Babler oder Zeiler? Österreichs Sportpolitik braucht Glaubwürdigkeit

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Andreas Babler ist seit April 2025 nicht nur Vizekanzler, sondern auch Österreichs Sportminister. Viele Verbände und politische Opposition sehen seine raren Auftritte ambivalent, das...

Andreas Babler ist seit April 2025 nicht nur Vizekanzler, sondern auch Österreichs Sportminister. Viele Verbände und politische Opposition sehen seine raren Auftritte ambivalent, das „Tagesgeschäft“ erfüllt Staatssekretärin Michaela Schmidt.

Ob Olympia in Cortina, WM in San Francisco oder „Tag des Sports“ in Wien: Sportminister Andreas Babler war vor Ort. Österreichs Sport ringt seit jeher um Anerkennung. Das Begreifen der Relevanz eigener Bewegung steht allerdings landesweit im krassen Widerspruch zur Umsetzung. Man schaut lieber anderen beim Schwitzen zu, freut sich mit Siegern.

Und reibt sich an Verlierern, sofern es um Fußballer, Skifahrer oder Tennisstars geht. Auch in der Politik hegt jede Bundesregierung ein durchaus ambivalentes Verhältnis zum Sport. Für die einen wird er immer nur lästiges Anhängsel oder bloß willkommenes Spielzeug in Koalitionsverhandlungen bleiben. Manch Minister oder Staatssekretär interpretierte ihn dagegen flott als eigene Spielwiese, um sich mit Gewinnern telegen in Szene zu setzen.

Oder er diente als beste Exit-Strategie, wenn es Probleme aus anderen Bereichen zu kaschieren galt. Seit April 2025 ist Andreas Babler als Vizekanzler zugleich auch Sportminister. Doch weil Partei, Regierung und die Sparten Kultur, Wohnen sowie Medien offensichtlich zu viel Zeit beanspruchen, setzt Staatssekretärin Michaela Schmidt im Tagesgeschäft Taten. Ihr Einsatz mutet unermüdlich an, Dachverbände und Vereine wissen das zu schätzen.

Staatssekretärin Michaela Schmidt zeigt Präsenz: Ob mit ÖFB-Präsident Josef Pröll bei Länderspielen oder in Turnhallen, um dem Schulsport auf die Beine zu helfen. Speziell im Hinblick auf die Entwicklung der „Täglichen Bewegungseinheit“ an Volksschulen und Kindergärten hat sie viel bewirkt. Trotz Sparprogrammen wird dieser Notwendigkeit mit Kleinstmaßnahmen mehr Geld zuteil, auch Bildungsminister Christoph Wiederkehr scheint überzeugt. Er steuert nun aus seinem Ressort zwei Millionen Euro bei für Wiener Brennpunktschulen, damit Bewegungs-Coaches angestellt werden.

Bablers Auftritte blieben dagegen rar – und werden darum umso kritischer verfolgt. Ob Österreich-Haus bei den Winterspielen in Cortina, VIP-Klub bei Länderspielen, WM-Besuch in San Francisco, Davis-Cup oder der Besuch des „Tag des Sports“ am Heldenplatz: Beobachter aus den eigenen Reihen sahen bei Großevents tatsächlich einen „Zaungast“. Die Opposition verlangte in einer parlamentarischen Anfrage Auskunft darüber, warum sein USA-Ausflug 21.000 Euro gekostet hat.

Dass Babler Wort halten und die 2027 vorgenommenen Kürzungen der „Besonderen Sportförderung“ zurücknehmen will – die Rückkehr auf 120 Millionen Euro für den organisierten Sport soll zulasten des allgemeinen Sport-Etats gehen – bleibt unbedankt. Tenor: Dieses Geld komme ohnehin aus seiner „Minister-Schatulle“ und wird dem Sport trotzdem fehlen.

Weil sich auch Österreichs Sport mit der von Gerhard Zeiler erhofften SPÖ-Revolution auseinandersetzt und mit ihr unverhohlen kokettiert – neue Politiker haben zumeist glänzendere Geschenke im Talon, ob sie irgendwann auch auszupacken sind, steht freilich auf einem anderen Wunschzettel – wird die Kluft zu Babler schnell offensichtlich. Man stellt sich vehement die Frage seiner Glaubwürdigkeit und prangert wie bei so vielen Vorgängern auffallend schlechtes Handling an.

Seit 2018 und der ersten Kurz-Regierung ist der Sport nach Jahrzehnten der politischen Wanderschaft im Wirkungsbereich des Vizekanzlers verankert. Seiner Rolle und Wahrnehmung hat das unbestritten geholfen, aber nur Werner Kogler hat es verstanden, mit souveräner Arbeit mit ihr auch in Krisenzeiten für Österreich zu punkten. Jetzt wären neue, wichtige Offensiven betreffend Infrastrukturen oder Schulsport nötig, doch Babler wird sich in Abwehrarbeit gegen Zeiler, ob er denn kommt, scheitert oder überhaupt mehr versteht vom Sport, mühen.

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