Diesel, Gas und Pellets: Österreich droht ein teurer Winter

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Diesel, Gas und Pellets: Österreich droht ein teurer Winter
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Matthias Auer ist seit 2008 Teil des Wirtschaftsressorts der „Presse“ und schreibt dort vor allem über Energie, Innovation und Klima(politik) sowie über deren Folgen für Wohlstand und Wettbewerbsfähigkeit im Land. Er leitet das „Klima-Team“ im Haus und schreibt eine wöchentliche Kolumne in der „Presse am Sonntag“.

Gaspreise über hundert Euro, der Liter Diesel um drei Euro. Die Szenarien für eine neuerliche Energiepreiskrise in Europa sind düster. Und wieder hängt alles an Donald Trump.

Das sonnige Wochenende täuscht: Österreich steht knapp vor der Heizsaison und im heurigen Winter könnte es richtig teuer werden. Die Gaspreise sind bereits doppelt so hoch wie zu Jahresbeginn. Die Preise für Heizöl und Pellets sind im Jahresvergleich um ein Drittel gestiegen. An der Zapfsäule kosten Benzin und Diesel so viel, dass die Regierung die Spritpreisbremse zieht.

Und der größte Schlag steht den österreichischen Autofahrern womöglich noch bevor. Die gut 800.000 Haushalte, die noch mit Gas heizen, sind das Zittern vor dem Winter mittlerweile gewohnt. Heuer sind es nicht Russland und die Ukraine, sondern Amerika und der Iran, der ihre Rechnung nach oben treiben werden. Die Straße von Hormuz, durch die vor dem Krieg ein Fünftel der globalen Flüssiggaslieferungen transportiert wurde, ist immer noch nicht frei passierbar.

Der Preis für eine Megawattstunde Erdgas in Europa stieg seit Kriegsbeginn von gut 30 auf 74 Euro. Dazu kommt, dass Europa langsam die Zeit davonläuft, um seine Gasspeicher endlich zu befüllen. Österreich steht vergleichsweise gut da. Aber in Summe sind die Speicher der EU kurz vor dem Winter nur zu 71 Prozent voll, deutlich unter dem Fünfjahresschnitt von 87 Prozent .

Sollte die Lage im Nahen Osten weiter angespannt bleiben, könnte schon die eine oder andere Kältewelle in Europa ausreichen, um die Preise rasch über hundert Euro je Megawattstunde zu heben, warnt die Investmentbank Goldman Sachs. Die Preisentwicklung bei anderen Heizformen sieht nur bedingt besser aus: Heizöl war im August laut der Österreichischen Energieagentur um 48,1 Prozent teurer als vor einem Jahr, Holz-Pellets um 32 Prozent. Fernwärme und Strom halten sich derzeit noch am besten.

Doch selbst wer beim Heizen günstig davonkommt, dürfte spätestens beim Besuch einer Tankstelle eine Idee davon bekommen, warum die EU-Kommission ihre Mitgliedstaaten gerade vor einer erneuten Energiepreiskrise warnt. Die Preise für Benzin und vor allem für Diesel sind in den vergangenen Monaten enorm angestiegen . Im Großhandel kostet ein Fass Diesel in Europa heute bereits doppelt so viel wie vor einem Jahr.

Die Ursachen für die globale Dieselknappheit sind zum Teil in der Golfregion: Der Krieg im Nahen Osten hat die Exporte von Ölprodukten aus diesen Staaten laut Internationaler Energieagentur heuer bisher um 60 Prozent einbrechen lassen. Gleichzeitig haben die anhaltenden ukrainischen Drohnenangriffe auf Russlands Raffinerien die Dieselerzeugung des Landes so stark geschwächt, dass Moskau im Sommer einen Diesel-Exportstopp verhängt hat. Jede Kältewelle in Europa wird heuer besonders heikel, warnt Goldman Sachs.

Im Bild ein eingefrorener Damm in Constanța am Schwarzen Meer. Mitten in diesen ohnedies angespannten Markt platzt jetzt Donald Trump mit seiner Idee, auch die amerikanischen Dieselexporte zu beenden. Ähnlich wie in Europa sind die Dieselpreise auch in den Vereinigten Staaten auf Rekordniveau geklettert. Kurz vor den Midterm-Wahlen im Herbst sucht der Republikaner nach Wegen, Sprit rasch billiger zu machen – stößt damit aber auch in der eigenen Regierung auf kräftigen Gegenwind.

Setzt Trump seinen Willen durch, wäre Europa der große Leidtragende, schreiben die Experten von Oxford Economics in einer aktuellen Studie . Die europäische Politik hat jahrelang mit Steuervorteilen dafür gesorgt, dass die Fahrzeugflotte am Kontinent überwiegend aus Dieselfahrzeugen besteht. Mehr als 38 Prozent aller europäischen Pkw fahren mit dem heute so raren Treibstoff, heißt es in einer Analyse der Brüsseler Organisation Transport & Environment.

In Summe exportierten die USA zuletzt nahezu zwei Millionen Fass Diesel pro Tag – mehr als je zuvor. Der Großteil dieser Exporte landete 2026 in Mexiko und im niederländischen Hafen Rotterdam. Verdient haben die US-Exporteure in Europa mit Abstand am besten . Der Kontinent kann nach einer Reihe an Raffinerie-Schließungen heute noch etwa 70 Prozent des Diesels erzeugen, den es braucht.

Österreich musste im Vorjahr sogar 67 Prozent seines benötigten Diesels aus dem Ausland zukaufen.

„Bei einem Exportstopp der USA könnten die europäischen Großhandelspreise für Diesel um 40 bis 50 Prozent steigen“, sagt Ryan Sweet von Oxford Economics. Und da Diesel nicht nur Autos, sondern auch Traktoren, Baufahrzeuge und Industrieanlagen antreibt, wären die gesamte Wirtschaft getroffen. Ob es wirklich so weit kommt, ist fraglich. Trump selbst räumte zuletzt ein, dass ein Exportstopp auch negative Folgen haben könnte.

Die „Freunde aus Europa“ würden schon selbst dafür sorgen, dass mehr Diesel am verfügbar sei, mutmaßte er. Tatsächlich diskutieren die EU-Staaten über die Freigabe strategischer Reserven. Sie stehen aber auch sonst nicht mit leeren Händen da: Denn während die EU viel Diesel aus den USA kauft, importiert Amerika umgekehrt viel Benzin aus Europa. Handelt Europa nach dem Prinzip „Auge um Auge, Zahn um Zahn“, könnte es bei einem US-Exportstopp ihrerseits die Benzinlieferungen einfrieren.

An den US-Zapfsäulen würde das für die USA wichtigere Benzin teurer – und alle hätten verloren. Regierung greift erneut in Spritpreise ein – Benzin und Diesel sollen um zwölf Cent je Liter billiger werden

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