An der Küste in Crikvenica und vis-à-vis auf der Insel Krk hat die Kvarner Region einen eigenen Reiz, speziell jetzt im Herbst. Auszeit im Norden von Kroatien.
An der Küste in Crikvenica und vis-à-vis auf der Insel Krk hat die Kvarner Region einen eigenen Reiz, speziell jetzt im Herbst. Auszeit im Norden von Kroatien.
Sanft plätschert das Wasser an den Sandstrand, das Meer davor erinnert an einen großen, ruhigen See, der Blick reicht bis zur gegenüberliegenden Insel Krk. Die Rede ist von Crikvenica an der gleichnamigen Riviera, rund 35 km südlich von Rijeka. Der Ferienort gilt – so wie sein weiter nördlich situiertes Pendant Opatija – seit der K.u. K.-Zeit als Wiege des Tourismus an der nördlichen Adria.
Doch während Opatija mit seinen prachtvollen Villen sich Ende des 19. Jahrhunderts vornehmlich als Seebad des österreichischen Adels etablierte, dominierte in Crikvenica der ungarische Zweig der K.u. K-Monarchie. Etliche Jugendstilbauten gibt es zwar auch hier, doch insgesamt geht es hier viel weniger mondän zu, was auch mit den vielen Sand- und Kiesstränden zu tun hat, die vor allem Familien anziehen.
„Neben den flachen Stränden gibt es hier wegen der geografischen Südausrichtung länger Sonne und eine ungezwungene Atmosphäre“, sagt Martina Riedel, Generalmanagerin der Holleis-Hotels, die lange das Miramare in Opatija geleitet hat und jetzt auch für das zur Gruppe gehörende Kvarner Palace in Crikvenica zuständig ist. Das Vier-Sterne-Grandhotel im Stil der Belle Époque mit 131-jähriger Geschichte ist mit seinem großen mediterranen Park, leicht erhöhter Aussichtslage auf das Meer, eigenem Strandbereich und ausgezeichneter Küche ein Ausgangspunkt zum Erkunden der Crikvenica Riviera.
Zwei gemächliche Kilometer sind es ins Zentrum, immer dem Meer entlang, vorbei an zahlreichen Lokalen und Kiosken. In Summe kann man zehn Kilometer dahin flanieren – von Dramalj bis Selce. Crikvenica war früher ein Fischerdorf, später ein Kurort; heute ist es touristisch geprägt mit entsprechendem Angebot für einen abwechslungsreichen Urlaub.
„Party-Destination sind wir definitiv keine, dafür gibt es viele Sport- und Ausflugsmöglichkeiten“, sagt Gordana Jelenović vom regionalen Tourist Board. Mit dem Boot geht es auf die Insel Krk – etwa in den Weinort Vrbnik – oder nach Rab und Pag; der Nationalpark Plitvicer Seen lässt sich an einem Tag gut besuchen.
Zudem kann man im Hinterland gut klettern und wandern – etwa auf dem acht Kilometer langen sogenannten Liebespfad, wo man zur spätantiken Festung Badabj oder Pod Veli Kamik, das 1890 gebaute erste Wasserversorgungssystem Crikvenicas, kommt. Bei Festen geht es dank reger Beteiligung der Einheimischen ziemlich authentisch zu. Jetzt, in diesem „Fettfisch-Monat“, wird hier die lokale Fischtradition gefeiert: Bis zum 18. Oktober werden in ausgewählten Restaurants spezielle Blaufisch-Gerichte serviert – Sardinen, Makrelen, Thunfisch.
„Die waren früher ein Arme-Leute-Essen. Vor 15 Jahren hat man begonnen, dem wieder mehr Augenmerk zu widmen und so der Gastronomie einen neuen Impuls zu geben,“ erklärt Jelenović. Im Dezember wird der Advent groß zelebriert. Auch eine Gelegenheit, die Spezialität von Crikvenica zu kosten: die nach einem Rezept aus dem Jahr 1686 zubereitete Frankopan-Torte.
Das Adelsgeschlecht der Frankopanen hatte vom Mittelalter bis ins 17. Jh. die Region regiert. Noch tiefer in die Geschichte geht es im örtlichen Museum – hier wird von prähistorischer und römischer Zeit erzählt. Ein Kulturziel ist Crikvenica übrigens auch: Vom 1. bis 8.
