Das Buch 'Die Bastarde der Habsburger' enthüllt die verborgene Welt der unehelichen Nachkommen des Herrscherhauses. Von geisteskranken Mördern bis zu erfolgreichen Karriereleuten - die Geschichten dieser 'Schattenkinder' sind so vielfältig wie erschreckend. Die Autoren beleuchten die Folgen der strengen Heiratspolitik, die physischen und psychischen Vererbbarkeiten und die sozialen Rollen dieser Außenseiter der Dynastie. Eine faszinierende, wenn auch teilweise verstörende Lektüre über die Schattenseite des Habsburger Erbes.
In den 645 Jahren ihrer Regentschaft setzten die Habsburger rund 1000 Nachkommen in die Welt, fast ein Drittel davon außerehelich. Ein neues Buch wirft Licht auf diese ' Schattenkinder'.
Der schrecklichste illegitime Sohn der Habsburger
Der Ehrenpreis als schrecklichstes illegitimes Lendenprodukt eines Habsburgers bekommt eindeutig Don Julius Caesar d'Austria, geboren 1586, ältester Sohn des zeitlebens unverheirateten Kaisers Rudolf II. und dessen Geliebter Katharina Strada. Julius, der noch fünf Geschwister aus derselben Verbindung hatte, sollte als 'einziger geisteskranker Mörder' in die Geschichte der Habsburger eingehen.
Der Lieblingsspross des für seine 'sexuellen Ausschweifungen, nicht nur mit Damen' bekannten Vaters erwies sich bald als genetischer Super-GAU und wurde wegen seiner schizophrenen Schübe unter ärztliche Daueraufsicht auf Schloss Krumau gestellt, wo er in einer Psychose mit dem Messer auf seine 16-jährige Geliebte einstach und sie aus dem Fenster warf. Margarete Pichler überlebte den Sturz zwar schwer verletzt, bezahlte ihre Rückkehr zu dem sie erpressenden Gewalttäter (Julius ließ ihren Vater in den Kerker werfen) kurze Zeit später aber mit dem Leben.
Er ermordete und zerstückelte sie - und starb seinerseits im Alter von 23 Jahren, völlig umnachtet und verbannt in den Keller des Schlosses. Es kam immer wieder vor, dass sich die zukünftigen Eheleute vor dem Altar zum ersten Mal begegneten und ein von den Eltern als 'reifer Mann mit Lebenserfahrung' angedonnerter Bräutigam sich als 'schrulliger Greis mit dem Charme eines Pflastersteins' entpuppen sollte.
Nach der gleichermaßen unterhaltsamen wie verstörenden Lektüre des Buches 'Die Bastarde der Habsburger' von Gabriele Hasmann und Andrea Schuh ist man überzeugt, dass bei den Habsburgern, zumindest bis zur Aufklärung, bisweilen eine Atmosphäre herrschte, die irgendwo zwischen 'Tudors' und 'Sopranos' angesiedelt war.
Heiratspolitik statt kriegerischer Eroberungen
'Die Habsburger wurden von weit mehr Menschen gehasst als geliebt und waren stets Opfer von Intrigen, Manipulationen und Anschlägen auf ihr Leben', schreiben die Autorinnen. Den Machtexpansionen des Herrscherhauses sollte das keinen Abbruch tun. Die Basis des Herrschaftserhalts beruhe jedoch 'weniger auf kriegerischen Eroberungen als auf der bekannten Heiratspolitik'.
Dass die häufige Fortpflanzung unter 'Seinesgleichen' drastische Begleiterscheinungen körperlicher und geistiger Natur nach sich zog, kann man auf einigen abgebildeten Gemälden nachsehen: Beispielsweise an einem Porträt von Karl V. (1500-1558), auf dem die Überentwicklung des Unterkiefers, die sogenannte Habsburger-Lippe (oft kaschiert mit entsprechenden Bärten) und der dynastische 'Langschädel' deutlich ins Auge springen. Liebe und Zuneigung fielen bei dieser Heiratspolitik in die Kategorie 'Dienstmädchengefühle' (so ein zeitgenössischer Chronist).
Es kam immer wieder vor, dass sich die zukünftigen Eheleute vor dem Altar zum ersten Mal begegneten und ein von den Eltern als 'reifer Mann mit Lebenserfahrung' angedonnerter Bräutigam sich als 'schrulliger Greis mit dem Charme eines Pflastersteins' entpuppen sollte, wobei auch die Braut Enttäuschungen hervorrufen konnte, wenn sie sich nach Heben des Schleiers etwa als 'pockennarbig und mit schwarzen Zähnen' herausstellte. Dass solche Zwangsheiraten die Weichen für ein florierendes außereheliches Lotterleben stellten, scheint nachvollziehbar.
In den 645 Jahren Habsburger-Herrschaft zählen die Autorinnen unter den Männern insgesamt 1000 Kinder, davon etwa 300 unehelich, circa 40 legitimiert. Wie viele solcher 'Schattenkinder' oder auch 'natürliche Kinder' von den Dynastie-Damen in die Welt gesetzt wurden, konnte kaum festgestellt werden. Möglicherweise, so die Vermutung, fand sich da immer wieder auch die DNA eines 'rustikalen Stallburschen, cleveren Edelmanns oder kultivierten Hauslehrers'.
Schicksal der natrlichen Kinder und Mtter
Wurden Schattentöchter meist in Klöstern verparkt, kümmerten sich die blaublütigen Väter der 'natürlichen' Söhne oft um deren beruflichen Fortgang und brachten sie in Administration und Militär unter. Die Mütter solcher 'love children' wurden häufig mit Geldgeschenken und Immobilien versorgt. Selbst in einer nachweislichen Liebesehe, wie sie die 16-fache Mutter Maria Theresia mit ihrem 'Mäusl' Franz Stephan von Lothringen führte, musste die Monarchin vor dem regen Triebleben ihres Gatten, exekutiert in diversen Lustschlössern, resignieren.
Sie schrieb an ihre Tochter Maria Christine: 'Ich habe meinen Gemahl geliebt, wie vielleicht kein Weib je den seinigen; doch war ich immer unglücklich, weil er anderer Frauen bedurfte.
' Für solche Liebesspiele wurde am Hof der Ausdruck 'Hetz mit Herz' benutzt.
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