Echte Freunde zeigen immer, wo sie sind

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Echte Freunde zeigen immer, wo sie sind
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Hellin Jankowski ist seit 2011 bei der „Presse“ tätig. Sie schreibt für die Ressorts Innenpolitik sowie Leben/Gesundheit – und ist als Gerichtsredakteurin im Einsatz. Zu ihrer Spezialität zählen Liveticker aus dem Parlament und den Gerichtssälen der Republik (u.a.

Apps wie »Wo ist?

« und Snapchat machen es leicht, den Standort anderer jederzeit zu sehen. Allerdings: Das Monitoring kann nicht nur praktisch sein, um sich unterwegs wiederzufinden oder zum Sport zu motivieren, sondern zeitweise auch in Panik versetzen. Ob beim Skifahren, auf dem Weg in die Universität, im Zug nach Hause oder abends in der Disco: Franziskas Handy verrät stets, wo sie sich gerade befindet.

„Es ist praktisch, meinen Standort zu teilen, und ich finde es angenehm, zu wissen, wo die anderen sind“, erzählt die 21-Jährige, die anonym bleiben möchte. Immerhin: „Gerade, wenn viel los oder es schon dunkel ist, verliert man sich auf die Art nicht.

“ Oder: „Man sieht, wo Personen sind, denen man nicht über den Weg laufen möchte, und kann ihnen besser ausweichen. “Eine Zeit lang habe sie das bei ihrem damaligen Freund so gehandhabt, erzählt die Wienerin, die mittlerweile in München Rechtswissenschaften studiert. „Wir waren im Winter beide als Skilehrer tätig und wir konnten uns bei den vielen Pisten leichter wiederfinden“, sagt sie. Dafür benutzt haben sie die App „Wo ist?

“. „Ich benutze die nur mit ausgewählten Freunden“, sagt Franziska. „Mit meiner Mama, meiner Cousine und meinen engsten acht Freunden. “ Damit das gegenseitige Beobachten funktioniert, wird eine Anfrage geschickt, die dann angenommen oder abgelehnt werden kann.

„Außerdem kann man auswählen, ob man seine Daten immer, nur für einen Tag oder eine Stunde teilen möchte. “„Es ist so praktisch“, findet auch Christian, der seinen Namen ebenfalls nicht in der Zeitung lesen will. Man müsse sich gar nicht mehr verabreden, die Treffen ergäben sich einfach.

„Wenn ich wissen will, was die anderen machen, schau’ ich zuerst auf Snapchat, da wird ihr letzter Standort angezeigt. “ Oft motiviere das den Wiener dann, sich ebenfalls zu bewegen. „Ein Kumpel ist ein echter Sportfreak, der ist fast immer laufen, beim Paddeln oder im Gym – wenn ich das sehe, pack’ ich mich auch immer mal wieder zusammen und komme dazu. “Gelegentlich habe das schon zu kuriosen, teils peinlichen Situationen geführt, räumt der Lehramtsstudent ein.

„Einmal bin ich mitten in ein Anbandeln hineingeplatzt“, sagt er. „Einmal war ich auf der falschen Seite vom Donaukanal, weil die App dann doch nicht ganz auf den Meter genau ist. “ In Panik hätten ihn die Standorteinstellungen bisher nie gebracht, seine Eltern allerdings schon: „Nach der Matura waren wir zu fünft in Madrid, um Party zu machen.

“ Der Haken daran: „Unsere Unterkunft war neben einem Krankenhaus, weshalb mein Bruder gedacht hat, ich sei ins Spital eingeliefert worden, und meine Mutter mich panisch angerufen hat, weil sie sich Sorgen gemacht hat. “Bedenken, so transparent durch das Leben zu gehen, hat Christian nicht. „Ich studiere Deutsch und Philosophie und kenne daher das Werk ‚Überwachen und Strafen‘ von Michel Foucault ziemlich gut“, sagt er. „So fühlt sich mein Leben aber keinesfalls an.

“ Der Tenor des Buches: Wenn jemand denkt, er oder sie wird ständig überwacht, muss diese Person nicht mehr wirklich überwacht werden, da sie ihr Verhalten anpasst. „Ich geniere mich nicht, wenn andere sehen, dass ich daheim bin und sie dann vielleicht annehmen, dass ich nichts mache, das ist ja auch normal“, sagt Christian.

Außerdem beruhe das Tracken auf Gegenseitigkeit: „Ich teile meinen Standort nur mit Leuten, denen ich voll vertraue und die mir wichtig sind, vor denen habe ich nichts zu verbergen.

“ Andere Anfragen lehnt er konsequent ab: „Die sollen anrufen oder eine Nachricht schreiben, wenn sie etwas machen wollen. “ Auch Franziska hat keine Bedenken: „Der Kreis an Menschen, die mich sehen können, ist sehr klein, und meistens wissen die sowieso auch ohne Monitoring, wo ich bin, oder was ich mache. “ Hinzu kommt: „Nur, weil man den Standort teilt, heißt das ja nicht, dass man permanent ins Handy starrt – man verwendet das ja nur in bestimmten Situationen.

“ Und: „Man kann das Tracken jederzeit deaktivieren und wieder unsichtbar sein. “ Wie im Fall ihres Ex-Freundes: „Seit wir nicht mehr zusammen sind, haben wir beide die Berechtigungen zurückgezogen. “

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