Die Austria-Frauen kassierten im ersten Heimspiel erst in der letzten Minute den 1:1-Ausgleich gegen Inter. Ein bitteres Ende, aber der erste Punkt.
Die Austria-Frauen kassierten im ersten Heimspiel erst in der letzten Minute den 1:1-Ausgleich gegen Inter. Ein bitteres Ende, aber der erste Punkt. Austrias Heimpremiere in der Champions League endete mit einem 1:1-Remis gegen Inter Mailand.
Modesta Uka hatte sich mit einem Kunstschuss aus gut 20 Metern als erste violette Torschützin in die Geschichte eingetragen und die Wienerinnen bis zur 92. Minute vom ersten Sieg eines österreichischen Klubs in der Königsklasse seit fast vier Jahren träumen lassen. Doch in der letzten Minute traf Ivana Andres Sanz nach einem Eckball noch zum Ausgleich für Inter.
Wie schon eine Woche zuvor bei derhatten die Veilchen vor 3609 Fans in der Generali Arena auch diesmal die Statistiken auf ihrer Seite und belohnten sich dieses Mal zumindest mit einem Punkt. Drei Erkenntnisse aus dramatischen 93 Minuten. Es ist beeindruckend, mit welchem Selbstverständnis die Austrianerinnen gegen die namhaften Gegner antreten. Schon beim Aufwärmen vom eigenen Anhang gefeiert ließen sich die Veilchen wie in London nicht einschüchtern.
Sie spielen mit Plan, jede Spielerin kennt ihre Rolle im System. Trotz weniger Ballbesitz hatten sie das Spiel über die meiste Zeit im Griff, erst im Finish bekam die Abwehr mit der Routine von über 450 Länderspielen ernsthaft in Gefahr. Die ersten beiden Male war Torhüterin Jasmin Pal in höchster Not zur Stelle , nach dem schlecht verteidigten Eckball in der letzten Minute dann aber auch geschlagen. Der deutliche Budgetunterschied zugunsten Inters bedeutet zwar, dass man zur Halbzeit eine deutsche Nationalspielerin wie Lina Magull einwechseln kann, war aber sonst lange Zeit über auf dem Rasen nicht zu sehen.
Den ersten italienischen Torschuss gab es erst nach gut einer Stunde, zu einer Abwehrschlacht wurde es für die Austria erst im Finish als die Kräfte nachließen und vielleicht auch der Kopf zum Realisieren begann. Der bis dahin so mutige Ansatz und die Treue zum eigenen Spiel ist ein markanter Unterschied zu St. Pöltens Auftritten in den vergangenen Jahren.
In der Heimat dominant, verfiel der einstigen Serienmeister auf internationaler Bühne zu oft ins Mauern, dabei fehlte aber ein Abwehrbollwerk wie es jetzt die violette Verteidigung ist. Entsprechend ist die Latte, die St. Pölten auf der größten Fußballbühne hinterlassen hat, nicht allzu hoch. Aus vier Gruppen- bzw. Ligaphasen also 24 Partien stehen ein Sieg sowie vier Unentschieden zu Buche. Im Vorjahr schieden die SKN-Frauen als Tabellenletzter mit einem Punkt aus.
Modesta Uka fiel schon zu Sturm-Zeiten in der Bundesliga auf, seit ihrem Wechsel zur Austria 2025 arbeitet sie nicht mehr im Familienbetrieb mit, sondern kann sich ganz auf den Fußball konzentrieren. Das Ergebnis ist nun auch auf höchstem Level zu sehen. War die 27-Jährige gegen Chelsea noch etwas übermotiviert und am Ende auch glücklos, sorgte sie diesmal mit einer Einzelaktion für die Entschiedung.
Das belegt, welches Potenziel die Professionalisierung der heimischen Klubs und Liga bewirken kann. Auch wenn Stürmerin Uka demnächst auf Seiten Kosovos im WM-Playoff gegen Österreich zu sehen wird, dürfte auch ÖFB-Teamchef Lars Söndergaard mit Freude der Austria zuschauen.
Die 17-jährige Valentina Pötzl spielt mit einer erfrischenden Abgebrühtheit auf und wird mit Dribblings und Zweikampfhärte über kurz oder lang wie Patricia Pfanner oder Tatjana Weiss im Nationalteam gefragt sein. Bei der Austria mögen die routinierten Namen wie Carina Wenninger , Katharina Schiechtl, Virginia Kirchberger oder Verena Hanshaw ins Auge stechen, mit im Schnitt 24 Jahren aber ist der violette Kader der siebentjüngste unter den 18 Champions-League-Teilnehmern.
Acht der zehn Austrianerinnen mit den meisten Einsatzminuten waren in der vergangenen Meistersaison Österreicherinnen , bei St. Pölten waren es im Jahr zuvor lediglich vier.3609 Fans hörten bei schönstem Spätsommerwetter am Donnerstagabend erstmals die Champions-League-Hymne der Frauen und schrieben einen violetten Rekord für die Wiener Generali Arena. Erstmals war auch wieder die Osttribüne geöffnet, von wo Gesänge und Anfeuerungen für eine stimmungsvolle Atmosphäre sorgten.
Es waren auch fast zehnmal so viele Besucher wie die 393, die im Schnitt zu den bisherigen vier Ligaspielen kamen, dennoch wäre mit 15.000 Plätzen noch viel mehr möglich. Im internationalen Vergleich muss man sich dennoch verstecken: Im Schnitt 3907 Fans kamen in den ersten beiden Champions-League-Runden, in denen jedes der 18 Teams einmal vor Heimpublikum angetreten ist.
Wie die Austria sind mit Ausnahme des belgischen Klubs Leuven alle übrigen 17 Teams mit namhaften Männerabteilungen assoziiert, nicht alle aber tragen wie die Wienerinnen alle ihre Heimspiele auch in den großen Vereinsstadien aus. Selbst Arsenal, das in der Liga in der Vorsaison im Schnitt über 30.000 Fans ins Emirates Stadium lockte, spielte zum Auftakt in einem kleineren Stadion. Das spricht dafür, dass nationale Rivalitäten mehr ziehen und das etablierte Publikum die zumeist familienfreundlichen Anpfiffzeiten nachmittags am Wochenende schätzt.
In diesem Sinne: Am Sonntag wartet in eben jener Generali Arena das erste Wiener Derby der Fußballerinnen zwischen Austria und Rapid, in das die violetten Hausherrin mit einem Champions-League-Erfolgserlebnis gehen dürfen.
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