Die SPÖ darf sich nicht von der „Krone“ diktieren lassen, wer ihr...

Österreich Nachrichten Nachrichten

Die SPÖ darf sich nicht von der „Krone“ diktieren lassen, wer ihr...
Österreich Neuesten Nachrichten, Österreich Schlagzeilen

Gerhard Zeiler möchte Parteiobmann werden. Warum? Weil er selbst und Familie Dichand finden, er sei „der Richtige“. Als Programm ist das etwas dürftig.

Gerhard Zeiler möchte Parteiobmann werden. Warum? Weil er selbst und Familie Dichand finden, er sei „der Richtige“. Als Programm ist das etwas dürftig.

Es gibt keine zweite Chance auf den ersten Eindruck, lautet ein alter Spruch aus der Werbebranche. So gesehen ist Gerhard Zeilers Karriere in der Politik bereits beschädigt, bevor sie überhaupt beginnen konnte. Der erste Eindruck, den das Publikum von seinen Bemühungen gewinnen musste, ist, freundlich ausgedrückt, wenig überzeugend. Mit großem Trommelwirbel hat der 71-jährige Zeiler in der „Kronen Zeitung“ angekündigt, die SPÖ retten zu wollen – als neuer Parteichef.

Und wie reagieren die Genossen? Mit einer tagelangen Schrecksekunde. Außer einigen roten Edelpensionisten wollte sich niemand für Zeiler starkmachen. Selbst wenn sich das demnächst ändern sollte: Das Momentum ist vorbei.

Besonders vielsagend schweigen die Genossen in Wien.

„Klar ist: Es gibt in der SPÖ einen klar definierten demokratischen Prozess. Diesen gilt es zu respektieren! Sobald dieser eingeleitet wurde, wird es auch zeitnah eine Meinungsbildung der Wiener SPÖ dazu geben“, stand in einer schriftlichen Stellungnahme aus dem Rathaus. Frei übersetzt heißt das so viel wie: Ist uns eigentlich egal, ob Hinz oder Kunz unter uns die Bundespartei leitet.

So kann das alles nicht geplant gewesen sein. Da ist offenbar einiges schiefgelaufen. Wer eine Showtreppe betritt, muss sicher sein, dass er mit Applaus begrüßt wird. Andernfalls wirkt die Inszenierung schnell peinlich.

Das weiß der ehemalige ORF- und RTL-Chef Zeiler natürlich ganz genau. Warum setzt sich ein erfolgreicher, sehr vermögender Mann weit jenseits des Pensionsalters ohne Not so einem Risiko aus? Die Hybris eines erfolgreichen Managers wäre vielleicht eine Antwort. Womöglich dachte Zeiler, es werde genügen, seine Bereitschaft zu erklären, um allgemeine Begeisterungsstürme auszulösen.

„Ich glaube, dass ich die richtige Person bin, um die Partei aus diesem historischen Tief herauszuführen“, erklärte er im großen „Krone“-Interview. Wie genau das funktionieren soll, erfährt der Leser nicht. So etwas wie ein Konzept oder wenigstens ein paar neue Ideen hat der Kandidat offenbar nicht in petto. Die Energiepreise müssten sinken, sagte Zeiler am Sonntag im ORF, ebenso die sonstigen Lebenshaltungskosten.

Außerdem wünscht er sich mehr Kassenarztstellen, bessere Kinderbetreuungsangebote und mehr Ganztagsschulen. Hat man alles schon oft gehört, unter anderem von SPÖ-Regierungsmitgliedern. Am wichtigsten sei aber, dass die Wirtschaft endlich wieder wachse, findet Zeiler. Ja eh, möchte man ihm darauf antworten.

Aber leider kann eine Regierung den Auftragsbestand heimischer Konzerne nicht per Dekret erhöhen. Es spricht nicht für Zeilers politisches Gespür, dass er sein Angebot an die SPÖ just in der „Kronen Zeitung“ übermittelte. Der Zeitungsboulevard fährt seit Monaten eine ausgesprochen giftige Kampagne gegen Andreas Babler, unter der die gesamte Partei leidet. Wenigstens zum Teil sind die schlech­ten Umfragewerte auch mit der nicht enden wollenden Serie an negativen Schlagzeilen zu erklären.

