Der Rubel rollt nicht mehr: Separatistenregion Transnistrien sitzt...

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Der Rubel rollt nicht mehr: Separatistenregion Transnistrien sitzt...
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Die studierte Politikwissenschafterin ist seit 2010 Redakteurin der „Presse“ mit Schwerpunkt Osteuropa und Südkaukasus. Als Reporterin berichtete sie u. a. von der „Revolution der Würde“ aus Kiew, von der Krim-Annexion und russischen Intervention in der Ostukraine seit 2014. Von 2017 bis 2021 war sie Korrespondentin der „Presse“ in Moskau.

Die abtrünnige Region steht seit 2022 unter großem Druck. Mit einer neuen Zoll- und Steuerpolitik verfolgt die Zentralregierung die wirtschaftliche Wiedereingliederung. Politisch ist Transnistrien eng mit Russland verbunden, doch die wirtschaftliche Realität ist längst eine andere .

Schon seit den frühen 1990er-Jahren zelebriert Transnistrien die Eigenständigkeit von der Republik Moldau. In Tiraspol steht wie eh und je ein steinerner Lenin vor dem Parlamentsgebäude. Auf die Fahne des abtrünnigen Gebiets sind Hammer und Sichel gestickt, bezahlt wird mit dem Transnistrischen Rubel. Das alles sind Symbole der Vergangenheit.

Ein Blick auf die Wirtschaftsdaten zeigt, dass Transnistrien längst in einer anderen Realität lebt. Das Territorium am östlichen Ufer des Dnister ist nicht mehr wie früher ökonomisch eng mit Russland verbunden. Es ist wirtschaftlich abhängig von der Moldau und der Europäischen Union. Dorthin gehen zusammen mehr als 80 Prozent der Exporte.

Seit geraumer Zeit verstärkt die moldauische Zentralregierung die Kontrolle über das separatistische Gebiet. Das Instrument ist die Steuerpolitik.

„Fiskale Integration ist kein Selbstzweck, sondern ein Instrument für die Reintegration und Annäherung der beiden Ufer des Dnister“, heißt es in einer Stellungnahme des für die Transnistrien-Frage zuständigen Büros für Reintegration für „Die Presse am Sonntag“. Seit Anfang September wird auf ausgewählte Luxusgüter Mehrwertsteuer erhoben. Im nächsten Jahr müssen auch Rohmaterialien, Petroleumprodukte, Gas und Strom in der Moldau versteuert werden. Bereits 2024 wurden Zollerleichterungen abgeschafft.

Transnistrische Unternehmen müssen sich in Chișinău registrieren, wenn sie in die EU exportieren wollen. Große Unternehmen beugen sich den Anforderungen. Denn sie wollen ihre Absatzmärkte nicht verlieren. Auf den für den Export bestimmten Verpackungen des bekannten Cognac-Herstellers Kvint steht in großen Buchstaben geschrieben: „Produced in Republic of Moldova“.

Auch auf der Rückseite fehlt der Verweis auf den Separatistenstaat, die „Moldauische Transnistrische Republik“. Offizielle Vertreter sprechen gern von „sanfter Wiedereingliederung“. Das Reintegrationsbüro verweist gegenüber der „Presse“ darauf, dass die Annäherung „nicht durch eine einzige politische Entscheidung“ vonstatten gehen könne. Perspektivisch sehe man einen „Prozess, in dem die Bewohner ihre vollen Staatsbürgerrechte und den Zugang zu staatlichen Institutionen zurückbekommen, und eine politische Vertretung der Region im Rahmen des gesetzlichen Rahmens der Republik Moldau errichtet“ werde.

All das müsse „friedlich und demokratisch“ vor sich gehen. Anders ausgedrückt: Transnistrien soll wieder unter moldauische Kontrolle kommen. Beobachter halten es für nicht ausgeschlossen, dass das Tiraspoler Regime früher oder später zusammenbricht. Denn der Landstrich erlebt eine tiefe Strukturkrise, wie ein gemeinsamer Bericht des moldauischen Think Tanks IDIS und der Friedrich-Ebert-Stiftung betont.

Billiges russisches Gas gelangt seit dem Durchleitungsstopp durch die Ukraine nicht mehr in die Region. Große Kombinate können nur mehr eingeschränkt betrieben werden. Die Wirtschaftsleistung der Region ist dramatisch eingebrochen. Im vergangenen Winter gab es eine schwere Energiekrise.

Als Folge hat sich die Arbeitsmigration in die rechtsufrige Moldau verstärkt. Im ersten Halbjahr 2025 zählte das Reintegrationsbüro 13.810 offiziell Beschäftigte aus Transnistrien. Im Vergleichszeitraum 2026 waren es bereits mehr als 23.000. Auch Job-Portale rekrutieren aus der abtrünnigen Region.

Für Menschen in Transnistrien sind diese Angebote attraktiv, da die Löhne in der rechtsufrigen Moldau zwei bis drei Mal höher sind. Der Transnistrien-Bericht zitiert einen Bewohner: „Täglich sieht man immer mehr Menschen, die vom linken Ufer zum rechten pendeln, vor allem nach Chișinău.

“ Auch die Abwanderung dürfte in Transnistrien noch höher als in der Moldau sein. Dem Bericht zufolge leben möglicherweise nur rund 295.000 Menschen dauerhaft in der Region, deutlich weniger als die offiziell registrierten rund 460.000 Einwohner. Wer kann, verlässt das sinkende Schiff.

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