Cornell-Vergewaltigungsfall: Letitia James als Sonderermittlerin eingesetzt

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Cornell-Vergewaltigungsfall: Letitia James als Sonderermittlerin eingesetzt
Cornell University, Letitia James, Kathy Hochul

Nach Vorwürfen der Gruppenvergewaltigung an der Cornell University setzt Gouverneurin Kathy Hochul die Generalstaatsanwältin Letitia James als Sonderermittlerin ein. Der Fall sorgt landesweit für Empörung.

Die Cornell University steht nach dem Verdacht einer Gruppenvergewaltigung im Zentrum einer landesweiten Debatte in den USA. Sieben Studenten, bekannt als die „Cornell 7“, sollen eine Frau vergewaltigt haben. Der Fall wurde zunächst nicht weiterverfolgt, doch der öffentliche Aufschrei führte am Freitag zur Einsetzung der Sonderermittlerin Letitia James durch New York s Gouverneurin Kathy Hochul. Beide äußerten sich empört über den Umgang der Universität und der örtlichen Behörden mit dem Fall.

Hochul setzt Sonderermittlerin James ein

Gouverneurin Hochul unterzeichnete ein Dekret zur Einsetzung von James als Sonderermittlerin. Sie habe das Vertrauen in die Fähigkeit des Bezirksstaatsanwalts von Tompkins County verloren, den Fall fair zu beaufsichtigen, sagte die Demokratin. Am Freitag gaben Hochul und James eine Pressekonferenz. Die Gouverneurin machte den lokalen Behörden schwere Vorwürfe: Die Campuspolizei habe die Schilderung der Frau nicht vollständig an die Staatsanwaltschaft weitergegeben. Der Bezirksstaatsanwalt habe den Fall zu den Akten gelegt, ohne dass das mutmaßliche Opfer befragt worden sei. Hochul fragte, in was für einer Welt der Bezirksstaatsanwalt weder sie noch sonst jemanden befrage und nicht einmal das vollständige Protokoll anfordere. Die junge Frau habe bereits etwas völlig Unaussprechliches durchlitten, und dann ließen sie auf Schritt und Tritt Menschen und Institutionen im Stich, die eigentlich die Pflicht gehabt hätten, sie zu schützen. James kündigte an, die Untersuchungen zu übernehmen und alles zu tun, um die tatsächlichen Vorgänge aufzudecken. James wurde unter anderem mit Ermittlungen gegen den ehemaligen New Yorker Gouverneur Andrew Cuomo bekannt. Vor allem aber liegt sie im juristischen Dauerstreit mit Präsident Donald Trump, zahlreiche Klagen und Gegenklagen wurden in verschiedenen Causen eingereicht.

Hintergrund: Vorwürfe und vertuschte Ermittlungen

Das mutmaßliche Opfer hatte angegeben, mehrere Mitglieder der Studentenverbindung Chi Phi hätten ihr 2024 Drogen aufgedrängt, bis sie wehrlos gewesen sei, und sie vergewaltigt. Die damals 20-Jährige, die in den Gerichtsakten anonym als „Jane Doe“ geführt wird, hatte sich an die Campuspolizei der Universität gewandt und den Vorfall im Rahmen eines internen Disziplinarverfahrens mit den dortigen Ermittlern besprochen. Die New York Times erhielt Zugang zu mehr als 1.000 Seiten Material aus der internen Untersuchung. Die Dokumente belegen, dass die Frau einige Zeit benötigte, um zu erkennen, dass sie Opfer einer Gruppenvergewaltigung geworden war. Daher sei sie erst Wochen später zur Campuspolizei gegangen. Laut der Zeitung sagte sie dort, sie könne zu 100 Prozent sagen, dass sie vergewaltigt wurde. Doch die Aussage sei in dem offiziellen Bericht für die Staatsanwaltschaft weggelassen worden. Zunächst hieß es von der Bezirksstaatsanwaltschaft, das Opfer habe gar nichts über einen Übergriff gesagt – eine Version, die inzwischen widerlegt scheint. Der Fall wurde damals ohne Anklageerhebung eingestellt. Die Konsequenzen für die mutmaßlichen Täter fielen gering aus. Manche wurden suspendiert, andere mussten zur Strafe nur einen Aufsatz schreiben.

Zivilklage und neue Ermittlungen

Im vergangenen Monat brachte Jane Doe Zivilklage ein. Sie richtet sich gegen sieben Mitglieder der Studentenverbindung, die Verbindung selbst, die Universität und weitere Beteiligte. Laut Klageschrift sandte einer der Männer während der Tat Nachrichten über soziale Netzwerke an andere Verbindungsmitglieder, um sie über das Geschehen zu informieren und zur Teilnahme aufzufordern. Es gebe im oberen Stockwerk eine Frau gratis, so eine der Nachrichten. Ist das Geschäft noch offen, fragt ein anderer Teilnehmer verklausuliert im Gruppenchat, der längst seinen Weg an die Öffentlichkeit gefunden hat. Offenbar schritt niemand der über 50 Adressaten ein. Nach Einbringen der Klage nahm der Bezirksstaatsanwalt von Tompkins County, Matthew Van Houten, die Ermittlungen wieder auf. Er sah sich heftiger Kritik ausgesetzt, weil er die ursprünglichen Ermittlungen früh eingestellt hatte. Van Houten sagte, sein Büro habe zunächst davon abgesehen, Anklage gegen die Studenten zu erheben, unter anderem aufgrund der geltenden Gesetzeslage im Bundesstaat. Diese sehe enge Grenzen der Klagemöglichkeit vor, wenn Drogen im Spiel waren – eine Gesetzeslücke, die nun geschlossen werden soll.

Öffentliche Empörung und Konsequenzen

Der Aufschrei der Öffentlichkeit war laut. Im Internet wurden Namen und Fotos der sieben mutmaßlichen Täter veröffentlicht, nachdem die Unizeitung The Cornell Daily Sun sie auf ihr Cover gehoben hatte. Seither ergoss sich eine Welle der Empörung über sie und die Universität. Der frühere Southpark-Autor Toby Morton setzte eine Website auf, um die Cornell 7 an den Pranger zu stellen. Die Ereignisse werfen ein Schlaglicht auf den Umgang mit sexualisierter Gewalt an US-Universitäten und die Rolle der Strafverfolgungsbehörden. Die Einsetzung von Letitia James als Sonderermittlerin soll nun zur Aufklärung beitragen und mögliche Versäumnisse aufdecken.

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