Andreas Vitásek startet mit seinem neuen Programm Wie es mir gefällt am 6. Oktober in der Wiener Kulisse seine Jubiläumstournee. Der 70-Jährige reflektiert persönlich seinen Weg vom Avantgarde- zum klassischen Kabarett, diskutiert Veränderungen durch Social Media und TikTok und würdigt den wachsenden Stellenwert von Frauen in der Kabarettszene.
Andreas Vitásek wagt zu seinem Bühnenjubiläum einen ganz persönlichen Streifzug durch 45 Jahre Kabarett. Start in Wien ist am 6. 10. Weitere Tourdaten: vitasek.at„Wie es mir gefällt“ heißt das neue Programm von Andreas Vitásek, der heuer seinen 70er gefeiert hat.
Es ist ein persönlicher Rückblick auf 45 Jahre auf der Kabarett-Bühne. Ab 6. Oktober in der Wiener Kulisse. : Mache ich klassisches Kabarett?
Wahrscheinlich. Ich habe kürzlich die KI befragt, was ich bin: ein Vertreter des klassischen Kabaretts. Als ich angefangen habe, war ich nicht klassisch. Das waren Farkas, Waldbrunn, das Simpl.
Ich zählte zum neuen Avantgarde-Kabarett! Mit den langen Erzählbögen ist es vorbei. Man bekommt kleine Häppchen, kurze Shows, geschuldet durchs TV, Social Media, Instagram, sogar TikTok. Mir ist das immer zu kurz.
Ich brauche ein bisschen Zeit. Ich muss mein Publikum erst einmal zu mir holen. Es ist einfach eine andere Spielart. Aber es hat sich viel getan.
Es gibt tolle junge Leute. Ich schaue mir immer wieder Kolleginnen und Kollegen an, weil ich auch die andere Seite kenne, als Intendant vom Kultur Sommer Güssing. Eine wirklich schöne Entwicklung ist, dass die Frauen jetzt viel präsenter sind. Es gab etwa Andrea Händler oder die Dolly Schmidinger.
Aber das Kabarett war männlich dominiert. Doch die Frauen haben aufgeholt, weil man heute emanzipatorische Themen natürlich gut verhandeln kann. Während wir Männer gerne ins Wehleidige abdriften. Mein Stil hat sich natürlich über die 45 Jahre stark verändert.
Ich erinnere mich an den Beginn, als ich von meiner Ausbildung als Pantomime in Paris gekommen bin. Über die Kabarett-Lokale kam ich mit den Kollegen wie Lukas Resetarits und I Stangl in Kontakt und zum Kabarett. Wir haben uns dann gegenseitig beeinflusst und befruchtet. Ich begann plötzlich zu reden und die anderen haben angefangen, sich mehr zu bewegen.
Wenig. Aber es gibt Leute, die mir sagen, man spürt das noch immer, wenn ich spiele. Ich überlege, beim Jubiläumsprogramm eine große Pantomime zu zeigen. Die geht über zehn Minuten, und ich spiele mit einem weißen Tuch verschiedene Personen, einen Kellner, einen Einarmigen, einen Pianisten.
Ja, ich habe vor, dass es im Fluss ist. Dass ich es immer wieder verändern kann, neue Nummern hineinnehme, anderes wieder herausnehme. Ich wollte aus diesem Korsett, alle zwei, drei Jahre ein neues Programm zu machen heraus. Aber ich wollte eben auch nicht einfach nur die Blockbuster versammeln, sondern versuchen, einen persönlichen Faden zu finden.
Ich bringe etwa eine uralte Nummer aus 1991, den Wochenend-Vater. Das war eine Landmarknummer, weil ich zum ersten Mal gereimt habe, womit ich dann auch wieder aufgehört habe. Und ich habe zum ersten Mal wirklich etwas ganz intim Privates von mir gegeben. Mehr, als ich geglaubt habe.
In der Durchschau bin ich auf Sachen gestoßen, die habe ich gerne gespielt, aber gemerkt: Das geht nicht mehr. Es geht thematisch nicht, zeitgeistlich nicht, es ist auch politisch nicht mehr korrekt. Es gibt auch so viel Aufregung. Egal, was man sagt, es regt sich immer jemand auf.
Ich habe einmal ein Rezept über Tintenfisch-Risotto empfohlen und bekam dann den Vorwurf: Wie können Sie Tintenfisch essen? Das sind doch so intelligente Lebewesen. Ich gehe meistens von mir selbst aus. In der Hoffnung, dann ins Allgemeingültige zu gelangen.
Ich glaube auch, dass ich relativ durchschnittlich bin. Ein Kabarettist sollte nicht abgehoben sein, sondern dieselben Bedürfnisse, Leidenschaften und Wünsche haben, wie sein Publikum. Weniger eigentlich. Es ist schon wichtig.
Aber was will man über Trump und ähnliche Figuren noch sagen? Und Innepolitisches gerinnt derzeit eher nicht zu einer Nummer bei mir. Nein, diesen Beruf nimmt man sich nicht vor. Es ist so ein Versuchen und Irren.
Es passiert irgendwie. Ich habe Germanistik und Theaterwissenschaft studiert, war eher auf der theoretischen Seite. Erst als Komparse am Burgtheater habe ich Blut geleckt. Ich hatte das Glück, mit Giorgio Strehler für seine Shakespeare Königsdramen-Collage „Das Spiel der Mächtigen“ zu arbeiten.
Er gab uns besondere Aufgaben, und wir trainierten mit einer Pantomimin, die er von seinem Teatro Piccolo in Mailand einfliegen ließ. Da habe ich gemerkt, dass Pantomime und Körpertraining viel interessanter sind als etwa die Recherche über die Entwicklung des Kostüm-Ärmels im 18. Jahrhundert auf der Theaterwissenschaft. Ich bin dann sogar ans Mozarteum, habe die Aufnahmsprüfung für Regie und Schauspiel geschafft – und nach einer Woche wieder gegangen.
Es war Ende der 70er Jahre, und das große Them war die Suche nach sich selbst. Also bin ich nach Paris zu Jacques Lecoq. Der hat dann gesagt: Suche dich nicht selbst, du findest niemanden! Das war wie ein schönes Mantra für mich.
Ich habe also aufgehört mich zu suchen und mir gedacht, es geht um meinen Beruf, um meine Stellung in der Gesellschaft, und nicht darum, dauernd in sich hineinzuhören. Ich möchte nicht jünger sein, aber ich würde gerne länger leben. 200 Jahre oder so. Man hat keine Zeit mehr. Man möchte noch so viel sehen, noch so viele Bücher lesen, noch so viel erleben.
Die Kunstform Kabarett ist eine Mischung aus Kritik, Gesellschaftskritik, und Unterhaltung, aber hauptsächlich Gesellschaftskritik. Und ich finde in einer Zeit, die wirklich schwierig für die Menschen ist, dass mehr Unterhaltung nicht schadet. Vielleicht ist das die Altersmilde – oder schon Zahnlosigkeit. Hin und wieder mal zwei Stunden nicht daran denken zu müssen, was alles Schreckliches passiert, das ist fast schon medizinisch.
Womöglich ist das auch die Funktion von Kultur und der Kunst. Das klingt jetzt sehr konservativ, aber vielleicht hat auch das etwas mit dem Alter zu tun. Nein. Irgendwann wird die Zeit kommen, wo ich sage, es ist zu anstrengend.
Also ich hoffe, dass ich rechtzeitig draufkomme. Es besteht immer ein bisschen die Gefahr, dass man selbst die Zeichen der Zeit nicht erkennt. Aber es macht noch Spaß. User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia wieder.
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