Brasilien wählt – und das betrifft auch Österreich

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Brasilien wählt – und das betrifft auch Österreich
Brasilien, Brasilien-Wahl 2026, Eu-Mercosur

Brasilien wählt am 4. Oktober. Österreich exportiert Waren für 1,1 Milliarden Euro in das Land – und sieht weiteres großes Potenzial.

Am 4. Oktober finden in Brasilien Parlaments- und Präsidentschaftswahlen statt. Für Österreich ist die größte Volkswirtschaft Lateinamerikas der wichtigste Handelspartner in Südamerika und hat zuletzt weiter an Bedeutung gewonnen.

Die heimischen Warenexporte stiegen 2025 auf rund 1,1 Mrd. Euro. Zusätzliche Impulse bringt das seit 1. Mai vorläufig angewendete EU-Mercosur-Abkommen, das Handelshemmnisse für rund 1000 exportierende Betriebe schrittweise abbaut.

Mehr als die Hälfte der südamerikanischen Exporte Österreichs gehen nach Brasilien. Nach Angaben der Wirtschaftskammer Österreich beliefern rund 1000 heimische Unternehmen den Markt. Etwa 130 österreichische Niederlassungen sind vor Ort aktiv, davon rund 35 mit eigener Produktion, bei einem Investitionsvolumen von etwa 2,4 Mrd. Euro.

Im ersten Halbjahr 2026 legten die Ausfuhren um 1,1 Prozent zu, nachdem sie 2025 um 3,3 Prozent auf knapp 1,1 Mrd. Euro gestiegen waren.

„Brasilien ist die mit Abstand wichtigste Volkswirtschaft Südamerikas und ein Markt, an dem mittelfristig kein Weg vorbeiführt“, sagt der WKÖ-Wirtschaftsdelegierte in São Paulo, Günther Sucher. „Wir spüren derzeit deutlich mehr Interesse österreichischer Unternehmen. “Der Warenaustausch erbrachte für Österreich 2025 einen Handelsbilanzüberschuss von 773,5 Mio. Euro, da den Ausfuhren Importe aus Brasilien von 326,5 Mio.

Euro gegenüberstanden. Makroökonomisch zeigt sich das Land mit einem Bruttoinlandsprodukt von mehr als 2 Billionen US-Dollar vergleichsweise robust. Für 2026 erwartet der Internationale Währungsfonds ein Wirtschaftswachstum von rund 2,4 Prozent. Die Arbeitslosenquote fiel auf einen historischen Tiefstand von etwa 6,0 Prozent, während die Inflation nach zweistelligen Werten im Jahr 2022 für 2026 bei knapp unter 5 Prozent erwartet wird.

Um den Preisauftrieb zu dämpfen, hält die Zentralbank den Leitzins auf hohem Niveau: Nach einer Senkung Anfang 2026 liegt er bei 14,75 Prozent. Belastend wirken das Budgetdefizit von rund 7 Prozent des BIP sowie die auf über 90 Prozent des BIP gestiegene Staatsverschuldung.

„Die brasilianische Wirtschaft hat in den vergangenen Jahren erstaunliche Resilienz gezeigt“, meint Sucher. „Gleichzeitig wird die nächste Regierung Antworten auf die hohe Staatsverschuldung finden müssen. Unabhängig vom Ausgang der Präsidentschaftswahl wird sie dafür im politisch stark fragmentierten Kongress Mehrheiten und Kompromisse suchen müssen.

“ Besondere Marktchancen für österreichische Anbieter bestehen beim Ausbau der Verkehrsinfrastruktur, bei Umwelttechnologien, Wasserversorgung und erneuerbaren Energien. Das von der brasilianischen Regierung beschlossene Investitionsprogramm für die Infrastruktur umfasst 320 Mrd. Euro. Auch der Luftfahrt- und Verteidigungssektor bietet Zuliefermöglichkeiten, etwa im Rahmen der Kooperation mit dem Flugzeughersteller Embraer.

Durch den schrittweisen Zollabbau im Rahmen des EU-Mercosur-Abkommens beziffert die Exportagentur ITC das zusätzliche Exportpotenzial österreichischer Unternehmen nach Brasilien bis 2030 auf mehr als 900 Mio. Euro. Zu den bereits etablierten österreichischen Unternehmen vor Ort zählen unter anderem Andritz, Doppelmayr, Frequentis, Palfinger, Anton Paar, RHI Magnesita und FACC. Bei der Präsidentschaftswahl am 4.

Oktober tritt Amtsinhaber Luiz Inácio Lula da Silva erneut an, zu seinen Gegenkandidaten zählt Senator Flávio Bolsonaro. Sollte kein Kandidat im ersten Durchgang die absolute Mehrheit erreichen, findet am 25. Oktober eine Stichwahl statt. Neben dem Präsidenten werden Gouverneure der Bundesstaaten sowie Abgeordnete und Senatoren für den Nationalkongress gewählt.

Unabhängig vom Wahlausgang erwarten Ökonomen keine grundlegende Abkehr von der Einbindung in globale Märkte, da das Land als Nettoenergieexporteur und Rohstofflieferant von Mineralien und Agrargütern eine zentrale Rolle auf den Weltmärkten spielt.

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