November lesen beim Literaturfestival „Lit. EU“ im Grandhotel Kvarner Palace prominente Autoren wie Franzobel, Dana Grigorcea oder Christoph Ransmayr. Die Inselhauptstadt Krk: Historie auf Schritt und Tritt. Im Zentrum sind archäologische Funde an etlichen Stellen unter Glasplatten zu sehen.
Ein lohnender Abstecher führt nach Novi Vinodolski, das offiziell zwar nicht mehr zur Crikvenica Riviera gehört, aber nur wenige Kilometer südlich liegt. Im Hinterland des beliebten Tourismusorts mit einem netten, kleinen Zentrum und weitläufigen Strandabschnitten liegt im Vinodol-Tal eine seit den Römern bekannte Weingegend, aus der die autochtone Žlahtina-Traube stammt. Mit dem Aufkommen der Reblaus war zwar zwischenzeitlich Ende mit dem hiesigen Weinbau – wobei glücklicherweise die letzten gesunden Reben nach Krk gerettet wurden und dort zur vorherrschenden Weinsorte wurden.
Im Vinodol-Tal fand das Weinbau-Comeback 1994 statt, als der im Jugoslawien-Krieg aus Vukovar geflüchtete Winzer Miroslav Palinkaš das Weingut Pavlomir begründete und daraus einen äußerst renommierten Familienbetrieb mit einer Jahresproduktion von mittlerweile 250.000 Litern samt Gastro und Shops machte.
„Wir versuchen uns ständig weiterzuentwickeln und probieren immer Neues aus. Zum Beispiel indem wir den Wein in Akazienfässern reifen lassen oder in Amphoren 40 m tief am Meeresboden.
“Die Insel Krk vis-à-vis von Crikvenica wiederum ist eine eigene Welt für sich. Das ca. 405 km² große Kvarner-Eiland ist vom Festland aus über eine gebührenfreie Brücke mit dem Auto leicht zu erreichen. Aufgrund seiner Größe ist Krk ausgesprochen vielfältig – sowohl was Landschaft und Freizeitmöglichkeiten als auch Historie und Kulturgüter betrifft. In den 68 kleinen Orten und Städten leben rund 20.000 Einwohner.
Während der Hauptsaison sind es mit Urlaubern circa 100.000. Im Herbst geht es weitaus ruhiger zu, ein guter Zeitpunkt, um die gleichnamige Hauptstadt zu sehen. Hafen und Uferpromenade Riva trennen den modernen vom historischen Teil der Stadt, der wirklich sehenswert ist. Durch das mittelalterliche Stadttor geht es zum 2000 Jahre alten, von Stadtmauern umgebenen Vela Placa, auf dem das Leben pulsiert.
Unweit davon, beim Platz Kamplin, liegen die alte Festung der Frankopanen und das Wahrzeichen der Stadt, der Glockenturm der Kathedrale. Sie sind im Sommer historische Kulisse für klassische und Jazz-Konzerte.
„3000 Jahre Geschichte sind in Krk Stadt allgegenwärtig. Wenn Bewohner ihre Häuser umbauen, müssen sie meist auch gleich das Denkmalamt anrufen“, schildert Fremdenführerin Slavica Peričić beim Rundgang. Tatsächlich kann man in Geschäften oder Lokalen immer wieder durch Glasplatten im Boden auf archäologische Funde darunter blicken. Beeindruckend ist der unterirdische Gang beginnend beim Lokal „Hidden Garden“ vorbei an Resten der römischen Stadtmauer – bei den Toiletten – durch Räume mit einem antiken Grabstein und einem Opferaltar aus dem 1.
Jh. vor Christus bis zum Ausgang durch das Volsonis Cafe am Hauptplatz. Ausgezeichnet ist die Küche in der „Vila Rova“ auf Krk. Küchenchef Marin Pleše ist „Gault&Millau Young Talent of the Year“ und Teil der Michelin-Selection. Peričić erzählt, dass Krk vom 12. bis 18.
Jh. venezianisch und danach Teil der K.u. K.-Monarchie war. Vor dem Tourismus lebte die Insel vom Export von Steineichen als Heizmaterial nach Venedig. Krk war bei In- und Ausländern ein beliebtes Jagdgebiet – besonders auf Schnepfen im Winter.
Und es gibt hier einen eigenen Dialekt, die Küstensprache Čakavisch. Übrigens ist Krk die erste Zero-Waste-Insel Kroatiens – mit konsequenter Mülltrennung, einer Recyclingquote von 70 Prozent. Die Mülltonnen sind mit dem Internet verbunden, erklärt Peričić: „Wenn die voll sind, gibt es online ein Signal, dass sie auszuleeren sind.
