Die Sonntagsöffnung als Scheinlösung

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Der Sonntag steht nicht für alle still, doch das soll die Ausnahme bleiben, um die Gemeinschaft zu stärken. Ein Einwurf zum Jubiläum der Allianz für den arbeitsfreien Sonntag.

Der Sonntag steht nicht für alle still, doch das soll die Ausnahme bleiben, um die Gemeinschaft zu stärken. Ein Einwurf zum Jubiläum der Allianz für den arbeitsfreien Sonntag.

„An den freien Sonntagen entstehen die Momente, in denen aus vielen Einzelnen eine Gesellschaft wird“, schreibt Peter Mender in seinem Gastkommentar. Es gibt Momente, in denen eine Gesellschaft spürbar wird. Wenn am Sonntag beide Eltern am Spielfeldrand stehen, weil keiner arbeiten muss. Wenn nach der Messe die Leute vor der Kirche stehen bleiben und reden.

Wenn beim Sechzigsten im Gasthaus drei Generationen an einem Tisch sitzen. Wenn der Verein sein Sommerfest feiert. Diese Momente sind kein Beiwerk. Sie sind das, was uns zusammenhält.

Und sie funktionieren nur, wenn möglichst viele gleichzeitig freihaben. Die Schwester, die im Handel arbeitet. Der Onkel, der an der Kassa steht. Die Freundin aus der Lehrlingsausbildung.

Natürlich steht der Sonntag nicht für alle still. Ärztinnen und Pfleger, Straßenbahnfahrerinnen, Feuerwehr, Polizei, Rettung oder die Köchin im Gasthaus arbeiten, damit andere diesen Tag haben können. Ihre Arbeit ist unverzichtbar. Genau deshalb sollte sie die Ausnahme bleiben.

Wer den Sonntag für den Handel öffnet, macht aus einer notwendigen Ausnahme zunehmend eine Regel. Trotzdem taucht die Forderung nach Sonntagsöffnung regelmäßig auf, meist mit wirtschaftlichen Argumenten. Ich habe drei Jahrzehnte in Industrie und Vertrieb gearbeitet und nehme diese ernst. Gerade deshalb lohnt es sich, sie zu prüfen.

Da wäre zunächst der Touris­mus. Österreich werde unattraktiver, wenn sonntags die Geschäfte geschlossen bleiben. Dabei wurde 2025 mit 157,3 Mio. Nächtigungen ein Allzeitrekord erreicht.

Und wo Bedarf besteht, gibt es längst Ausnahmen in Tourismusregionen. Dann der Onlinehandel: Wer sonntags nicht im Geschäft kau­fen könne, bestelle eben im Internet; beim Lebensmittelhandel liegt der Online-Anteil bei zwei Prozent und der stationäre Handel verschwindet auch nicht: Rund 87 Prozent der Konsumausgaben werden weiterhin dort getätigt. Wo online dem Geschäft Kunden abnimmt, lautet die entscheidende Frage ohnehin: Was sind uns Beratung, Nähe und ein Geschäft im Ort wert? Und schließlich die Konjunktur.

Österreichs Wirtschaftsschwäche hat ihre Ursachen nicht im Einzelhandel. Wirtschaftsforscher/innen verweisen auf Industriekrise, schwächere Exporte und hohe Energiekosten. Internationale Erfahrungen zeigen zudem, dass zusätzliche Sonntagsumsätze in erster Linie nur von anderen Tagen verlagert werden. Bleibt die Frage, wem eine Sonntagsöffnung tatsächlich nützt.

Und was sie kostet. Ich habe mehrere Jahre in den USA gelebt und gearbeitet. Ich weiß daher, wie schwierig Familienleben, Freundschaften oder ein Ehren­amt werden, wenn immer nur ein Teil freihat, während der an­dere arbeitet. Man verabredet sich seltener.

Man verliert einan­der aus den Augen, ohne es zu merken. Diese Realität möchte ich Österreich nicht zumuten. Eltern sollen heute immer mehr leisten: früh zurück in den Be­ruf, Bildung und Medienerziehung ihrer Kinder, Betreuung der eigenen Eltern. Gleichzeitig erhöht der demografische Wandel den Druck.

In dieser Lage einen der letzten verlässlichen gemeinsamen freien Tage aufzugeben, für einen wirtschaftlichen Effekt, der keineswegs belegt ist, wäre keine Antwort auf Österreichs Probleme. Es wäre eine Scheinlösung. Die Allianz für den arbeitsfreien Sonntag warnt seit 25 Jah­ren davor. Sie wird es weiter tun.

Nicht aus Nostalgie. Sondern weil das Match am Sonntag, der Sechzigste im Gasthaus und das Vereinsfest mehr sind als Freizeit. Es sind die Momente, in denen aus vielen Einzelnen eine Gesellschaft wird.ist Präsident des Katholischen Familienverbandes und Gründungsmitglied der Allianz für den arbeitsfreien Sonntag, die am 1. Oktober 2026 ihr 25-Jahr-Jubiläum begeht.

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