Seit 2008 bei der „Presse“ im Bereich Wissenschaft, Forschung und Kultur. Teil des „Presse“-Klima-Teams. Hat zuvor an der Uni Wien Zoologie und Verhaltensforschung studiert (Thema: Wildbienen in Brasilien). 2008 Förderpreis des Staatspreises für Wissenschaftspublizistik. 2015 Winfra-Forschungspreis.
95 kleine Gletscher, die es vor 20 Jahren noch gab, sind schon futsch. Das neue Gletscherinventar von elf heimischen Forschungseinrichtungen zeigt die rasante Abnahme der Eismassen unserer Alpen.
Wo vor drei Jahren noch 20 Meter dickes Eis war, erblüht heute eine Blume: Der Jamtalferner zeigt sich im September 2026 um einiges kleiner als bei der letzten Begehung. Vor drei Jahren stand Gletscherforscherin Andrea Fischer vom Institut für Interdisziplinäre Gebirgsforschung der ÖAW auf dem Tiroler Jamtalgletscher auf 20 Meter dickem Eis. Heute erblüht hier eine Blume zwischen dem Geröll.
Fischer betonte nun wieder, wie schnell unsere Gletscher abschmelzen. Den Fachleuten der Glaziologie rinnt das Forschungsmaterial davon. Seit dem Sommer 2023 hat die Schmelze enorm Fahrt aufgenommen.
„Österreich ist nach dem Rekordsommer 2026 auf dem Weg Richtung Entgletscherung“, sagt Fischer.. Seit Mitte der 2000er-Jahre sind 31 Prozent der Gletscherfläche im Land verschwunden. Fast 100 kleinere Eiskörper verschwanden komplett. Die fehlenden Gletscherzungen führen zu weniger Gesamtabfluss, was negative Auswirkungen auf den Wasserhaushalt des Landes hat.
Änderungen, wie wir sie früher über 20, 30 Jahre gesehen haben, haben wir mittlerweile in einem oder zwei Jahren, sagen die Gletscherforschenden. Luftaufnahme des Jamtalferners/Jamtalgletschers: Hintere Jamspitze , Vordere Jamspitze , Dreiländerspitze am 24.
September 2026. Die zunehmenden Gesteinssedimente im abfließenden Wasser schädigen Wasserkraftwerksturbinen, sammeln sich in der Donau und anderen Flüssen, behindern die Schifffahrt und Hochwasserverbauungen.
Zudem ändern sich die Wassertemperaturen und die Ökologie in den Flusssystemen. Wie lange dauert es, bis Pflanzen den freigelegten Boden und die Geröllmoräne unter einem weggeschmolzenen Gletscher stabilisieren?
„Änderungen, wie wir sie früher über 20, 30 Jahre gesehen haben, haben wir mittlerweile in einem oder zwei Jahren“, sagt Fischer. Dementsprechend öfter müsse man messen und dokumentieren. Für ein Basis-Monitoring der Gletscherflächen fehlt aktuell das Geld; Fischer schätzt die Kosten auf 50.000 Euro pro Jahr. Das neue Gletscherinventar wurde von elf heimischen Instituten gemeinsam erstellt, die Gletscherflächen der vergangenen 20 Jahre teils händisch kartiert und mit Satellitenfotos und Höhenmodellen verglichen.
„Mit dem neuen Inventar können wir das Verschwinden, das wir im Gelände sehen, besser in Zahlen ausdrücken”, sagt Erstautorin Lea Hartl. Nur noch neun der 799 erfassten Gletscher sind größer als fünf Quadratkilometer.
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