“ Ein Stück weiter liegt die mehr als 900 Jahre alte Stadt Vrbnik, wo es eine weithin bekannte Karfreitagsprozession mit uralten slawischen Liedern gibt und die Geburtsort vieler Bischöfe und Intellektueller sowie Zentrum der alten kroatischen glagolitischen Schrift ist. Hier kann man sich durch eine der engsten Gassen der Welt drücken – und Wein verkosten. Denn Vrbnik ist das Zentrum des Weinbaus auf Krk, wobei wir wieder bei der schon zuvor erwähnten Žlahtina-Traube wären.
Rund 120 Familien bewirtschaften 200 Hektar Weingärten; 20 größere Winzer bilden eine Genossenschaft, um die Vermarktung zu professionalisieren – u. a. mit eigens entworfenen Gläsern, aus denen der Žlahtina extra gut schmeckt. Einer von ihnen ist Ivan Juranić, der die Weinkellerei Nada und das gleichnamige Restaurant mit Panoramablick auf die Crikvenica-Riviera betreibt. Sportliche kommen auf Krk auf ihre Kosten, dank 400 km markierter Wander- und 690 km Fahrradwegen.
Besonders urwüchsig ist es im Süden rund um Baska, gemächliche Zeitgenossen halten sich eher in Malinska im Nordwesten auf. Bereits 1905 vom Wiener Geologen Lukas Waagen als „Perle in der Inselwelt der Kvarner Bucht“ bezeichnet, hat sich das einstige Fischerdorf dieses Flair bis heute erhalten. Wer mehr über das maritime Erbe hier erfahren will, tut dies im futuristisch designten „DuBoak“-Zentrum.
Und spaziert dann von Malinskas romantischem Hafen auf der Uferpromenade vorbei an zahlreichen Lokalen, Hotels, Pensionen, Apartmenthäusern und Stränden rund zehn Kilometer lang in Richtung Porat. In entgegengesetzter Richtung geht es nach Njivice – wobei gleich zum Beginn einer der bekanntesten Lost Places Europas, das ehemalige Luxushotel Haludovo, liegt. Ein Highlight von Malinska ist zweifellos das Boutique-Hotel Vila Rova – auch in kulinarischer Hinsicht.
Marin Pleše, der von Guide Michelin zum „Best Young Chef Croatia“ gewählt wurde, ist nicht nur für die Spitzenküche im hauseigenen Gourmetrestaurant verantwortlich, sondern auch für das am Strand gelegene Bistro, wo ebenfalls Topqualität zu wohlfeilen Preisen geboten wird. Das von Danica, Marica und Petar Krnčević geführte Adults Only Hideaway mit 23 Zimmern wurde von JRE als bestes Hotelrestaurant Kroatiens prämiert und ist ein auf Nachhaltigkeit ausgerichteter Familienbetrieb, der auf beste regionale Produkte Wert legt und die Zero Waste-Politik Krks voll mitträgt.
Dass das Frühstück serviert wird, passt dazu.
„Unser Vater war auch Fischer und hat uns gelehrt, Meer und Natur zu respektieren. Das ist uns Motivation und Verpflichtung“, sagt Danica Krnčević. In den heißen Monaten liegen die Gäste im Schatten des eigenen Olivengartens, der nur durch die Strandpromenade vom Meer getrennt ist – Wellnessbereich und beheizter Pool sorgen dafür, dass sich auch Vor- und Nachsaison angenehm gestalten. Von 10.
Oktober bis 2. November dreht sich in der Vila Rova an den Wochenenden übrigens alles ums Olivenöl. Danica Krnčević: „Dann steht die Olivenernte, verbunden mit authentischen Einblicken in die Inseltradition, dem Besuch einer traditionellen Ölmühle sowie einer Verkostung regionaler Produkte, im Mittelpunkt“. Grand Hotel Kvarner Palace, 4*, mit riesigem Park, neuem Spa- und Wellnesscenter samt 25 m langem In- und Outdoor-Pool.
Events wie Gesundheits-, Tanz- und Yogaworkshops im Herbst. Tipp: Literaturfestival 1. bis 8. 11. mit hochkarätiger Besetzung Die Reise erfolgte auf Einladung von Hotel Kvarner Palace und Vila Rova sowie mit Unterstützung der Tourismusbüros Crikvenica und Krk.
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