Anne Bennent vergoldet ja auch ein öffentliches Klo

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Anne Bennent vergoldet ja auch ein öffentliches Klo
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Wenn die wundervolle Schauspielerin Anne Bennent spielt, erübrigt sich die Frage, ob sich der Text von Marlene Streeruwitz’ „Sturm.“ im Nestroyhof Hamakom wirklich lohnt.

Wenn die wundervolle Schauspielerin Anne Bennent spielt, erübrigt sich die Frage, ob sich der Text von Marlene Streeruwitz’ „Sturm.

“ im Nestroyhof Hamakom wirklich lohnt. Er schießt mithilfe von Elon Musk als Rakete ins Weltall oder wird in Wien in einer still gelegten öffentlichen Toilette gefoltert: Der Titan Prometheus wird derzeit wieder öfter aus seiner mythischen Versenkung geholt. Theoretiker des Transhumanismus beziehen sich gerne auf ihn, und nicht zuletzt deswegen folgt der deutsche Altphilologe Jonas Grethlein in seinem kürzlich erschienenen neuen Buch „Prometheus“ der Macht dieses Mythos bis hin zu Elon Musk.

Die österreichische Autorin Marlene Streeruwitz wiederum imaginiert Prometheus in ihrem Ein-Personen-Stück „Sturm.

“ als eingesperrt und gefoltert – in einer still gelegten öffentlichen Wiener Toilette. Warum gerade dort? Vielleicht auch einfach, damit für dieses Auftragswerk des Theaters Nestroyhof Hamakom die Figur der Frau Horváth reaktiviert werden kann: In Streeruwitz’ Roman „New York. New York“ betreute sie die öffentliche Bedürfnisanstalt in der Wiener Burggasse.

Hier ist sie Prometheus’ monologisierende Pflegerin. Prometheus, der Feuerbringer, wurde und wird in der Geschichte sehr unterschiedlich und ambivalent gedeutet. Bei Marlene Streeruwitz ist er eine positive Figur. Das ist bei dieser Autorin schon einmal nicht selbstverständlich, immerhin ist er ein Mann.

Aber in diesem Stück ist er halt der „Vorausdenker“, im Gegensatz zu allen die Welt kaputt machenden „Nachdenkern“ . Wer diese „Nachdenker“ sind? Offenbar die übrige Männerwelt, mindestens die, die politisch und wirtschaftlich das Sagen haben. Vor- oder nachdenkend: Männer sind also doch die denkende Spezies?

Frau Horváth hingegen ist hier Repräsentantin der Frau als Sorgender, sie ist wackere Durchhalterin, damit aber auch Verlängerin eines schlechten, bösen Systems . Im Gegensatz zum Titanen, sichtbar nur als kleine, halb verfallene Statue im Bühnenhintergrund, ist diese monologisierende Frau Horváth zwar erschöpft, aber quicklebendig. Sie wartet auf die Folterer wie auf Godot und schwätzt dabei unterhaltsam, mit sattem Wienerischen Einschlag und immer wieder originellen Formulierungen und Assoziationen.

Was aber aus diesem Zusammenspannen von Privatem, Gesellschaftlichem und Mythischem an Weltbetrachtung resultiert, ist ermüdend erwartbar und unerhellend. Ist das aber hier so wichtig? Anne Bennent, eine der bedeutendsten deutschsprachigen und doch seit Jahrzehnten auf großen Bühnen nicht zu sehenden Schauspielerinnen, spielt in Wien, das reicht. Was sie spielt, ist da fast schon egal. Sie vergoldet alles.

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