LINZ. Nach dem erfolgreichen Testlauf sollen die digitalen Anwendungen nun auf weitere Linzer Seniorenzentren ausgerollt werden
Seit Februar 2024 werden im Seniorenzentrum Liebigstraße verschiedene digitale Anwendungen erprobt. Ziel ist es, Zeit für pflegerische Kernaufgaben und soziale Interaktion zurückzugewinnen, ohne Qualität oder Sicherheit zu beeinträchtigen.
Mehr Zeit für Patienten, weniger für Bürokratie, könnte man sagen. Doch es geht auch um Sicherheit. Konkret wurden drei Technologien getestet und anschließend in den Echtbetrieb überführt: eine sprachgesteuerte Pflegedokumentation, ein digitales Assistenzsystem mit Sensorik sowie telemedizinische Anwendungen. Die Testphase wurde von der FH Oberösterreich evaluiert.
"Wir sehen klar, dass die Systeme nicht nur Prozesse vereinfachen, sondern auch die Zusammenarbeit und die Qualität sichern", sagt Robert Ritter-Kalisch, Geschäftsführer der Seniorenzentren Linz. Pflegekräfte dokumentieren Pflegehandlungen und Beobachtungen per Smartphone mündlich, eine Software verarbeitet die Informationen. Die Studie zeigt, dass das Team dadurch täglich mehrere Stunden Zeit gewonnen hat. Sensoren an der Zimmerdecke können ungewöhnliche Situationen wie Stürze erkennen und automatisch an die Pfleger melden.
Das reduziert die Reaktionszeit sowie den Kontrollaufwand deutlich. Auch Blutzucker kann mittels Sensoren gemessen werden. Ärztliche Konsultationen werden per Bildschirm durchgeführt, das erspart den Bewohnern einen Krankenhausbesuch, der bis zu acht Stunden dauern kann. Sozialreferentin Vizebürgermeisterin Karin Leitner hat angekündigt, dass die sprachgesteuerte Pflegedokumentation noch heuer auf alle zehn Linzer Seniorenzentren ausgerollt wird, das Digitale Assistenzsystem zunächst auf den Standort Franckviertel, mit Option auf weitere.
Das telemedizinische Angebot muss unter anderem aus Kostengründen noch warten und wird am Standort Liebigstraße weiterentwickelt.
"Das digitale Pflegeheim zeigt sehr deutlich, dass Digitalisierung im Pflegealltag dann besonders gut funktioniert, wenn Pflegekräfte aktiv in die Entwicklung und Umsetzung neuer Technologien eingebunden werden", sagt Stephanie Schwarz, wissenschaftliche Mitarbeiterin, Studiengang Sozial-, Public- und Nonprofit-Management, Campus Linz. Wichtig für eine erfolgreiche Implementierung solcher Systeme ist laut Projektleiterin Renate Kränzl-Nagl von der FH OÖ zudem, dass man die Führungskräfte ins Boot holt. Mit dem Klick auf das Icon entfernen Sie das Schlagwort aus Ihren Themen.
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