»Wenn so etwas funktioniert, wird Familie Dichand beim nächsten Mal vielleicht das Regierungsprogramm lektorieren oder die Ministerliste absegnen wollen.

« Ich habe hier vor einer Woche geschrieben, worum es dabei in Wahrheit geht. Die Kurzfassung: um Inseratengeld und Medienförderung. Man muss nicht wahnsinnig zartbesaitet sein, um es befremdlich zu finden, dass jetzt ausgerechnet die „Krone“ einen potenziellen Babler-Nachfolger aus dem Hut zaubert – und nach allen Regeln der Kunst hochjubelt. Wenn so etwas funktioniert, wird Familie Dichand beim nächsten Mal vielleicht das Regierungsprogramm lektorieren oder die Ministerliste absegnen wollen.

Diese Art von Druck wird umso stärker, je mehr man ihm nachgibt. Die SPÖ wird bei der nächsten Nationalratswahl sehr wahrscheinlich nicht mit Andreas Babler an der Spitze antreten. Große Teile der Partei wollen einfach nicht mehr mit ihm. Das zeigte sich auch in den vergangenen Tagen; zur Babler-Unterstützung wollte kaum jemand ausrücken.

Doch den Nachfolger darf sich die SPÖ nicht von der „Kronen Zeitung“ unterjubeln lassen. Das wäre wirklich die Selbstaufgabe einer früher stolzen Partei.

Wir haben diese Nachrichten zusammengefasst, damit Sie sie schnell lesen können. Wenn Sie sich für die Nachrichten interessieren, können Sie den vollständigen Text hier lesen. Weiterlesen:

DiePressecom /  🏆 5. in AT

 

Österreich Neuesten Nachrichten, Österreich Schlagzeilen

Similar News: Sie können auch ähnliche Nachrichten wie diese lesen, die wir aus anderen Nachrichtenquellen gesammelt haben.

SPÖ-Machtkampf: Gerhard Zeiler erhält Unterstützung von Ex-LandeshauptleutenSPÖ-Machtkampf: Gerhard Zeiler erhält Unterstützung von Ex-LandeshauptleutenEx-ORF-General Gerhard Zeiler will neuer SPÖ-Chef werden. Prominente Ex-Landeshauptleute wie Franz Voves unterstützen seine Kandidatur gegen Parteichef Babler.
Weiterlesen »

Gerhard Zeiler stellt sich als möglicher SPÖ-Obmann in die PolepositionGerhard Zeiler stellt sich als möglicher SPÖ-Obmann in die PolepositionGerhard Zeiler wirbt offen um die Nachfolge von SPÖ-Obmann Andreas Babler und bringt zugleich die Frage auf, ob die Sozialdemokraten bei einem Wechsel weiterregieren oder eine Neuwahl anstreben sollten. Zeiler könnte dabei als Vizekanzler gegenüber ÖVP und Neos eine zentrale Rolle spielen.
Weiterlesen »

Gerhard Zeiler und die Neuausrichtung der SPÖGerhard Zeiler und die Neuausrichtung der SPÖGerhard Zeiler positioniert sich mit einem wirtschaftsfreundlichen Kurs und strengeren Migrationsmaßnahmen weiter in der politischen Mitte als der aktuelle Parteichef, um das Umfragetief der SPÖ zu überwinden.
Weiterlesen »

Kann Gerhard Zeiler die SPÖ retten?Kann Gerhard Zeiler die SPÖ retten?Die studierte Juristin ist seit zwanzig Jahren bei der „Presse“ tätig. Sie war u.a. Medienredakteurin und Chefin vom Dienst der „Presse am Sonntag“ (2009-2024), ab 2019 Leiterin des Debattenressorts und Podcasts. Seit 2025 ist sie Head of New Media und verantwortet die Bereiche Audio, Video und Social Media.
Weiterlesen »