In der Science Lounge von Die Presse diskutierten Experten über die Zukunft der E-Mobilität. Katharina Seper, Philipp Wieser und Gerhard Meister beleuchteten die Themen günstige E-Autos, eine gute Ladeinfrastruktur, langlebige und recycelbare Batterien und das Aufräumen mit Mythen.
Im Gespräch. Günstige E-Autos, eine gute Ladeinfrastruktur , langlebige und recycelbare Batterien und das Aufräumen mit Mythen waren Themen im Experten-Talk in der Science Lounge von Die Presse.
Katharina Seper, Philipp Wieser und Gerhard Meister diskutierten über die Zukunft der E-Mobilität. Es bewegt sich viel in Sachen Mobilitätswende: Zwischen Jänner und April wurden rund 104.700 Pkw mit E-Antrieb in Österreich neu angemeldet, dennoch bleiben viele Menschen nach wie vor beim Verbrenner. Was Autokäufer und Unternehmen am Umstieg hindert, wo Verbesserungsbedarf besteht und was die technologischen Herausforderungen sind, wurde in der Science Lounge von Die Presse diskutiert.
Alice Senarclens De Grancy, Die Presse, konnte die Experten Katharina Seper, zuständig für Mobility Transformation & Electric Mobility im Bundesministerium für Innovation, Mobilität und Infrastruktur, Philipp Wieser, Teamleiter Electrifying Mobility bei AustriaTech, und Gerhard Meister, Vice President im Bereich Business Field Electrification bei der AVL List GmbH, zum Talk begrüßen. Elektrofahrzeuge sind nicht nur für die Energiewende unbedingt nötig, sondern für die gesamte Dekarbonisierung, stellte Katharina Seper zu Beginn fest: Das Ziel ist es, den Verkehrssektor zu dekarbonisieren und die Mobilitätswende ist ein zentraler Teil davon.
Besonders eifrig bei der Neuzulassung von E-Pkw ist Oberösterreich, das als erstes Bundesland die 35-Prozent-Marke erreicht hat. Dennoch ist der Anteil von Verbrennern mit rund zwei Dritteln der Neuanmeldungen hoch. Mit dem Umstand, dass sich die Elektromobilität nur langsam durchsetzt, beschäftigt sich Philipp Wieser. Er möchte Erfolge nicht zu sehr feiern, denn es könne der Eindruck entstehen, dass die Transformation automatisch laufe.
Wir beobachten, dass weiterhin Mythen bestehen, die oft gerechtfertigt sind, was etwa die Kosten oder die Zukunftsfähigkeit der Technologie betrifft, umreißt der Experte die Thematik. Dort muss man ansetzen, denn die E-Mobilität, insbesondere bei den Pkw, ist nicht mehr aufzuhalten. Die Fahrzeuge sind gut und die Ladeinfrastruktur ist vorhanden. Deshalb muss das Bewusstsein für die E-Mobilität aufgebaut und Mythen abgebaut werden.
Österreich verfügt bereits über eines der besten Ladenetze in Europa mit mehr als 38.000 Ladepunkten und bei nahezu 5.000 Ultraschnelladestationen. Wieser: Sie sind auch sehr gut verteilt. Nur die Kommunikation in Richtung der Bevölkerung und zu manchen Unternehmen funktioniert noch nicht ganz so gut. Hier kann einiges verbessert werden.
Hürden der E-Mobilität Gerhard Meister ortet andere Faktoren, die Kunden noch zögern lassen: An erster Stelle kommt der Kaufpreis, denn man muss sich ein Elektrofahrzeug leisten können und es fehlen zum Teil noch günstige Angebote, führt er aus. An zweiter Stelle folgt das Laden, das ist in den Köpfen der Menschen in Europa tatsächlich ein Thema. Und das, obwohl es bereits möglich ist, eine Batterie innerhalb von zehn Minuten auf rund 80 Prozent aufzuladen.
Die Infrastruktur ist dafür aber noch nicht großflächig verfügbar. Weitere Gründe für die langsame Transformation sieht Meister bei Investitionen der Industrie, die zur Umstellung der Fahrzeuge nötig sind.
Zudem brauche es eine Beschleunigung bei den Lieferketten und bei der Umstellung auf erneuerbare Energien. Der Ausbau der Netzinfrastruktur und die Umstellung auf erneuerbare Energien erforderten Investitionen, die mehr Zeit benötigten als die Umstellungen in der Fahrzeugindustrie. Diese beiden Zeitskalen müssten in Einklang gebracht werden, um die Transformation zur E-Mobilität effektiver zu gestalten. Entscheidende Impulse für die Mobilitätswende kommen vom Fahrzeugentwickler AVL List.
Dem Mythos, dass Elektrofahrzeuge keine lange Lebensdauer durch eine mangelnde Batteriehaltbarkeit hätten, widerspricht Meister: Mittlerweile wissen wir, dass NMC-Batterien über eine Leistung von rund einer halben Million Kilometer verfügen, bevor sie das 80-Prozent-Limit der Kapazität erreichen. Bei LFP-Batterien sind es mehr als eine Million Kilometer. Haltbarkeit ist also kein Thema mehr. Es sei grundsätzlich auch genügend Energie im System vorhanden, um E-Autos zu betreiben, bekräftigt Seper, denn das gesamte Energiesystem und die Netze entwickelten sich laufend weiter.
Früher hatte ein Besitzer eines E-Autos kaum die Möglichkeit, den eigenen Treibstoff herzustellen. Heute haben viele eine PV-Anlage auf dem Dach, so Seper, Das gilt auch für Betreiber von Flotten, die ihre Fahrzeuge mit eigener Energie aufladen können. Im Bereich der Recyclingmöglichkeiten seien durch den Einsatz neuer Materialien und den Einsatz von E-Batterien als stationäre Stromspeicher rasante Fortschritte erzielt worden. Das liege an den konkreten Vorgaben.
Das EU-Regularium Battery Directive schreibt vor, wie viel Prozent der Masse einer Batterie wiederverwendet werden müsse
E-Mobilität Elektrofahrzeuge Ladeinfrastruktur Batterien Recycling
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