Helmut Weinwurm, Bosch-Chef in Österreich, betont die hohe Innovationskraft und das exzellente Ausbildungssystem des Landes. Er fordert jedoch eine schnellere Umsetzung der Industriestrategie und warnt vor dauerhaft hohen Lohnkostensteigerungen.
Helmut Weinwurm, Bosch -Chef in Österreich , lobt Österreich als Forschung sstandort. Bei der Industriestrategie fordert er schnellere Umsetzung. Die starken Lohnkostensteigerungen der vergangenen Jahre dürfen allerdings nicht zum „Dauerzustand“ werden.
“ Ein Steckenpferd der österreichischen Industrie ist ihre Forschungskraft. Doch China demonstrierte zuletzt immer häufiger die eigene Innovationskraft. Das Land investiert massiv, chinesische Studierende und Forschende werden ermutigt, auf der ganzen Welt zu arbeiten. Bedroht das die heimische Stärke?
Das Wichtigste ist laut Weinwurm aber: „Unsere Reputation ist unser größtes Kapital. Hersteller sagen bewusst, dass sie Entwicklungen aus Österreich haben wollen. Wir haben Projekte umgesetzt, an denen andere gescheitert sind.
“ Natürlich hat China gute Ideen. „Wir sehen das sportlich und konzentrieren uns auf unsere eigenen Stärken. “ Das habe mehrere Gründe: „Österreichs exzellentes Ausbildungssystem von den HTLs bis zu den Hochschulen sichert uns Top-Talente. Die Forschungsprämie stärkt zudem unsere Wettbewerbsfähigkeit.
“In Österreich kann für die Forschung und experimentelle Entwicklung eine Forschungsprämie in der Höhe von 14 Prozent der Forschungsaufwendungen beansprucht werden. „Das ist ein entscheidender Standortfaktor. “ Er schätzt es sehr, dass die Förderung trotz Sparkurs beibehalten wurde, wie er im „Presse“-Gespräch sagt. In Österreich erzielte die Bosch-Gruppe 2025 mit rund 3300 Mitarbeitenden einen Umsatz von 1,12 Milliarden Euro.
Zu den Geschäftsbereiche zählen Mobility, Industrial Technology, Consumer Goods sowie Energy and Building Technology. An den Standorten Wien, Linz und Hallein sind internationale Kompetenzzentren für die Entwicklung innovativer und zukunftsweisender Mobilitäts- und Wasserstoff-Lösungen angesiedelt. Nahezu die Hälfte der Belegschaft in Österreich ist im Engineering-Bereich tätig. Für das laufende Geschäftsjahr rechnet Bosch in Österreich mit einem weiterhin anspruchsvollen Umfeld.
Geopolitische Spannungen und unsichere Energiepreise dämpfen die konjunkturelle Entwicklung. Für 2026 plant Bosch ein Umsatzwachstum von zwei bis fünf Prozent und eine operative EBIT-Rendite auf vier bis sechs Prozent. Laut Schätzungen der Statistik Austria werden heuer in Österreich rund 17,6 Mrd. Euro für Forschung und Entwicklung ausgegeben.
Die Forschungsquote, also der Anteil der F&E-Ausgaben am nominellen Bruttoinlandsprodukt , beträgt damit aller Voraussicht nach 3,34 Prozent. Das ist geringer als im Jahr 2025. Damals wurde ein Höchstwert von 3,39 Prozent erreicht. Das Niveau bleibe 2026 aber hoch, denn EU-weit bleibe man damit immer noch auf Platz drei, heißt es von der Statistik Austria.
Grund für den Rückgang seien die Stagnation der Unternehmensfinanzierung und der öffentlichen Finanzierung für Forschung. In Linz entwickelt Bosch Wasserstoffmotoren.
