Der Leiter des Ressorts „Management & Karriere“ spürt wöchentlich in der „Sprechblase“ Worthülsen und Phrasen des Management- und Business-Sprechs auf und nach. Außerdem ist er Mitglied der „Presse“-Rätselredaktion.
Ein gutes Netzwerk erkennt man nicht daran, wie viele Menschen man kennt – sondern daran, wie viel Vertrauen zwischen ihnen entstanden ist.
“ Für Carola Purtscher besteht Netzwerken nicht im Sammeln von Kontakten. Vielmehr in guten Gesprächen, Verlässlichkeit und Aufmerksamkeit. Die Eigentümerin und Geschäftsführerin von Purtscher Relations PR ist außerdem Gastgeberin ihres Salonformats „Tafelrunde“. Menschen erinnern sich daran, wer Wort hält, wer zuhört, wer jemanden zusammenbringt, ohne unmittelbar davon zu profitieren.
„In einer zunehmend digitalen und KI-geprägten Welt wird diese persönliche Verlässlichkeit wertvoller – weil Aufmerksamkeit und echte menschliche Verbindung knapper werden“, sagt Purtscher. Ganz ähnliche Gedanken haben auch Andreas Tschas angetrieben, vor zwölf Monaten seine Wirtschaftsplattform Conxious ins Leben zu rufen – die bewusst keine „busy“ Businessplattform sein soll.
„Ich möchte mit Menschen zusammenarbeiten, denen ich vertrauen kann“, sagt der Serial Entrepreneur, der unter anderem den Start-up-Inkubator und das Festival „Pioneers“ und das Tech-Start-up „Glacier“ gegründet hat. „Vertrauen“, sagt er, „das ist die wichtigste Währung der Zukunft, wenn wir nicht mehr unterscheiden können, was ,fake‘ und was ,real‘ ist. “ Daher werden Räume wichtiger, in denen man sich persönlich trifft. Die können natürlich auch im Freien sein: Sehr gern auch bei einem Spaziergang.
So wie beim Conxious Picnic, das diese Woche auf dem Otto-Wagner-Areal stattfand. Seine Vision sei, mit Conxious „ein neues Betriebssystem für die Wirtschaft mitzuentwickeln, das auf Vertrauen und innerer Klarheit beruht. Unser heutiges Betriebssystem ist sehr stark von Wachstum, Effizienz, Wettbewerb und Status geprägt. Und ich glaube gar nicht, dass das alles falsch ist.
Aber ich glaube, dass es für die Welt, die gerade entsteht, nicht mehr reicht.
“ Er wünsche sich eine Wirtschaft, in der Bewusstsein, Vertrauen, Kooperation und Verantwortung genauso selbstverständlich dazugehören wie wirtschaftlicher Erfolg. Das Modell dafür laute „aware – align – act“, also zuerst innehalten und sich selbst und andere wahrzunehmen, dann Verbindung und Vertrauen aufzubauen und gemeinsame Werte genauso wie unterschiedliche Perspektiven zuzulassen und schließlich gemeinsam Projekte zu starten.
Die Community, zu der auch Gründungspartner wie Hansi Hansmann, Bernhard Niesner, Georg Kopetz, Albert Schmidbauer und Andreas Schuster zählen, soll auf maximal 150 Mitglieder wachsen. Aber nicht nur aus CEOs bestehen. Unternehmer und Investoren sollen genauso dabei sein wie Menschen aus Wissenschaft, Kunst, Bildung oder anderen Bereichen.
„Die unterschiedlichen Perspektiven machen es spannend“, sagt Tschas. Die besten Netzwerke „sind keine geschlossenen Kreise, sondern Räume, in denen Neues entstehen kann“, sagt auch Purtscher. Darin liege auch die Aufgabe der Gastgeberin, so wie sie auch die mittlerweile 25. Tafelrunde anlegt: „Nicht möglichst viele interessante Menschen in einen Raum zu bringen, sondern die richtigen – und Bedingungen zu schaffen, unter denen aus Begegnungen Beziehungen, Ideen und manchmal auch unerwartete Kooperationen entstehen.
“ Oder anders gesagt: Gute Gastgeber organisieren keine Kontakte, sie ermöglichen Verbindung. Das Spezielle bei der Tafelrunde: Politiker oder Manager interviewen Journalisten. Hier Minister Peter Hanke grillt „Presse“-CEO Rainer Nowak.
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