Der deutsche Investor hinter der Raiffeisen-Attacke

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Die Raiffeisen Bank International sieht sich im Visier eines New Yorker Shortsellers. Dabei hält die Investmentfirma selbst einige Informationen geheim.

Die Raiffeisen Bank International sieht sich im Visier eines New Yorker Shortsellers. Dabei hält die Investmentfirma selbst einige Informationen geheim. Ein New Yorker Shortseller wirft Raiffeisen Sanktionsumgehung in Russland vor.

Doch wer steckt sich hinter der Investmentfirma, die es auf fallende Kurse abgesehen hat. Shortselling ist nichts für schwache Nerven. Unter dem Begriff versteht man das Wetten auf fallende Aktienkurse. Und am Donnerstag wettete der New Yorker Leerverkäufer Grizzly Research gegen die.

Nachgeholfen wurde, wie so oft, durch die Veröffentlichung eines Berichts, der Schwachstellen des Konzerns offenbaren soll. So waren es Shortseller, die als Erstes auf Probleme des einst im Dax notierten Finanzdienstleisters Wirecard hingewiesen haben. Damals schenkte man ihnen zunächst keinen Glauben. Im Gegenteil: Manche landeten sogar für kurze Zeit hinter Gittern.

Doch nicht immer behalten sie recht. Und im Fall Raiffeisen fand „Die Presse“ eine Auffälligkeit, die Grizzly in Erklärungsnot bringen könnte. Unklar ist nämlich, ob Grizzly überhaupt eine Leerverkaufsposition an der RBI-Aktie hält bzw. hielt. Laut Recherchen der „Presse“ kann diese als Einzelposition nicht über 0,5 Prozent aller RBI-Aktien liegen.

Denkbar wäre, dass über mehrere Investoren eine Position gesetzt wurde, die alle unter dieser Schwelle liegen und damit nicht öffentlich einsehbar sind. Grizzly Research reagierte nicht vor der Veröffentlichung dieses Artikels auf die Anfrage der „Presse“. Hält Grizzly selbst keine Leerverkaufsposition, wurde dies nicht transparent gemacht. Raiffeisen hat angekündigt, juristische Schritte zu prüfen.

Würde es zu einer Untersuchung von etwaiger Marktmanipulation kommen, wäre das ein Thema. Auch eine sehr kurze Haltefrist der Position könnte im Zusammenhang mit so einem Bericht juristisch eine Rolle spielen.

Zudem bleibt die Investmentfirma mit ihren Vorwürfen recht vage. Laut derzeitigem Sanktionsrecht darf die Wiener RBI-Zentrale de facto keinen Kontakt mit ihrer russischen Tochter haben. Sie kann daher auch kaum die angedeuteten Vergehen in Russland überwachen. Grizzly legt keine Beweise vor, dass diese von Österreich aus gesteuert wurden.

Hinter der Investmentfirma steht der Deutsche Siegfried Eggert. Der Gummersbacher greift auf ein kleines Team an Analysten zu. Das in den USA angesiedelte Unternehmen spezialisiert sich auf europäische Konzerne – und zuletzt vor allem auf jene mit Russlandbezug. Vor wenigen Monaten nahm er den deutschen Prothesenherstellers Ottobock ins Visier, der auch einen Standort in Wien betreibt.

Eggert warf dem Unternehmen aus Duderstadt vor, ein größeres Russlandgeschäft als angegeben, zu haben. Wie Raiffeisen wies auch Ottobock die Vorwürfe scharf zurück. Zuvor machte er mit Kritik an der Schweizer Beteiligungsgesellschaft Partners Group oder am Bewertungsportal Trustpilot auf sich aufmerksam. Eggert zog für sein Studium in die USA, wo die Karriere des Mitte 30-Jährigen bei einem kleinen Anlageunternehmen begann.

Auch ein siebenmonatiges Praktikum bei der Erste Group im Bereich Aktienhandel hat er laut eigenen Angaben absolviert. 2020 machte er sich mit Grizzly Research selbstständig. Der Name ist Programm. Denn in der Finanzwelt werden fallende Kurse durch einen Bären symbolisiert, steigende mit einem Bullen. Raiffeisen stellt seinen Bericht als irreführend, suggestiv und sachlich falsch dar.

„Beispielsweise wird in dem Bericht behauptet, dass Kunden identifiziert wurden, welche die russische AO Raiffeisenbank bereits vor einer Einstufung als sanktionierte Einheiten freiwillig gekündigt oder gesperrt hatten“, hieß es am Donnerstagabend in einer RBI-Aussendung. „Weiters werden in dem Bericht Unternehmen genannt, die niemals Kunden der RBI oder der AO Raiffeisenbank waren. “Für Grizzly bleibt die Aktion nicht ohne Risken. Liegt Eggert falsch oder bleibt eine Reaktion der übrigen Marktteilnehmer aus, steigt üblicherweise der Kurs der Aktie.

Trotzdem muss der Investor sie zum Ende der Leihfrist zurückkaufen. Dabei macht er einen umso größeren Verlust, je stärker der Aktienkurs gestiegen ist. Der erste Preissturz der RBI-Aktie klingt zwar dramatisch. Am Donnerstag sackte der Aktienkurs von rund 65 Euro auf rund 61 Euro ab.

Aber bei einem Streubesitz von 38 Prozent ist die Bewegung verhältnismäßig moderat. Vor allem, wenn man bedenkt, dass die Aktien dieser Tage rund um ihr 18-Jahres-Hoch notieren. Am Freitag erholten sich die Aktien prompt und notierten zu Mittag um zwei Prozent höher. Ähnlich verhielt es sich bei den schon erwähnten früheren Shortseller-Attacken seitens Grizzly.

Entweder gab die Aktien nur wenig nach oder erholten sich äußerst schnell wieder. Damit steht ein nachhaltiger Effekt seiner Börseaktionen in Frage. Somit bleibt auch der heimische Investorenvertreter gelassen.

„Wie so oft enthält der Bericht einige berechtigte Fragen, bleibt aber bei seinen schwersten Vorwürfen einen echten Beweis schuldig“, sagt Florian Beckermann, der Präsident des Interessenverbands für Anleger zur „Presse“. „Auch werden bekannte Russlandrisiken teilweise als neue Enthüllungen präsentiert, eigene Berechnungen mit regulatorischen Kennzahlen vermischt, und möglicherweise automatisierte Kundenkommunikation als Aussage eines Bankmanagers dargestellt“, so Beckermann weiter. „RBI sollte die offenen Punkte transparent und ausführlich beantworten – für den Vorwurf systematischer Sanktionsumgehung ist die Suppe dünn.

“Shortselling funktioniert technisch folgendermaßen: Ein Investor wie Grizzly Research leiht sich von anderen Anlegern zum Beispiel Raiffeisen-Aktien gegen eine Gebühr. Dann verkauft er die Aktien, um sie am Ende der Leihfrist wieder zurückzukaufen und sie den eigentlichen Besitzern zurückzugeben. Das Ziel: Der Aktienkurs muss in diesem Zeitraum fallen, damit der Investor daran verdient. Er hat zu einem hohen Kurs verkauft und zu einem niedrigen Kurs gekauft. Die Differenz abzüglich der Leihgebühr ist der Gewinn.

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