„Wir glauben, dass Wasserstoffmotoren für schwere Anwendungen wie Bagger, LKW oder Landmaschinen die Zukunft sind. “ Zudem wird in Pasching an Verdichterstationen für Wasserstofftankstellen und in Hallein an Einspritzsystemen für Großmotoren, die mit Wasserstoff, Ammoniak und Methanol betrieben werden, geforscht. „In Wien entwickeln wir Software- und Hardwarelösungen für verschiedenste Antriebsarten. Das sind Innovationen, die in Österreich entwickelt wurden und teils auch hier gefertigt werden.
“ Von der Industriestrategie der Bundesregierung fühlt sich Weinwurm als Unternehmer verstanden. „Das ist ein guter Ansatz. Ich finde es richtig, dass man sich auf bestimmte Themen fokussiert. Mobilität ist dabei, das ist für uns zentral.
“ Damit das Vorhaben nicht nur ein Lippenbekenntnis bleibt, müssen die Maßnahmen schnell umgesetzt werden, appelliert Weinwurm in Richtung Regierung. „Es braucht jetzt eine deutliche Beschleunigung der Umsetzungsprozesse“, sagt der CEO. An guten Konzepten mangelt es nicht, doch die langen Fristen bis zur wirksamen Implementierung gefährden unsere Wettbewerbsfähigkeit. Man sieht es: Die Entscheidung fiel im Jänner, doch die Umsetzung erfolgt erst Anfang 2027.
Diese Verzögerung ist für mich nicht nachvollziehbar.
“ Er ist der Meinung: Man muss nicht immer alles sofort perfekt haben. „Oft ist es besser, anzufangen und danach nachzusteuern. “ Etwas durchdachter handeln könnte die Politik bei der Förderung für Wärmepumpen. 2024 wurden diese sehr stark gefördert, Ende 2024 wurde diese Hilfe abrupt eingestellt, womit die Nachfrage plötzlich eingebrochen ist. „Die Förderungen sind Fluch und Segen“, sagt Weinwurm.
Anfang 2025 bescherten die Hilfen dem Unternehmen noch ein gutes Geschäft, weil genehmigte Aufträge abgearbeitet wurden.
„Ab September ist der Markt dann völlig abgerissen. “ In Summe ging der Wärmepumpenmarkt bei Bosch in Österreich 2025 um 22 Prozent zurück. Seit 2026 gibt es eine neue, deutlich niedrigere Förderung. Weinwurm: „Man muss nicht mit so hohen Beträgen wie 2025 fördern.
“ Er glaubt aber auch, dass der neue Fördertopf von 360 Mio. Euro bereits im August oder September ausgeschöpft sein könnte. Dann droht genau dasselbe Problem wie 2025: ein gutes erstes Halbjahr, ein schwaches zweites. Wichtig wäre aus Weinwurms Sicht, „Förderungen so zu gestalten, dass sie das ganze Jahr abdecken und langfristig planbar sind.
“ Ständige und kurzfristige Veränderungen würden den Endkunden verwirren. Für heuer ist er trotzdem optimistisch, ein „vernünftiges Jahr zu schaffen“, wegen der neuen Förderung und weil das Unternehmen heuer sieben neue Produkte auf den Markt bringt. Einen Chipmangel befürchtet der Manager derzeit nicht. Eher das Thema steigender Kosten – aufgrund des Konflikts im Nahen Osten.
„Wenn das länger dauert, wirkt es sich auf die Inflation aus. Unsere Kosten werden steigen, und damit auch die Preise zukünftiger Produkte.
“ Nach wie vor begleitet das Unternehmen auch die Lohnkostensteigerungen der vergangenen Jahre. „Als Unternehmer muss ich sagen: Das war zu viel. “ Die daraus resultierenden Preiserhöhungen waren „teilweise massiv“, sagt Weinwurm. „Das ist nicht förderlich, weil mit höheren Preisen auch die Nachfrage zurückgehen kann.
“ Solche Entwicklungen sind für den Bosch-Standort Österreich kritisch. „So etwas darf kein Dauerzustand werden. “
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