Burschen und Gewalt – Experten fordern neues Schulfach

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Konfliktlösung: Experten fordern neues Schulfach gegen Gewalt bei Burschen. Bericht zeigt 20 Maßnahmen für Prävention und soziale Kompetenz.

Gefühle zeigen statt Härte und Dominanz: Ein neuer Bericht von SOS Mitmensch zeigt, wie Schulen gegen Gewalt bei Burschen vorgehen können. Wie können Burschen davon abgehalten werden, Männlichkeit mit Dominanz, Besitzdenken oder Gewalt zu verbinden?

Dieser Frage ist die Menschenrechts-Organisation SOS Mitmensch in einem neuen, 52 Seiten starken Bericht nachgegangen. Dafür wurden rund ein Dutzend Experten aus Schulen sowie der Burschen- und Männerarbeit befragt. Darunter sind drei Schuldirektoren, drei auf Genderthemen spezialisierte Lehrer sowie fünf Fachleute aus der sozialarbeiterischen Burschen- und Männerarbeit. Das Ergebnis: Mehr als 20 Maßnahmen sollen dabei helfen, patriarchale Rollenbilder und gewaltfördernde Tendenzen zurückzudrängen.

Ein zentraler Ansatzpunkt ist dabei die Schule. Das Sprechen über Gefühle und Konflikte sollte laut den Befragten fixer Bestandteil des Schulalltags werden. Gefordert werden zudem mehr Ressourcen für Beziehungsarbeit und soziales Lernen, Gewaltprävention, Sexualpädagogik und ein gemeinsamer Ethikunterricht. Alexander Blaschek, Beratungslehrer an der Mittelschule am Bildungscampus Willi Resetarits in Floridsdorf, erklärt, dass"Burschen Räume brauchen, in denen sie Gefühle wie Angst, Trauer und Unsicherheit ausdrücken können und diese als legitim anerkannt werden".

Darüber hinaus solle Burschen"durch reflexionsorientierte Burschenarbeit" ermöglicht werden, Geschlechterrollen zu hinterfragen. Patrick Osterkorn, Lehrer am GRG6 Rahlgasse , geht noch einen Schritt weiter:"Soziales Lernen ist das Um und Auf und muss von Anfang an trainiert und geübt werden. Das sollte in Form von Fächern wie 'Kommunikation-Kooperation-Konfliktlösung' geschehen, aber auch integriert in allen Unterrichtsfächern.

"Thomas Angerer, Direktor der HTL Wien West in Ottakring, setzt neben einem respektvollen Umgang auf klare Grenzen. "Wenn man ihnen respektvoll und auf Augenhöhe gegenübertritt, hat man schon viel gewonnen. Zugleich braucht es eine klare Grundsatzhaltung gegen Fehlverhalten. Dazu genügt es nicht, auf Vorfälle zu reagieren, wir müssen auch präventiv arbeiten.

Wir holen uns flächendeckend Gewalt- und Suchtpräventions-Workshops sowie Safer-Internet- und Demokratie-Workshops an die Schule.

"Ein weiterer Ansatzpunkt liegt außerhalb des Klassenzimmers. Die Experten fordern einen Ausbau der außerschulischen Burschenarbeit. Tara Pire, Obfrau des Vereins"Poika", warnt, dass die bestehenden Angebote nicht ausreichen:"Wir können der Nachfrage nicht nachkommen und das ist nicht nur bei uns so". Gleichzeitig müsse gegen frauenfeindliche Influencer in sozialen Netzwerken vorgegangen werden.

Auch die Aufarbeitung konkreter Gewaltvorfälle spiele eine entscheidende Rolle. Simon Březina, Projektleiter beim Verein White Ribbon Österreich, erklärt:"Wenn Schulen oder auch Arbeitgeber:innen eine Umgebung schaffen, wo Werte wie Rücksichtnahme, Verständnis, Wertschätzung wichtig sind, kann aggressives und gewaltvolles Verhalten nachhaltig reduziert werden.

"SOS-Mitmensch-Sprecher Alexander Pollak sieht vor allem die Politik gefordert. "Burschen, die patriarchal auftreten und sich über Besitzdenken, Ehre und Gewalt definieren, sind ein erhebliches gesellschaftliches Problem, aber keineswegs ein Naturgesetz. " Der Bericht würde zeigen, dass es klare Lösungswege gibt,"um die soziale Kompetenz, Fürsorglichkeit und Kooperationsbereitschaft von Burschen zu stärken und sie von gewaltfördernden patriarchalen Rollenbildern zu lösen. Viele Burschen leiden auch selbst unter den toxischen patriarchalen Rollenerwartungen, mit denen sie konfrontiert werden", erklärt Pollak.

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