Brüssels Oberstaatsanwalt: (Fast) allein gegen die Mafia

Österreich Nachrichten Nachrichten

Brüssels Oberstaatsanwalt: (Fast) allein gegen die Mafia
Österreich Neuesten Nachrichten, Österreich Schlagzeilen

Seit 2003 schreibt der Wiener Jurist für „Die Presse“. Nach Jahren im „Economist“-Ressort ging er 2009 erstmals als EU-Korrespondent nach Brüssel, um danach von 2013 bis 2017 als US-Korrespondent aus Washington zu berichten.

Brüssels leitender Staatsanwalt räumt seit Anfang 2025 gehörig auf. Damit hat er sich mächtige Feinde gemacht – in den Drogenkartellen ebenso wie in der Stadtpolitik.

Seit 1. Jänner 2025 leitet Julien Moinil die Staatsanwaltschaft Brüssel. Sieht man sich die Justizstatistiken an, zeigt sich sein Erfolg im Kampf gegen das organisierte Verbrechen, allen voran die Drogen- und da vor allem die Kokainmafia. Die Haftbefehle, Verurteilungen und Vermögensbeschlagnahmen stiegen von 2024 auf 2025 stark an.

Doch“ vor Publikum vorige Woche warnte er. Es sei nicht so, dass Brüssel nun härter gegen das Schwerverbrechen vorgehe als die anderen Gerichtsbezirke Belgiens. Man hole nun einfach jenen enormen Rückstand auf, der sich in Jahren politischer Fahrlässigkeit angesammelt hat. Moinil, der zuvor schon zehn Jahre in verschiedenen belgischen Staatsanwaltschaften mit dem Kampf gegen organisierte Kriminalität befasst war, ließ bei dieser Veranstaltung mit einigen erschütternden Fakten aufhorchen.

So kostet es zum Beispiel mittlerweile nur rund 2000 Euro, einen Jugendlichen dazu anzustiften, mit der Kalaschnikow jemandem in die Beine zu schießen. Organisiert werden diese immer wieder tödlich endenden Abrechnungen im Kokainmilieu von den Kapos aus den Gefängniszellen – per Handy. Anfang des Monats rief Moinil öffentlich dazu auf, endlich Störsender in den Haftanstalten zu installieren, um das zu unterbinden. Sind die endlich geliefert worden?

, fragte einer der „Soir“-Journalisten. Ja, sagte Moinil. Nur gebe es nicht ausreichend viele für alle einsitzenden Drogenbosse. Mindestens zehn Milliarden Euro mache das Drogengeschäft in Brüssel allein aus, sagte er.

Moinil benötigte schon ein halbes Jahr nach Amtsantritt angesichts schwerer Drohungen aus dem Drogenmilieu permanenten Polizeischutz. Doch auch bei der Brüsseler Stadtpolitik macht er sich unbeliebt. In der „Soir“-Diskussion erzählte er vom Anruf eines Abgeordneten des Parlaments der Hauptstadtregion, der ihn angerufen und gebeten habe, einen Bekannten, der im Gefängnis sitzt, freizulassen. Erstauntes Gelächter im Saal.

Er habe der Bitte natürlich nicht nachgegeben, sagte Moinil. Er sei aber bisweilen, kommentierte er ironisch, schon über das Niveau an Kompetenz und Integrität im Brüsseler Parlament erstaunt. Die empörten Reaktionen der Brüsseler Parteien erspare ich Ihnen. Sie bestätigen den Befund dieses mutigen und scharfsinnigen Staatsanwalts. Brüssel, Belgien, ganz Europa bräuchte mehr von seiner Sorte.

Wir haben diese Nachrichten zusammengefasst, damit Sie sie schnell lesen können. Wenn Sie sich für die Nachrichten interessieren, können Sie den vollständigen Text hier lesen. Weiterlesen:

DiePressecom /  🏆 5. in AT

 

Österreich Neuesten Nachrichten, Österreich Schlagzeilen

Similar News: Sie können auch ähnliche Nachrichten wie diese lesen, die wir aus anderen Nachrichtenquellen gesammelt haben.

Besuch im Werk der F-35-Kampfjets: Hier könnten Österreichs...Besuch im Werk der F-35-Kampfjets: Hier könnten Österreichs...David Freudenthaler berichtet seit 2020 für den Economist der „Presse“. Der gebürtige Oberösterreicher setzt seine Schwerpunkte auf Innovation, Industrie und Handel sowie volkswirtschaftliche Themen. Von 2024 bis 2025 war er für die „Presse“ als Deutschland-Korrespondent in Berlin tätig.
Weiterlesen »

EU stellt fast 710 Millionen Euro für Flüchtlinge und Krisenopfer bereitEU stellt fast 710 Millionen Euro für Flüchtlinge und Krisenopfer bereitDie Europäische Union will mit einem neuen Hilfspaket insbesondere vertriebene Menschen in Subsahara-Afrika unterstützen. Zudem sind Gelder für Rückkehrhilfen, die Ebola-Bekämpfung im Kongo sowie Opfer von Konflikten, Epidemien und Naturkatastrophen vorgesehen.
Weiterlesen »

Kampf gegen Flammen: Wohnhaus brannte wie ZunderKampf gegen Flammen: Wohnhaus brannte wie ZunderFast sieben Stunden lang mussten die Feuerwehrleute in der Nacht von Freitag auf Samstag einen Brand in Niederösterreich löschen. Ausgehend von der ...
Weiterlesen »

Fischsterben: „Wer zerstört, der muss auch zahlen“Fischsterben: „Wer zerstört, der muss auch zahlen“Fast sieben Monate ist es her, seitdem Massen an Fische entlang der Lavant in Kärnten wegen einer Chemikalie gestorben waren. Der Lavanttaler Verein ...
Weiterlesen »