Es handle sich vermutlich um „alte Wunden“, die weit zurückreichten.
Eine Klage sei bisher nicht im Fürstenhaus eingegangen, heißt es gegenüber der „Presse“. Das Fürstentum Liechtenstein gilt als wohlhabendste Monarchie Europas. Den Kern des Vermögens bildet die im Familienbesitz befindliche LGT Privatbank. Für 2025 soll die Dividende an die Stiftung Fürst Liechtenstein umgerechnet 765 Millionen Euro betragen haben.
Das war allerdings ungewöhnlich hoch. Normalerweise beläuft sich die Ausschüttung auf etwa 150 Millionen Euro pro Jahr. In den Stiftungen bündelt sich seit 1970 das Vermögen des Fürsten. Es umfasst außer der LGT Bank unter anderem auch wertvolle Kunstsammlungen, Land- und Forstwirtschaft sowie Immobilienbesitz wie das Stadtpalais Liechtenstein und das Gartenpalais Liechtenstein in Wien.
Begünstigter der Stiftung ist der Fürst selbst. So soll das Vermögen der Familie zusammengehalten und nicht zersplittert werden. Der anonyme Prinz beanstandet auch, dass die Änderung des Hausgesetzes per Briefwahl erfolgt sei. Diese Option ist jedoch erlaubt.
Physische Anwesenheit ist bei derlei Abstimmungen nicht unbedingt nötig. Das Fürstenhaus umfasst ungefähr 120 Mitglieder. Die Auszählung der Stimmen erfolgte in Anwesenheit unabhängiger Zeugen. Das Hausgesetz wird nur selten geändert.
Vor dem heurigen August war das zum letzten Mal 1993 erfolgt. Das Haus Liechtenstein zählt zu den ältesten Adelsgeschlechtern Österreichs. Es wird erstmals 1136 erwähnt. 1719 stiegen die Liechtensteins nach dem Erwerb von Schellenberg und Vaduz zu einem regierenden Haus im Reichsfürstenrat des Heiligen Römischen Reichs auf. Nach dessen Ende 1806 wurde ihr Fürstentum Liechtenstein souverän.
Amtsführender Stellvertreter von Fürst Hans Adam II. ist seit 2004 Erbprinz Alois. Sein Bruder Max wacht über die LGT Group. Hans Adam II. zählt mittlerweile 81 Jahre. Er hat das moderne Fundament für den jetzigen Wohlstand seiner Familie gelegt.
Es gab Zeiten, in denen die Familie vom Verkauf von Kunstwerken zehren musste.
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