Drusen in Syrien fordern Selbstbestimmung – und hoffen auf Hilfe...

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Drusen in Syrien fordern Selbstbestimmung – und hoffen auf Hilfe...
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Arbeitet seit 1997 für die „Presse“. Er ist stellvertretender Leiter des Ressorts Außenpolitik und beschäftigt sich vor allem mit geopolitischen Entwicklungen und dem arabischen Raum. Er hat aus diversen Krisengebieten berichtet, etwa über den Aufstand in Ägypten und Libyen und über den Kampf gegen den IS in Syrien und im Irak.

Die religiöse Minderheit in Syrien fühlt sich durch islamistische Extremisten bedroht. Ein Teil der Drusen verlangt nun Unabhängigkeit. Israel soll dabei für Sicherheit sorgen. Die massive Gewalt hat tiefe Wunden hinterlassen.

Von mehr als 1000 Toten sprechen Menschenrechtsorganisationen und von schweren Kriegsverbrechen. Im Sommer vor einem Jahr waren im Süden Syriens heftige Gefechte zwischen Beduinen und Angehörigen der Religionsgemeinschaft der Drusen ausgebrochen. Die neuen Machthaber in Damaskus schickten ihr Militär in das Gebiet, darunter Kämpfer islamistischer Milizen. Vertreter der Drusen werfen Syriens Regierung vor, sie habe damals mit ihren extremistischen Einheiten ein gezieltes Massaker an der religiösen Minderheit verübt.

Nun wird unter Teilen der Drusen die Forderung nach Unabhängigkeit von Syrien immer lauter. Und Hilfe soll dabei – so die Hoffnung – von Israel kommen.

„Die Drusen in Syrien pochen darauf, ihre Entscheidungen frei treffen zu können“, sagt Akrem Nassan im Gespräch mit der „Presse“. Nassan ist Kurde, stammt aus Afrin im Nordwesten Syriens und lebt seit vielen Jahren als Arzt in Deutschland. Zugleich ist er in der Organisation „American International Druze Public Affairs Council“ aktiv.

„Ich bin als Kurde dort mit dabei. Wenn die Drusen in Syrien mehr Selbstbestimmung erhalten, stärkt das auch die Position der Kurden, der Alawiten und anderer Gemeinschaften.

“Am Samstag veranstaltet AIDPAC eine Versammlung in Frankreichs Hauptstadt Paris. „Bei dieser Konferenz wird die Unabhängigkeit der Drusen in Syrien erklärt werden“, kündigt Nassan an.

Zudem werde man die Forderung erheben, dass das Massaker an den Drusen vor einem Jahr als Genozid anerkannt wird, sagt er. Rund 200 Personen sollen an dem Treffen in Paris teilnehmen, darunter 120 Drusen aus Syrien, schildert Nassan. Mit dabei wird auch der internationale Präsident von AIDPAC sein, Ayoob Kara. Er ist Druse aus Israel, ist Mitglied in Benjamin Netanyahus Likud-Partei und war von 2017 bis 2019 israelischer Kommunikationsminister.

In Israel leben mehr als 150.000 Drusen. Viele Drusen dienen in Eliteeinheiten des israelischen Militärs. Israels Regierung versucht, sich als Schutzmacht der Drusen in Syrien zu positionieren. Das israelische Militär flog bereits mehrmals Luftangriffe in Syrien, um dort die Drusen gegen die neue Regierung zu unterstützen.

Israelische Truppen sind nach dem Zusammenbruch des Regimes von Diktator Bashar al-Assad im Dezember 2024 in Gebiete im Süden Syriens vorgerückt, um – wie die Regierung in Jerusalem sagt – eine Pufferzone zu schaffen. Auch auf den Golanhöhen, die Israel nach Gefechten gegen Syrien im Sechstagekrieg 1967 unter seine Kontrolle gebracht hat, leben viele Drusen. Lob für Israel kommt auch von Scheich Hikmat al-Hijri, dem starken Mann der Drusen in Suweida im Süden Syriens.

Die drusische Gemeinschaft sei ein „integraler Teil Israels“, sagte der geistliche und politische Anführer Ende August und sorgte damit für Aufsehen. Es waren vor allem seine Anhänger, die sich im Sommer vor einem Jahr Gefechte gegen Beduinen und die Truppen der syrischen Regierung geliefert hatten. Seither wird Suweida von den Kämpfern seiner „Nationalgarde“ kontrolliert. Hijri fordert einen eigenen Status für die Drusen in Suweida.

Die von kurdischen Kräften dominierte Selbstverwaltung in Nord- und Ostsyrien, die jahrelang Bestand hatte, wurde mittlerweile in den syrischen Gesamtstaat integriert. Zuvor hatten sich die USA und die EU im Konflikt zwischen Damaskus und den Kurden klar auf die Seite der neuen syrischen Regierung gestellt. Doch damit scheint auch die Idee einer Konföderation, in der neben den Kurden auch die Drusen in Syrien mit Zustimmung aus Damaskus ein autonomes Gebiet erhalten, wenig realistisch.

Das verleiht den Plänen Auftrieb, drusische Gebiete im Süden – unter dem Schutz Israels – de facto abzuspalten. Doch andere Fraktionen unter Syriens Drusen lehnen diese Ideen und den Kurs Hijris ab. Sie sind für die Einheit des Landes und wollen mit der Regierung in Damaskus kooperieren. Und sie werfen Hijri vor, in Suweida autoritär zu regieren.

Insgesamt leben 700.000 Drusen in Syrien. Die Angehörigen der alten Religionsgemeinschaft werden von islamistischen Extremisten gleichsam als „Ketzer“ angesehen und wurden deshalb immer wieder verfolgt. Das sei auch im Sommer vor einem Jahr passiert, als Jihadisten in den Reihen der syrischen Regierungstruppen in Suweida wüteten, lautet der Vorwurf drusischer Aktivisten. Bevor er Syriens Übergangspräsident wurde, kommandierte Ahmed al-Sharaa unter seinem Kampfnamen Abu Mohammed al-Jolani islamistische Milizen.

Er war sogar Chef des syrischen Ablegers von al-Qaida, bevor er sich von dem Terrornetzwerk lossagte. Heute gibt er sich pragmatisch. Und er weist die Vorwürfe zurück, dass er und seine einstigen Gefolgsleute gezielt gegen Minderheiten wie die Drusen oder Alawiten vorgehen würden. Die USA und die EU setzen derzeit in Syrien auf Sharaa.

Und sie pochen auf die Einheit Syriens. Eine Eigenständigkeit drusischer Gebiete, wie AIDPAC sie nun fordert, würden sie kaum unterstützen. In Paris setzt man auch auf jemand anderen: „Die Drusen in Syrien haben gegenüber den Kurden einen Vorteil“, sagt der kurdische Arzt Nassan, der in AIDPAC aktiv ist. „Sie haben das Glück, dass Israel ihr Nachbar ist. “

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